Neuer Trainer

Füchse bekommen Arsenal-Fan mit Hang zum Perfektionismus

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Alexandra Gross

Foto: Füchse Berlin

Im Sommer beerbt der Isländer Erlingur Richardsson seinen Landsmann Dagur Sigurdsson bei den Handball-Füchsen. Der neue Coach ist enorm sportbegeistert und wie sein Vorgänger ein akribischer Arbeiter.

Das Abendessen im China Club mundete ganz wunderbar, und schon der Rundgang zuvor in Füchse Town hatte Erlingur Richardsson schwer begeistert. „Das ist hier eine der besten Einrichtungen in ganz Europa“, schwärmt der Isländer, der im Sommer Dagur Sigurdsson als Trainer des Handball-Bundesligaklubs Füchse Berlin beerbt. „Berlin ist eine große und beeindruckende Stadt, meine Familie freut sich schon sehr darauf. Jetzt muss ich nur noch eine passende Wohnung finden.“ Am besten in Pankow oder Prenzlauer Berg.

Am Sonntag war der 43 Jahre alte Richardsson für rund 24 Stunden zu einem Kurzbesuch nach Berlin gekommen, um mit Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning Details der künftigen Zusammenarbeit zu besprechen und sich ein Bild von der Mannschaft und deren Leistungsstand zu machen. Mit dabei war immer auch Sigurdsson, immerhin kennen sich die beiden Isländer aus Jugendtagen, in denen sie oft gegeneinander gespielt hatten, mit 18 Jahren dann gingen sie gemeinsam in der Nationalmannschaft auf Torejagd. Hanning hatte Sigurdsson nach dessen Aufstieg zum Bundestrainer auch intensiv bei der Suche nach dessen Nachfolger mit eingebunden. Hanning: „Das Fundament ist bei uns ja da, ebenso die Grundphilosophie, junge Spieler zu entwickeln und an das Profiteam heranzuführen. Mit Erlingur Richardsson haben wir einen Trainer gefunden, der die gleiche Grundidee vom Handballspiel hat. Und wir wollen kontinuierlich arbeiten.“ Richardsson, zurzeit noch bei Westwien in Österreich unter Vertrag, erhält bei den Füchsen einen Kontrakt bis 2018.

Es wird keine Revolution geben

Dagur Sigurdsson wird im Sommer insgesamt sechs Jahre bei den Füchsen gewesen sein, der sportliche Erfolg trägt seine Handschrift, er hat aus den Berlinern eine Topmannschaft geformt. Und das, obwohl die Füchse in der Geldrangliste im Liga-Vergleich nur auf Rang zwölf liegen. Hanning: „Wir wollen unsere Arbeit fortsetzen, mit kleinen Mitteln Großes zu erreichen. Die Trainerposition ist daher für uns elementar wichtig.“

Richardsson hat bei seinem Berlin-Besuch die Mannschaft hautnah beobachtet. Und was will er ab Sommer anders machen? „Ich werde alles ändern“, sagt Richardsson und lacht laut auf. Humor hat er also auch. „Im Ernst, Dagur hat hier eine fantastische Arbeit geleistet, die ich erfolgreich weiterführen will. Die Strukturen und Ideen stimmen, ich werde daher nicht jeden Stein umdrehen“, sagt der zukünftige Coach. Sigurdsson, der sich bald auf seine Arbeit als Bundestrainer konzentriert, erwartet von seinem Nachfolger ebenfalls keine einschneidenden Änderungen. „Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil. Er wird hier aber keine große Revolution starten“, sagt der 41-Jährige. Zudem habe er ja ab Sommer auch ein paar neue Spieler.

Trainingsstart ist am 8. Juli

In den kommenden Monaten steht für Richardsson einmal pro Woche Sprach-Unterricht an, denn bei den Füchsen ist die Amtssprache Deutsch. Immerhin, der 43-Jährige versteht schon fast alles, nur mit dem Sprechen hapert es noch. Manager Hanning hat eine ganz spezielle Art der Motivation. „Wenn er bis zum Sommer kein Deutsch spricht, bekommt er sein Gehalt in isländischen Kronen. Und da wird er die Sprache ganz von allein sprechen, sonst würde es für ihn auf ein Hartz-4-Niveau hinauslaufen.“

Bis zum Trainingsstart am 8. Juli soll auch der Umzug der Familie über die Bühne sein. Richardsson kommt mit seiner Frau Vigdis und seinen drei Kindern Sandra, 17, Elmar, 11, und Andri, 8, nach Berlin. „Die Vorfreude ist groß“, sagt Richardsson, der wie Sigurdsson sportverrückt und ein großer Fußball-Fan ist. Sein Lieblingsverein ist der FC Arsenal, bei dem Weltmeister Mesut Özil spielt. „Und die haben mit Arsene Wenger den perfekten Coach“, sagt er.

Einen Hang zum Perfektionismus hat auch der dreifache Familienvater. Richardsson ist ein akribischer Arbeiter, Grundlage seines Handelns ist ein Studium der Sportwissenschaft. Als Handballer war er ausschließlich in Island aktiv, sein größter Erfolg war der Pokalsieg mit IB Vestmannaeyja. „Das ist eine kleine Insel“, erklärt er. Auf Deutsch heißen die Vestmannaeyjar Westmännerinseln, sie liegen südlich der isländischen Küste. Gerade 4264 Einwohner leben dort. „Und fast alle dort machen Sport“, sagt Richardsson, „die Menschen dort leben von der Fischerei.“ Und offenbar vom Handball.