Krisensitzung? Einzelgespräche, um dem einen oder anderen den Ernst der Lage noch mal klarzumachen? Verschärftes Training? „Nein“, sagt Dagur Sigurdsson, „es war alles normal in dieser Woche.“ Sicher habe es Gespräche gegeben, sagt der Trainer der Füchse. „Aber auch nicht mehr als sonst.“ Es hat also keine ganz spezielle Aufarbeitung der 25:33-Klatsche vom vergangenen Sonntag beim HSV Handball gegeben, als die Berliner eine inakzeptable Leistung geboten hatten.

Auch Bob Hanning, der Füchse-Geschäftsführer, hat – entgegen seiner Ankündigungen nach der Partie – nicht das Gespräch mit der Mannschaft gesucht. „Wer sich in eine solche Situation bringt, muss die Situation auch selbst lösen.“ Es habe „kein Redebedarf“ bestanden: „Das Heft des Handelns hat jetzt die Mannschaft.“ Und Handlungsbedarf besteht bereits am Sonntag um 17.15 Uhr in der Max-Schmeling-Halle, wenn die Füchse in der dritten Qualifikationsrunde des EHF-Pokals im Hinspiel auf den französischen Spitzenklub HBC Nantes treffen. Das Rückspiel findet eine Woche später im Westen Frankreichs statt.

Gerade jetzt müssen die Berliner unbedingt ihr anderes Gesicht zeigen, soll das Abenteuer Europa nicht beendet sein, bevor es richtig losgeht. Denn der EHF-Cup „hat für uns einen sehr hohen Stellenwert“, wie Hanning und Sigurdsson unisono sagen.

Zum Selbstverständnis der Füchse gehört, dass man möglichst lange in einem europäischen Wettbewerb vertreten ist. „Das ist wichtig fürs Renommee innerhalb und außerhalb der Stadt“, erklärt Hanning. Und das Ganze hat auch noch einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt. „Wir haben Geld aus dem EHF-Pokal fest im Etat eingeplant“, sagt Hanning. 150.000 Euro sollen dabei erwirtschaftet werden. Ein Ausscheiden gegen die Franzosen hätte also starke Auswirkungen.

Füchse wollen im EHF-Cup 150.000 Euro erwirtschaften

Dabei sind sich alle Beteiligten darüber klar, dass das Erreichen der Gruppenphase sehr schwer wird. „Ich sehe Nantes mit uns und dem HSV auf einem Niveau“, sagt Sigurdsson. Vor der Auslosung hatte Hanning noch gehofft, „dass wir bloß nicht gegen Nantes spielen müssen“. Die Berliner hatten kein Losglück und müssen sich jetzt mit einem Team auseinandersetzen, das vor zwei Jahren erst im EHF-Cup-Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen verlor. Vor einem Jahr schied Nantes im französischen Duell im Viertelfinale gegen Montpellier aus, das dann später im Final Four in Berlin Zweiter hinter Szeged (Ungarn) wurde.

Sigurdsson appelliert daran, „nicht alles schwarzzumalen. Wir wissen alle selbst, dass wir es besser machen müssen als in Hamburg“. Sehr robust würden die Franzosen spielen, berichtet der Coach. „Wir müssen bereit sein, dorthin zu gehen, wo es wehtut.“ Man wolle „den bitteren Geschmack der Niederlage beim HSV vergessen machen“. Sigurdsson hat im EHF-Cup hohe Ziele, nachdem die Füchse in der vergangenen Saison Dritter geworden waren. „Eventuell schaffen wir ja diesmal einen oder zwei Plätze besser.“

Trainer Dagur Sigurdsson setzt hohe Ziele

„Man muss sehen, wie wir die Niederlage weggesteckt haben“, sagt Rückraumspieler Paul Drux, der die Kritik nach dem Spiel beim HSV Handball verstehen kann: „Wir haben auch wirklich schlecht gespielt.“ Jeder mache sich natürlich Gedanken, warum es nach wie vor an Konstanz mangele.

Warum dies so sei, „darauf habe ich keine Antwort“, erklärt sein Kollege Konstantin Igropulo. „Wir arbeiten immer gut und versuchen das Maximum, aber es funktioniert nicht immer.“ Die Mannschaft müsse die eigenen Stärken ausspielen, um die Franzosen zu Fehlern zu zwingen. Der russische Nationalspieler gibt die richtige Parole aus: „Es ist jetzt nicht die Zeit zu reden, sondern für Taten.“