Gerade erst waren die Prüfer der Handball-Bundesliga (HBL) da. Vier Tage lang nahmen die Tester die sportliche Ausbildung des Nachwuchses ins Visier, untersuchten die Qualität von Trainern und Sportstätten in Füchse Town, ja sogar das Essen am Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) wurde getestet. Mit positiver Überraschung nahmen die HBL-Vertreter in der Maßnahme zur freiwilligen Qualitätssicherung zur Kenntnis, dass die Jugendlichen der Füchse Berlin neuerdings bei den Hausaufgaben intensiv betreut werden und sogar in den Genuss sportpsychologischer Betreuung kommen. Das Ergebnis war denn auch durchweg positiv, die Füchse gelten bei der Nachwuchsarbeit als das Vorzeigeprojekt im deutschen Handball, das nächste Jugendzertifikat streben sie mit Auszeichnung an.
Drux und Wiede mit langen Verträgen
Immer besser werden, Tag für Tag, so lautet das Credo des Berliner Handballklubs, bei dem die Entwicklung von eigenen Talenten eine zentrale Säule der Philosophie ist. „Weltklasse kann gekauft werden, Nachwuchs wird ausgebildet bei den Füchsen“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning und benennt damit sogleich auch das Motto des neuen Imagefilms zur Nachwuchsarbeit, den die Füchse am Freitag vorstellen (siehe Link am Ende des Textes). Der 46-Jährige ergänzt: „Wir würden immer mit der Profimannschaft auf die Champions League verzichten zum Wohle des eigenen Nachwuchses.“
Das sind große Worte, denen die Füchse freilich längst haben Taten folgen lassen. So wurde Hanning als Trainer gleich viermal hintereinander mit der A-Jugend Deutscher Meister, aus dem letzten Championsjahrgang gingen auch die beiden Rückraumspieler Fabian Wiede, 20, und Paul Drux, 19, hervor. Beide legten im Frühjahr ihr Abitur am SLZB ab, beide unterschrieben im Sommer jeweils Fünfjahresverträge bei den Füchsen – und beide haben den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft. Im neuen Füchse-Film wird auch ihr Weg zu den Profis nachgezeichnet. „Und das Schöne an dem Film ist, dass alles genau so ist, wie in dem Film beschrieben“, sagt Drux, der vor drei Jahren aus Gummersbach nach Berlin wechselte.
Kein Mäzen oder DAX-Unternehmen im Sponsorenumfeld
„Die konsequente Entwicklung von eigenen Talenten ist unsere einzige Chance dort mitzuspielen, wo wir es jetzt tun. Wir haben keinen Mäzen und kein DAX-Unternehmen in unserem Sponsorenumfeld, somit müssen wir unsere Aufgabenstellungen aus der Füchse-Familie heraus lösen“, sagt Hanning. Dazu gehört vor allem auch die Identifikation mit dem Verein. Trainer Dagur Sigurdsson sagt: „Bei den Füchsen spielt man nicht für eine GmbH sondern für einen Verein.“
Die Füchse haben keinen geringeren Anspruch, als Jugendarbeit auf Profiniveau anzubieten. Es wird gefördert und gefordert, die Profis sind Vorbilder, Ausbilder und manchmal sogar Vaterfigur. Dem attraktiven Angebot an die Nachwuchssportler stehen natürlich auch Forderungen gegenüber, die Hanning wie folgt umreißt: „Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft, natürlich auch Talent und die Bereitschaft, täglich aus der Komfortzone rauszukommen.“
Benimmkurse und BSR-Besuche als Lebensschule
Ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Ausbildung – die Jugendlichen verbringen auch mal einen Tag bei der Berliner Stadtreinigung BSR, um den harten Joballtag kennenzulernen, und erfahren in Benimmkursen im Nobelhotel das korrekte Verhalten bei einem 3-Gänge-Menü – ist die Schule, wo auf die Belange der Sportler eingegangen wird. „Wir versuchen, Sport und Schule unter einen Hut zu bekommen, so dass dem Schüler keine Nachteile entstehen, sondern dass das, was an zeitlicher Mehrbelastung im Sport definitiv gefordert ist, durch die Schule ausgeglichen und kompensiert werden kann“, sagt Klaus Endesfelder, Stellv. Schulleiter des SLZB. „Der gesamtheitliche Ansatz zwischen Schule, Verband, Olympiastützpunkt, Senat und Verein ist unser Schlüssel zum Erfolg“, erklärt Hanning.
Wichtig für die Füchse ist auch, nicht nur an sich zu denken. Nicht alle Spieler, die ausgebildet werden, finden den Weg ins eigene Profiteam. Und so verkündeten die Berliner nun stolz, „dass mittlerweile 15 Spieler, die bei uns ausgebildet worden sind, deutschlandweit in der 1. und 2. Bundesliga unter Vertrag stehen“, so Hanning.




