Neuer Füchse-Coach

„Die Füchse sind eine großartige Chance für mich“

Der 42-jährige Erlingur Richardsson tritt im Sommer 2015 die Nachfolge von Landsmann Dagur Sigurdsson an. Der aktuelle Wien-Coach passt perfekt ins Profil der Füchse – muss aber noch Deutsch lernen.

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Die Suche ist beendet, der Nachfolger gefunden. Der Isländer Erlingur Richardsson wird von der neuen Saison an Trainer der Füchse Berlin. Der 42-Jährige erhält beim Handball-Bundesligisten einen Dreijahresvertrag bis 2018 und übernimmt im Sommer 2015 das Amt seines Landsmannes Dagur Sigurdsson, der nach der laufenden Spielzeit als Bundestrainer komplett zum Deutschen Handballbund (DHB) wechselt. Richardssons Vertrag beim österreichischen Tabellenführer SG Insignis Handball Westwien läuft zum Saisonende aus. „Bei Erlingur Richardsson stimmen alle Punkte überein, die uns wichtig sind“, erklärt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning: „Er ist charakterstark, hat eine Idee, wie unser erfolgreicher Weg weitergegangen werden kann, und er hat Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten.“ Im Morgenpost-Interview spricht Richardsson über seinen Wechsel nach Berlin und was er mit den Füchsen vorhat.

Berliner Morgenpost: Herr Richardsson, wie kam es zu der Entscheidung für die Füchse?

Erlingur Richardsson: Vor etwa einem Monat habe ich den ersten Anruf von den Füchsen aus Berlin erhalten und wurde gefragt, ob ich an dem Job als Trainer interessiert sei. Und ich habe natürlich sofort ja gesagt, denn die Bundesliga genießt weltweit einen erstklassigen Ruf, sie gilt nicht ohne Grund als die beste Liga der Welt. Jeden Mittwoch schaue ich mir die Spiele im Fernsehen an und gucke, was die besten Mannschaften dort anstellen und lerne draus. Der Wechsel zu einem der größten Handballklubs in Europa ist für mich eine großartige Chance. Und mein Vertag bei Westwien läuft ja auch aus, das passt also perfekt.

Kennen Sie Berlin?

Nur ein bisschen, zuletzt war ich für zwei Tage dort, konnte mir zunächst nur einen schnellen Überblick verschaffen. Aber alle, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass die Stadt sehr lebenswert ist. Und meine drei Kinder (sie sind 16, zehn und sieben Jahre alt/d.Red.) freuen sich schon auf Berlin, wenngleich Wien auch eine wunderschöne Stadt ist.

Teilen Ihre Kinder Ihr großes Interesse für Sport?

Auf jeden Fall. Sie spielen begeistert Handball, aber auch Fußball. Wie Dagurs Kinder, er kann mir da sicher ein paar Tipps geben.

Wie steht es um Ihre Deutschkenntnisse? Sie wissen vielleicht schon, dass bei den Füchsen Deutsch gesprochen wird.

(lacht). Ja, das hat mir Bob Hanning bereits erklärt. Es ist so, dass ich fast alles verstehe, gerade wenn es um Sport geht. Nur mit dem Sprechen bin ich noch nicht so weit, das werde ich jetzt in Angriff nehmen.

Sie kommen wie Dagur Sigurdsson aus Island. Haben Sie eine ähnlich Philosophie vom Handball?

Ich denke schon, dass wir uns in einigen Dingen ähneln und die gleiche Grundidee vom Handball haben. Aber natürlich habe ich auch meinen ganz eigenen Stil. Es ist tatsächlich so, dass die Ausrichtung bei den Füchsen und Westwien beinahe identisch ist. Auch in Wien nimmt die Ausbildung und Integration der eigenen Talente einen großen und wichtigen Platz ein. Wir haben hier sogar zehn hoffnungsvolle Spieler, die unter 20 Jahre alt sind. Es macht mir viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Das ist vielleicht sogar der wichtigste Grund, warum ich in Wien bin und im Sommer zu den Füchsen komme. Es ist Herausforderung und Freude zugleich, den Nachwuchs auszubilden.

Was halten Sie von den Bedingungen in Berlin?

Die Strukturen bei den Füchsen sind optimal mit Füchse Town, dem Schul- und Leistungssportzentrum gleich nebenan und der sportpsychologischen Betreuung. Dazu ein perfekter Kraftraum. Das alles ist sicher einmalig im Handball. Und da der Nachwuchs mit den Profis trainiert, können die Jungen ständig von den Alten lernen, besser geht es nicht. Ich freue mich darauf, die Arbeit von Dagur fortzusetzen und bin mir sicher, dass wir einen guten Übergang hinbekommen und den Erfolgsweg weiter gehen können. Die Konkurrenz mit anderen Vereinen ist in Berlin sehr groß. Aber es ist auch gut, dass nicht nur eine Sportart dominiert, so müssen und wollen wir uns dem Wettbewerb stellen. Und dadurch, dass ich Sportwissenschaften studiert haben, gucke ich auch immer, ob ich aus anderen Sportarten etwas auf den Handball übertragen kann.

Wie lauten Ihre Ziele?

Ich will die Mannschaft Stück für Stück besser machen. Es geht immer auch darum, die Deckung noch weiter zu verbessern. Mit einer guten Defensive, guten Torhütern und guten Gegenstößen ist alles einfach. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Und natürlich muss immer auch die Chemie in der Mannschaft stimmen, alle müssen es wollen, den nächsten Schritt in der Leistungsentwicklung zu machen.

Sie liegen mit Westwien an der Tabellenspitze. Der Titel ist möglich.

Absolut, es läuft momentan sehr gut. Und natürlich wäre es schön, wenn ich mit einem Meistertitel im Gepäck meinen Job bei den Füchsen antreten würde.