Jemandem eine schlechte Nachricht zu überbringen, ist nicht gerade schön, gehört aber auch zum Aufgabenbereich einer Führungskraft. Und so setzte Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin, am Montag Kasper Nielsen davon in Kenntnis, dass der Berliner Handball-Bundesligist die vereinbarte Vertragsoption zieht. Das bedeutet: Der Kontrakt mit dem Dänen endet zum 31. Dezember.

Was aber nicht gleichbedeutend damit ist, dass Nielsen nicht auch im Jahr 2015 für die Berliner spielen wird. „Ich schließe eine Weiterverpflichtung nicht kategorisch aus“, sagt Hanning. Es musste aber termingerecht die Option gezogen werden, sicherheitshalber.

Der Däne, ein Abwehrspezialist, war im August kurzfristig für den Berliner Abwehrchef Denis Spoljaric verpflichtet worden, der wegen einer Handverletzung monatelang ausfällt. „Er hat uns geholfen, das Loch zu schließen, das durch die vielen Verletzungen entstanden ist“, sagt der Geschäftsführer. „Er ist positiv und professionell.“ Auch Trainer Dagur Sigurdsson lobt: „Er hilft uns mit seiner Erfahrung sehr.“ Allerdings konnte der Däne auch nicht verhindern, dass den Füchsen in dieser Saison bisher die Stabilität fehlte.

Nielsen selbst hat bisher voll auf die Füchse gesetzt. „Vor ein paar Wochen“, so erzählt er, „habe ich fürs nächste Jahr ein gutes Angebot von einem dänischen Klub bekommen, aber ich habe denen abgesagt.“ Sein Motto lautet: „Ich gebe immer alles, volle Pulle.“ Und das wird er auch weiter tun, trotz seiner nun ungeklärten Lage. Das nächste Mal schon am Mittwochabend, wenn die Füchse beim Tabellenschlusslicht Bietigheim antreten müssen. Danach geht’s nach Nantes zum Rückspiel in der dritten Qualifikationsrunde im EHF-Cup. Die Füchse haben ein Fünf-Tore-Polster (23:18), das ihnen gute Chancen eröffnet, in die Gruppenphase einzuziehen.

In den vergangenen Jahren in Dänemark unter Vertrag

Viele haben sich gewundert, dass die Füchse nach der Spoljaric-Verletzung so schnell einen Ersatz aus dem Ärmel gezaubert hatten. Denn Nielsen flog in den vergangenen Jahren etwas unterm Radar, nachdem der zwischen 2005 und 2008 bei der SG Flensburg-Handewitt unter Vertrag gestanden hatte. Gudme Svendsborg, Faaborg und Bjerringbro-Silkeborg hießen danach die Stationen in seiner Heimat. „Aber es war klar: Wenn noch einmal ein Angebot aus der Bundesliga kommen würde, mache ich das.“

Daher gab es kein Zögern, als sich die Füchse meldeten. Der Familienrat tagte und man beschloss, dass seine Freundin und die viereinhalb Jahre alte Tochter in Dänemark bleiben würden. „Ein paar Mal waren sie schon zu Besuch“, erzählt er. Täglich hat die Familie via Skype Kontakt. An seine erste Partie für die Berliner in der Schmeling-Halle erinnert er sich noch genau: „Du kommst in die Halle, spürst die Atmosphäre und weißt – das ist eben Bundesliga.“

Hoffnung auf Teilnahme an der Weltmeisterschaft

Nielsen ist einer, der in der Abwehr richtig hinlangt: 1,92 Meter groß, gut 100 Kilogramm schwer. Spitznamen wie „Popeye“ oder „Hulk“ wurden dem 39-Jährigen wegen seiner muskulösen Statur während seiner Karriere schon verpasst.

39 Jahre – natürlich ist sein Alter immer wieder ein Thema. „Nein, darüber denke ich gar nicht nach“, erklärt er. Er fühle sich fit, „mein Körper hält die Belastungen gut aus.“ Über ein Karriereende denkt er daher noch nicht nach. „Solange die Knochen halten...“

Nielsen hat auch ein großes Ziel voll im Blick. Im Januar 2015 möchte er für Dänemark bei der WM in Katar dabei sein. „Wenn der Trainer den Kasper braucht, ist der Kasper bereit“, erklärt er lachend. 191 Länderspiele hat er bereits für sein Heimatland absolviert. Kürzlich war er auch zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft eingeladen.

Noch neun Spiele der Füchse sind es bis zum Jahresende. Vielleicht wird es ein langsamer Abschied. Einiges hängt auch von der Genesung von Spoljaric ab. Wie sagt Hanning: „Die Tür ist für Kasper Nielsen nicht endgültig zu.“