Eine Nacht drüber schlafen, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus ... Sollten die Handball-Füchse gehofft haben, dass diese Binsenweisheit sich auch bei ihrem Manager als richtig erweist, lagen sie deutlich falsch. „Der Frust ist noch nicht raus“, grantelte Bob Hanning am Tag nach dem 25:33 beim HSV Handball. „Blamabel“ sei die Leistung gewesen und „Erklärungen“ verlange er nach wie vor. Auf die Gespräche mit den Spielern, die er ab Mitte der Woche führen wird, sei er gespannt.

Auch Trainer Dagur Sigurdsson erklärte in etwas moderaterem Ton, er sei „sehr enttäuscht, wir haben uns mehr vorgestellt. Wir haben in allen Bereichen viele Fehler gemacht.“ Hanning bringt besonders in Rage, dass die Mannschaft in Hamburg seiner Meinung nach in alte Zeiten zurückfiel, Schwächen zeigte, die er für längst überwunden hielt.

„Viel Verständnis“ habe er in dieser Saison schon gehabt, angesichts des anhaltenden Verletzungspechs, der langen Integrationsphase neuer Spieler und auch wegen der Unruhe um den schleppenden Werdegang von Coach Dagur Sigurdsson zum Bundestrainer. Er könne „mit vielem umgehen“, sagt der Füchse-Macher. Seine Geduld sei allerdings abrupt zu Ende, fügte der Manager hinzu, „wenn die Leidenschaft fehlt, denn ohne Leidenschaft kann man nicht gewinnen“.

Weit hinter den eigenen Ansprüchen

Man könne „in Hamburg ohne weiteres mit fünf Toren verlieren“, es komme halt nur auf die Art und Weise an, sagt Hanning, bevor er erneut seine Gemütslage mit Begriffen wie „Blamage“ und „unterirdisch“ ausdrückt. „Wenn einer wie Petar Nenadic nicht verteidigen kann, dann muss er im Angriff überragend spielen. Das hat er nicht gemacht. Konstantin Igropulo trifft einen von zehn Würfen“, schimpft Hanning. Und was die Torhüter gezeigt hätten, sei auch zu wenig, wenn man die schwache Abwehr und den Mangel an Leidenschaft in Rechnung stellt.

Hanning schlägt Alarm, weil er weiß, dass die Krise seiner Mannschaft, die zuvor vier Mal in Folge gewonnen und zweimal unentschieden gespielt hatte, besser nur eine Momentaufnahme ist. Am Sonntag (17.15 Uhr) kommt der HBC Nantes in die Schmeling-Halle. Verlieren die Füchse das Duell gegen die Franzosen (Rückspiel: 29.11.), verpassen sie die Gruppenphase im EHF-Pokal. In der Bundesliga warten zeitnah Teams wie Flensburg oder die Rhein-Neckar Löwen. Im Pokal müssen die Füchse in Erlangen ran. „Wir können in den kommenden drei Wochen alles verspielen, in Europa, im DHB-Pokal und in der Bundesliga den Anschluss verlieren“, mahnt Hanning. „Aktionismus“ sei jetzt nicht gefragt, aber in den Gesprächen werden klare Worte fallen.