Handball

Füchse ärgern sich über ihre „Totalausfälle“ zum Saisonstart

Das hatten sich die Füchse Berlin anders vorgestellt: Den Saisonstart in Göppingen haben sie verpatzt. Hauptgründe der Niederlage: zu viele Fehler und einige Leistungsträger, die enttäuschten.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Am Montagnachmittag führt Bob Hanning ein wichtiges Telefonat. Dann soll die Entscheidung fallen, ob Kasper Nielsen einen Vertrag bei den Füchsen Berlin unterschreibt. Der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten sucht wegen der Verletzung von Abwehrchef Denis Spoljaric eine Verstärkung, und der 39-jährige Däne brächte vieles mit, was die Füchse suchen: Er ist ein sehr guter Verteidiger und hat große internationale Erfahrung. Eigentlich sollte der Vertrag schon vergangenen Freitag unterzeichnet sein, doch Nielsen bat um ein paar Tage Bedenkzeit.

Igropulo und Horak enttäuschen

Sein Ja-Wort wäre jetzt vermutlich noch willkommener als vor drei Tagen. Denn inzwischen haben die Füchse mit dem 27:29 (14:15) bei Frisch Auf Göppingen einen Fehlstart in die Bundesligasaison hingelegt. An klaren Worten hat es danach nicht gefehlt. „Realistisch betrachtet, kann man natürlich in Göppingen verlieren. Sie haben sich gut entwickelt und eine gute Mannschaft“, holte Hanning etwas weiter aus. „Aber wenn bei uns Denis Spoljaric und Bartlomiej Jaszka verletzt fehlen, müssen eben alle anderen ihr Maximum abrufen. Das war nicht der Fall. Wir hatten zu viele Totalausfälle.“ Deshalb verloren die Berliner ein Spiel, das nicht hätte verloren werden müssen.

Der Geschäftsführer verkniff es sich, Namen zu nennen, aber vermeintliche Leistungsträger wie Konstantin Igropulo oder Pavel Horak dürfen sich zuvorderst angesprochen fühlen. Sie blieben im Schwabenland weit unter ihren Möglichkeiten, und das nicht zum ersten Mal. Die Torhüter Silvio Heinevetter und Petr Stochl hielten ordentlich, auch mit den Youngstern Paul Drux und Fabian Wiede, die viel Einsatzzeit bekamen, oder den Schweden Mattias Zachrisson und Jesper Nielsen war der Manager zufrieden. Außerdem war der Serbe Petar Nenadic, der sein erstes Bundesligaspiel im Trikot der Füchse bestritt, mit sechs Treffern auf Anhieb ein Aktivposten im Team. Aber erwähnte Schwachstellen und zu viele Wellen im Spiel verhinderten den Erfolg. „Wir waren nicht gut genug“, kritisierte Trainer Dagur Sigurdsson, „wir müssen besser spielen, um Punkte zu holen.“

„Wir haben zehn Minuten den Kopf verloren“

Auch der 19-jährige Drux war unglücklich über den Saisonauftakt. „Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht, wodurch Göppingen leichte Gegenstöße laufen konnte“, haderte er. Trotzdem habe sich die Mannschaft irgendwie in die Pause gerettet und startete auch gut in den zweiten Abschnitt. „Aber dann hatten wir wieder viele Ballverluste und einen 1:7-Lauf. Das hat uns das Genick gebrochen.“

„Wir haben zehn Minuten in der zweiten Halbzeit den Kopf verloren“, monierte Kapitän Iker Romero, der auf fünf Tore kam, die er vor allem in der heiß umkämpften Schlussphase erzielte. Mangelnden Einsatz konnte man den Berlinern nicht nachsagen. In den letzten Minuten waren sie drauf und dran auszugleichen, nutzten aber die Chance nicht. „Hätte das Spiel fünf Minuten länger gedauert, hätten wir es vielleicht noch gewonnen“, sagte Hanning zerknirscht.

Im Pokal müssen die Berliner bei Zweitligist Tusem Essen antreten

„Natürlich haben wir uns alle mehr ausgerechnet“, sagte Drux. Um einen kompletten Fehlstart zu verhindern, ist nun ein Heimsieg am Freitag (19.45 Uhr, Schmeling-Halle) gegen den Bergischen HC um so wichtiger. Sigurdsson hielt sich auch deshalb mit seiner Kritik noch zurück, lobte die kämpferische Einstellung seiner Mannschaft und richtete den Blick schnell auf die nächste Aufgabe. „Wir kommen da nur gemeinsam raus“, appellierte der Isländer an seine Spieler.

Vielleicht kann dann schon der Däne Nielsen dabei helfen, der Abwehr mehr Stabilität zu geben. Und die Stimmung heben könnte auch das Pokal-Los, das die Berliner zogen. In der zweiten Runde um den DHB-Pokal muss der Cupverteidiger am 22. Oktober beim Zweitligisten Tusem Essen antreten.