Handball-Bundesliga

Die Füchse haben das Feuer neu entfacht

Nach dem großen Umbruch im Sommer reiten die Füchse auf der Erfolgswelle. Neu-Trainer Richardsson führt den Klub-Weltmeister von Sieg zu Sieg.

Applaus für die Fans: Fabian Wiede, Jesper Nielsen und Drago Vukovic bedanken sich nach dem souveränen Sieg am Sonntag über Lemgo bei ihren Anhängern

Applaus für die Fans: Fabian Wiede, Jesper Nielsen und Drago Vukovic bedanken sich nach dem souveränen Sieg am Sonntag über Lemgo bei ihren Anhängern

Foto: dpa Picture-Alliance / Foto Huebner / picture alliance / Foto Huebner

Das Lächeln wollte gar nicht mehr von den Gesichtern verschwinden. Torhüter Silvio Heinevetter strahlte und scherzte ausgelassen im Kabinengang der Schmeling-Halle, Torjäger Petar Nenadic erklärte, wie es sich anfühlt, mit 58 Treffern aus sieben Spielen der beste Torjäger der besten Handball-Liga der Welt zu sein, und Bob Hanning empfand eine Mischung aus Stolz und kindlicher Freude. „Es macht im Moment ganz viel Spaß“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin nach dem Kantersieg über Lemgo (37:27), „ich kann ganz entspannt auf der Bank sitzen und es genießen, dass wir nicht jedes Tor hart erarbeiten müssen.“

Nach sieben Bundesligaspielen schon auf Platz drei

Die Treffer gehen den Berlinern derzeit tatsächlich leicht von der Hand. Unter ihrem neuen Trainer Erlingur Richardsson, der im Sommer nach sechs Jahren Dagur Sigurdsson abgelöst hatte, haben die Füchse von den bislang zwölf Saisonspielen nur eins verloren: zum Bundesliga-Auftakt in Melsungen. Mit 11:3-Punkten rangiert der EHF-Pokalsieger und Klub-Weltmeister nach sieben Liga-Spielen auf Platz drei. „Wir sind ein Team, alle haben Lust und Freude“, beschrieb Hanning die Atmosphäre. Und Torgarant Nenadic ergänzte: „Bei uns stimmt die Chemie in der Mannschaft, das schafft viel Selbstvertrauen und pusht uns nach vorne.“ Seine vielen Tore, dank derer die Füchse an den Topteams Rhein-Neckar Löwen (16:0) und THW Kiel (12:4) dranbleiben, will der Serbe nicht überbewertet wissen: „Ich habe immer gesagt, Handball ist ein Teamsport. Es ist egal, wer die Tore erzielt.“

Das Team ist bei den Füchsen der Star, doch dass es so gut läuft, stand nicht zu erwarten. Immerhin erfolgte im Sommer der größte Umbruch der Vereinsgeschichte, neben Coach Sigurdsson verließen Spielerpersönlichkeiten wie Iker Romero oder Konstanin Igropulo den Klub. Es kamen sechs neue Spieler, zudem rückten die Nachwuchskräfte Fritz, Struck und Schade in den Profikader auf. Mit Prognosen taten sich die Verantwortlichen zu Saisonbeginn schwer.

Alle Transfers sind ein Volltreffer

Doch Erlingur Richardsson hat es binnen kurzer Zeit geschafft, die erfolgreiche Arbeit seines Landsmannes Sigurdsson fortzusetzen. „Ich glaube einfach, dass es bei uns passt“, erklärte Hanning, „man sieht, dass jeder Spieler wieder von innen heraus brennt.“

Damit ist genau das eingetreten, worauf die Vereinsführung nach den offensichtlichen Abnutzungserscheinungen und dem deshalb eingeleiteten Umbruch gehofft hatte. Noch im Dezember 2014 hatte Hanning die Mannschaft nach dem sportlichen Absturz auf Platz zehn ins Gebet genommen. Zu wenig Leidenschaft, zu wenig Herzblut hatte der Manager seinerzeit beklagt und eine gewisse Selbstzufriedenheit festgestellt. Auch die Doppelbelastungen von Sigurdsson als Klub- und Bundestrainer sowie Hanning als DHB-Vize und Füchse-Chef zeigten Wirkung. „Der Fisch fängt immer vom Kopf an zu stinken“, räumte Hanning in der Morgenpost ein.

Statt zu jammern wurden sukzessive Veränderungen vorgenommen. Neuer Trainer, neue Spieler, und die Stärkung der Funktion von Volker Zerbe, der seit Sommer für die Koordination Gesamtsport mitverantwortlich zeichnet. „Dadurch haben wir noch mehr Stabilität in unser Sportkonzept gebracht“, sagte Zerbe, „es ist wichtig, dass alle Zahnräder erfolgreich ineinander greifen.“

Abwehrchef Gojun steht für eine starke Defensive

Das klappt bei den Füchsen nun immer besser. „Die Jungs kommen alle bestens miteinander aus. Uns ist es gelungen, ein neues Feuer zu entfachen“, freute sich Hanning. Und das, obwohl mit Paul Drux und Mattias Zachrisson (beide Schulter) sowie Colja Löffler (Knie) drei Leistungsträger lange verletzt ausfallen.

Zur Erfolgswelle trage auch der „andere Trainertyp“ Richardsson mit seiner „anderen Ansprache“ bei, sagte Hanning. Der Isländer ist ein sehr kommunikativer Typ. „Und Volker Zerbe spielte jetzt eine größere Rolle.“ Zudem habe man ein unglaubliches Händchen bei allen Verpflichtungen gehabt. Allen voran mit Jakov Gojun. Der Kroate kam von Paris St. Germain an die Spree und ersetzte Denis Spoljaric als Abwehrchef. „Er ist ein richtiger Glücksgriff“, sagte Hanning. Gojun bildet mit Jesper Nielsen ein starkes zentrales Defensiv-Duo. „Unser Mittelblock in der Abwehr war gegen Lemgo sehr stark“, lobte Richardsson. Die gute Defensive ist auch der Grundstein für den Füchse-Erfolg. Hanning: „Die Rechnung ist aufgegangen.“