Je später der Abend voranschritt, desto öfter blickte Bob Hanning auf sein Smartphone. Und jedes Mal, wenn eine neue Nachricht aus Westfrankreich eintrudelte, war die Spannung groß. „Ich habe intensiv mitgefiebert und mitgezittert“, sagte der Geschäftsführer der Füchse. Und weil das Ergebnis am Ende denkbar knapp zugunsten des Berliner Handball-Bundesligisten ausgefallen war, war die Erleichterung in der Chefetage des Vereins groß. „Ich bin so froh, dass wir es geschafft haben“, kommentierte Hanning am Sonntag den Einzug in die Gruppenphase des EHF-Pokals, nach der Champions League der zweitwichtigste Klubwettbewerb auf europäischer Handball-Ebene. Zwar unterlagen die Berliner bei HBC Nantes mit 23:28, doch durch die mehr erzielten Auswärtstore (Hinspiel 23:18) sicherten sie das Weiterkommen.
Auslosung am Donnerstag in Wien
Der Manager maß der geglückten Qualifikation vor allem eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Zukunft der Mannschaft bei. „Für die Entwicklung des Teams ist es extrem wichtig, dass wir weiter im Europapokal dabei sind“, sagte Hanning. Immerhin habe man in der Vorsaison ein Jahr lang dafür gekämpft, im internationalen Geschäft mitzumischen. „Jetzt haben wir in der Gruppenphase weiter die Möglichkeit, uns zu beweisen.“ Auch Trainer Dagur Sigurdsson wusste um die Bedeutung des sportlichen Erfolges. „Gerade die jungen Spieler brauchen in dieser Phase der Karriere auch die internationalen Spiele“, erklärte der Isländer. Gemeint sind damit vor allem Paul Drux, 19, und Fabian Wiede, 20, die ihre erste Profisaison bei den Füchsen bestreiten und bereits den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft haben – unter Bundestrainer Sigurdsson.
Der Isländer sah freilich auch, „dass das von uns kein perfektes Spiel war“. Aber für den Verein und besonders für die jungen Spieler sei das Weiterkommen extrem wichtig. „Man sieht, dass es bei uns im Moment noch nicht so rund läuft“, sagte Hanning, „aber am Ende war das Ergebnis doch deutlicher, als es die Zahlen ausdrücken. Am Ende konnten die Jungs austrudeln lassen.“ Die Auslosung der Gruppenphase findet am Donnerstag in der EHF-Zentrale in Wien statt, ab dem 14. Februar 2015 versuchen dann 16 Teams, in vier Vierergruppen das Viertelfinale zu erreichen. „Der EHF-Cup ist neben dem deutschen Vereinspokal der Wettbewerb, wo wir etwas erreichen können“, frohlockte Hanning. Im April hatten die Füchse in Hamburg mit dem DHB-Pokal den ersten Titel in ihrer Vereinsgeschichte gewonnen. Im EHF-Cup hatten sie das Final Four erreicht, wo sie am Ende vor heimischer Kulisse in der Max-Schmeling-Halle Dritter wurden.
Horak wieder auf dem Vormarsch
Nun also folgt der nächste Angriff auf einen Titel. „Wir haben das erste Teilziel erreicht“, sagte Rückraumspieler Pavel Horak, „und wir konnten nach einem schwierigen Saisonstart so ein positives Zeichen setzen.“ Der Tscheche war in Nantes mit sechs Toren der beste Werfer der Berliner und freute sich darüber, dass er endlich wieder trifft. Nach einer Ellbogen-Operation war der Rechtshänder wochenlang ausgefallen, konnte zuletzt erst einmal nur in der Abwehr eingesetzt werden. Jetzt aber klappt es auch wieder im Angriff. „Es würde mich sehr freuen, wenn er für uns jetzt die erhoffte Verstärkung wird. Das wäre nach anderthalb Jahren auch Zeit“, sagte Manager Hanning, der sich von Horaks Verpflichtung bislang mehr versprochen hatte.
Die Gruppenphase im EHF-Cup ist erreicht, jetzt können auch die Planungen in Sachen Trainernachfolge für Dagur Sigurdsson in die finale Phase eintreten. Der 41 Jahre alte Isländer bekleidet noch bis zum Ende der laufenden Saison das Amt in Berlin sowie den Posten als Nationalcoach in Doppelfunktion. Im Sommer 2015 ist damit aber Schluss. Seit Wochen schon sondiert Hanning den Markt auf der Suche nach dem optimalen Nachfolger. Dieser muss vor allem auch ein Händchen für die Ausbildung und die Integration von Nachwuchsspielern haben. Der Aufbau eigener Talente ist eine zentrale Säule im Konzept der Berliner. „Bis zur WM im Januar möchte ich das Thema abgeschlossen haben, um mich dann ganz mit der Kaderplanung beschäftigen zu können“, sagte Hanning.
Trainersuche in der Endphase
Ein aussichtsreicher Kandidat für den Posten an der Seitenlinie ist der Isländer Erlingur Richardsson. Hanning bestätigte, dass er mit dem 42-Jährigen bereits gesprochen habe. „Wir haben mit ihm, Markus Baur und 14 weiteren Trainern gesprochen“, sagte der Manager. Richardsson trainiert zurzeit den österreichischen Verein West Wien, der Vertrag endet im Sommer 2015.
Von den insgesamt 16 kontaktierten Trainern habe nur der Spanier Juan Carlos Pastor abgesagt, weil er noch einen Zweijahresvertrag beim ungarischen Klub Pick Szeged hat. Mittlerweile seien vier Trainer in der engeren Auswahl. „Das ist eine schwierige Entscheidung“, sagte Hanning, der Coach Sigurdsson in seine Nachfolgersuche einbindet: „Ich frage Dagur nach seiner Meinung. Das ist ganz normal, dass ich mir möglichst viel Kompetenz dazu hole.“





