Am Sonnabend geht es um sehr viel – oder wie es der Sportinformationsdienst ausdrückt: High Noon in Hannover. Nun tritt nicht – wie im berühmten Western „Zwölf Uhr mittags“ – Gary Cooper mit tiefhängendem Pistolengürtel auf, aber spannend wird es allemal beim Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB).

Nach gewaltigen Turbulenzen, die im vergangenen März in Bernhard Bauers Rücktritt vom Präsidentenamt gipfelten, soll der Verband nun wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht werden. Neuer Kapitän, um im Bild zu bleiben, soll Andreas Michelmann werden, im richtigen Leben Oberbürgermeister der Stadt Aschersleben (Sachsen-Anhalt).

Der 55-Jährige wurde einstimmig von einer siebenköpfigen Findungskommission für das höchste Amt im deutschen Handball vorgeschlagen. 123 Delegierte werden entscheiden.

Eine sichere Sache also? Nein, dafür ist viel zu viel passiert in der Vergangenheit. Ein Hauen und Stechen hinter den Kulissen, bei dem immer wieder ein Name fiel: Bob Hanning, Vizepräsident Leistungssport und in Personalunion beim Bundesligisten Füchse Berlin Geschäftsführer. Der 47-Jährige stand im Centrum der Chaostage beim DHB.

Einige Landesverbände haben gegen Hanning aufbegehrt

Ein Teil der Landesverbände – angeführt von Baden-Württemberg – opponierte vor allem gegen Hanning, in ihren Augen eine Reizfigur. Bauers Hinwerfen soll darin begründet liegen, dass er Hannings Gebaren nicht mehr ertragen wollte. Auch Handball-Ikone Heiner Brand schaltete sich ein, unterstellte Hanning sogar eine „narzisstische Persönlichkeitsausprägung“.

Hanning ist ein Macher, der polarisiert und nicht ohne Fehler ist. Aber es geht ihm um die Sache. Seit seiner Inthronisierung 2013 hat er vieles erfolgreich auf den Weg gebracht, er hat Dagur Sigurdsson, seinen Klubcoach, zum Bundestrainer gemacht. Die Bundesliga steht voll hinter Hanning.

Der Füchse-Geschäftsführer selbst sieht dem Bundestag in Hannover gelassen entgegen. „Relativ sicher“ ist er sich, dass Michelmann gewählt werden wird. Dieser setzt auf Hanning. „Man weiß aber nie, was passiert...“, so Hanning, „aber es scheint keinen Gegenkandidaten zu geben.“

Es gibt keinen Gegenkandidaten

Doch ob die Opposition wirklich Ruhe geben wird, muss sich erst noch zeigen. Längst zurückgezogen haben Baden-Württemberg und vier weitere Landesverbände allerdings ihren Antrag, das Präsidium, also auch Hanning, abzuwählen. Auch ein für kurze Zeit avisiertes Comeback von Bauer scheint ausgeschlossen. Hanning selbst steht nicht zur Wahl, im September 2013 wurde er für vier Jahre in sein Amt gehievt. Damals einstimmig übrigens.

Als „logische Konsequenz“ sähe Hanning die Wahl von Michelmann, der schon vor zwei Jahren von den Landesfürsten als Präsident vorgesehen war, bevor sich Bauer bewarb. Ihm ließ Michelmann dann den Vortritt. „Ich halte ihn für sehr fähig“, sagt Hanning über Michelmann.

Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt. „Die Handball-Welt hat über uns gelacht“, hat Hanning in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt. Vielleicht ist Hannover ja auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Das wiederum stammt nicht aus „Zwölf Uhr mittags“, sondern aus „Casablanca“ mit Humphrey Bogart.