Der Jubel der Füchse-Spieler fiel eher verhalten aus, während die Zuschauer in der Schmeling-Halle ihr Team überschwänglich feierten. So richtig wussten die Berliner nicht, was das 23:18 (10:8) gegen HBC Nantes wirklich wert ist. Aber immerhin mit einem Fünf-Tore-Polster können die Füchse nun zum Rückspiel in der dritten Qualifikationsrunde im EHF-Cup am Sonnabend in Frankreich antreten.

„Ausruhen können wir uns darauf nicht, die werden alles versuchen“, erklärte Berlins Spielmacher Bartlomiej Jaszka, der nach langer Verletzungspause ein umjubeltes Comeback feierte. „Ich hoffe, es ist genug“, erklärte Fredrik Petersen, mit sechs Toren bester Berliner Werfer. „Aber in einem Auswärtsspiel kann alles passieren.“

Großer Beifall war schon beim Aufwärmen aufgebrandet. Zur Überraschung der Fans wurde vom Hallensprecher der Mann mit der Nummer 24 besonders vorgestellt: Bartlomiej Jaszka. Der Pole, seit Jahren Denker und Lenker im Berliner Team, war in dieser Saison noch überhaupt nicht zum Einsatz gekommen. Es war ein langer Weg zurück, nachdem der 31-Jährige am 3. Juli in seiner Heimat an der Schulter operiert worden war. „Es war ein super Gefühl, wieder auf dem Feld zu stehen“, meinte er.

„Wir sind froh, dass er zurück ist“

Und Jaszka stand sogar gleich zu Beginn auf dem Parkett. Er zeigte, wie wichtig er ist. „Wir sind froh, dass er zurück ist“, meinte Berlins Trainer Dagur Sigurdsson. Jaszka leitete die Füchse-Angriffe, er versuchte immer wieder, die Mitspieler in gute Position zu bringen. Oder er warf selbst, wie beim Tor zum 3:2 nach neun Minuten.

Die Füchse zeigten zumeist ihr positives Gesicht. Die Abwehr stand viel besser als zuletzt, Torhüter Silvio Heinevetter wehrte viele Bälle reaktionsschnell ab, im Angriff wurde oft über den Kreis auf Jesper Nielsen (fünf Tore) gespielt. Der erste Lohn war ein 9:5 (22.) gegen die Franzosen, die im Angriff immer sehr lange spielten, um Tempo aus dem Spiel zu nehmen.

Aber die Füchse im Herbst 2014 haben eben auch ein anderes Gesicht: Berliner Fehler vor allem in der Offensive ermöglichten es Nantes, das auf seine beiden verletzten Spanier Alberto Entrerrios und Jorge Maqueda verzichten musste, in Hälfte eins dran zu bleiben. Nach der Pause war es immer wieder Heinevetter, der mit hervorragenden Paraden seinem Team den nötigen Schub gab. Insgesamt parierte er 18 Würfe. Ein Heinevetter in dieser Form hebt auch gleich die gesamte Mannschaft auf ein höheres Level.

Fünf-Tore-Vorsprung nach 40 Minuten

Nach der Pause kam zudem Iker Romero aufs Feld, dem immer wieder gute Anspiele gelangen. Der zuletzt bei der 25:33-Klatsche beim HSV Handball indisponierte Konstantin Igropulo kam nur zu einem Kurzeinsatz.

Nach 40 Minuten lagen die Füchse erstmals mit fünf Toren vorn (14:9). Später hieß es 17:12 (47.) und 22:17 (55.). Aber weiter ließ Nantes die Füchse nicht weg. Den umjubelten Schlusspunkt vor 6371 Zuschauern setzte Fabian Wiede, der in der Abwehr eine starke Leistung brachte, mit dem 23:18.

Anti Thierry, der Trainer der Gäste, war enttäuscht. „Ich hatte gedacht, dass wir hier mit weniger Toren Unterschied verlieren.“ Aber seine Mannschaft habe durch den Ausfall wichtiger Spieler Probleme mit den notwendigen Umstellungen gehabt.

Es wartet die Pflichtaufgabe in Bietigheim

Doch aufgegeben haben die Franzosen noch lange nicht, die in Berlin sehr rustikal zu Werke gingen. Das wusste auch Sigurdsson: „Es ist noch nicht vorbei. Wir werden noch einmal alles geben müssen.“ Erst einmal war der Isländer jedoch froh, dass seine Mannschaft nach der Niederlage in Hamburg eine gute Reaktion gezeigt hatte: „Ich bin sehr zufrieden mit unserer kämpferischen Einstellung.“

Von jetzt an werden die Füchse das Rückspiel im Westen Frankreichs im Kopf haben. Auch wenn sie am Mittwoch noch in Bietigheim eine Pflichtaufgabe in der Bundesliga zu erfüllen haben.