Berlin

Der beste Klub der Welt

Mit dem Gewinn der WM setzt sich die Idee der Füchse gegen das große Geld durch

Berlin. Fynn-Ole Fritz, mit 18 Jahren der Jüngste, hielt den Pokal ganz fest, als die Handballprofis der Füchse Berlin am Freitag gegen 13.30 Uhr das Flugzeug der Qatar Airways (QR 067) in Frankfurt verließen. Müde, aber überglücklich landeten sie aus Katar kommend wieder in Deutschland – als Weltmeister. Und Fritz hatte als „Pokalwart“ die Aufgabe, auf den golden glänzenden Cup aufzupassen

So wirklich konnte es noch immer kaum einer fassen. Die Spieler nicht, die Trainer nicht, die Funktionäre nicht, die Fans nicht, es scheint eher ein Traum zu sein. Oder wie es Rückraumspieler Drago Vukovic ausdrückte: „Ich habe gedacht, ich schlafe noch.“

Aufwachen, es ist wahr: Nach einer super Leistung haben die Berliner Handballer am Donnerstagabend durch ein 28:27 nach Verlängerung gegen KC Veszprem aus Ungarn die Weltmeisterschaft der Klubmannschaften gewonnen. „Nach zehn Jahren fehlen mir zum ersten Mal die Worte“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning, der aber schnell die Sprache wiederfand.

Um das Ganze noch besser einzuordnen: Die Füchse schlugen auf dem Weg zum großen Triumph in Doha nicht nur zum Auftakt den afrikanischen Spitzenverein Club Africain Tunis aus Tunesien (27:24). Im Halbfinale wurde Champions-League-Sieger FC Barcelona besiegt (26:25), bevor Berlin auch den Champions-League-Finalisten Veszprem düpierte. Und das mit einem Team, das sich erst noch finden muss, weil neben einem neuen Trainer auch sechs neue Spieler erst im Sommer zu den Füchsen stießen.

Zwar sind die Berliner, der Siebte der Bundesliga des Vorjahres, EHF-Cup-Sieger, aber eigentlich allein von der Besetzung her meilenweit weg von den beiden Star-Ensembles aus Spanien und Ungarn.

Wieder einmal wächst die Mannschaft über sich hinaus

Hanning gab dem Unterschied zwischen seinem Klub und diesen beiden europäischen Topteams eine finanzielle Dimension: „Wir haben hintereinander zwei Mannschaften vom Parkett gefegt, die zusammen einen Etat von etwa 25 Millionen Euro haben.“ Die Füchse hingegen wirtschaften mit etwas mehr als 4,5 Millionen Euro.

Geld wirft Tore, das ist zumeist im Handball so. Aber eben nicht immer. Wieder einmal wuchsen die Berliner über sich hinaus und schrieben ein neues Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte: Es war nach dem deutschen Pokalsieg im April 2014 und dem Erfolg im unter der Champions League angesiedelten EHF-Pokal im Mai 2015 nun schon der dritte Titel. Welch ein Luxusproblem: Die Berliner müssen schon wieder ihren Briefkopf ändern.

Wer hätte das gedacht? Es ist gerade einmal acht Jahre her, dass der Berliner Klub in die Bundesliga aufgestiegen ist. Zwei Jahre zuvor hatte Hanning dort angeheuert. Das Trio aus Präsident Frank Steffel, Bob Hanning und Trainer Dagur Sigurdsson, der im Sommer nach sechs Jahren den Klub verließ, um sich auf seinen Bundestrainerjob zu konzentrieren, stehen für das Berliner Handball-Märchen. Neben besagten Titeln erreichten die Füchse beispielsweise 2012 das Final Four der Champions League.

„Wir haben nicht mit Geld gewonnen, sondern mit einer Idee“, jubelte Hanning. Die Idee, dass man zwar gute, aber auch bezahlbare Profis aus aller Herren Länder benötigt, um sich im Feld derer zu etablieren, die in der Bundesliga hinter den drei Großen – Kiel, Flensburg und Rhein-Neckar Löwen – stehen. Aber was gerade Hanning immer besonders wichtig war und ist: Junge Spieler aus dem großen Nachwuchsreservoir der Berliner werden gefördert und gefordert. Das hat Hanning von Sigurdsson ebenso verlangt wie jetzt von dessen Nachfolger Erlingur Richardsson.

„Es ist bewiesen“, meinte Steffel, „dass sich das Vertrauen in die Jugend lohnt.“ Fritz, Willy Weyhrauch, 21, Moritz Schade, 19, und Fabian Wiede, 21, aus dem aktuellen Kader haben unter Bob Hanning das Handball-Einmaleins gelernt. Hinzu kommt noch der zurzeit verletzte Paul Drux, 20, einer der großen Hoffnungsträger des deutschen Handballs. „Für uns junge Spieler ist es ein Riesenerlebnis, wenn man sich mit den Besten der Welt messen kann und mit ihnen auf der Platte steht“, sagte Schade.

Es gab Gratulationen von allen Seiten. Frank Henkel, der für den Sport zuständige Innensenator, sprach von einer „Sternstunde“. Die Sportmetropole Berlin sei „stolz auf ihre Handball-Füchse“. Höchste Anerkennung zollte auch der Ägypter Hassan Moustafa, der Präsident des Handball-Weltverbandes IHF. „Ich bin persönlich stolz und genieße das jetzt auch“, meinte Hanning.

Renommee ist gut, Geld noch besser. 400.000 Dollar (355.000 Euro) kassierten die Füchse als Siegprämie. Die Hälfte erhält vertragsgemäß Rechtevermarkter Ufa, der ja im Gegenzug etliche Risiken trägt. Die Mannschaft bekommt eine noch nicht genau fixierte Prämie. „Den Rest“, so Hanning, „verwenden wir, um unser wirtschaftliches Risiko zu minimieren.“ Schließlich suchen die Füchse immer noch nach einem Trikotsponsor. Und nach einem Ersatz für Drux. „Der Markt gibt allerdings nichts her“, sagte Hanning.

Die Füchse müssen sich daher weiter durchkämpfen mit dem, was sie haben. Direkt von Frankfurt aus ging es mit dem Bus nach Eisenach, wo die Füchse am Sonnabend beim Aufsteiger anzutreten haben. Es ist das fünfte Spiel in acht Tagen. Größer könnte der Unterschied kaum sein: Am Donnerstag noch in der Duhail Handball Sports Hall, am Sonnabend in der Werner-Assmann-Halle.