Handball

Füchse starten am Sonnabend in eine komplizierte Saison

Zwei wichtige Spieler für Monate außer Gefecht, der Trainer muss zwei Jobs parallel stemmen: Die Füchse starten in Göppingen in eine Saison mit Unwägbarkeiten. Dennoch sind die Ziele hochgesteckt.

Foto: Thomas Niedermueller / Bongarts/Getty Images

Jetzt bloß nicht wieder ein Fehlstart wie vergangene Saison in Melsungen. „Unsere Hoffnung ist, dass wir in Göppingen gewinnen“, sagt Dagur Sigurdsson vor dem ersten Bundesligaspiel der Füchse Berlin am Sonnabend in Baden-Württemberg, „aber das wird schwierig.“ Weil Frischauf mit neuem Trainer, neuen Spielern und neuem Mut antritt, nicht wieder im unteren Mittelfeld der Handball-Bundesliga zu versinken. Und weil die Situation in Berlin eine durchaus komplizierte ist.

Die Füchse müssen die ersten Monate der Saison ohne ihren Abwehrchef Denis Spoljaric (Handoperation) und ihren Spielmacher Bartlomiej Jaszka (Schulteroperation) auskommen. Für den Polen wurde im Serben Petar Nenadic längst Ersatz verpflichtet. Auch ein Spoljaric-Vertreter scheint in dem Dänen Kasper Nielsen gefunden. Aber wie schnell die beiden international sehr erfahrenen Spieler in die Mannschaft integriert werden können, weiß niemand vorherzusagen.

Hinzu kommt die neue Doppelbelastung Sigurdssons. Der Isländer wird noch ein Jahr bei den Füchsen bleiben, aber nebenher als Bundestrainer versuchen, die deutsche Handball-Nationalmannschaft zurück auf den Erfolgsweg zu führen. Fällt der Füchse-Start mit der Partie in Göppingen und den folgenden Heimspielen gegen den Bergischen HC, VfL Gummersbach und HBW Balingen nicht positiv aus, wird schnell die Frage hochkommen: Ist die Doppelbelastung Sigurdssons Schuld?

Konkurrenz ist auf den HSV Handball nicht gut zu sprechen

Bei den Füchsen sind sie sich dieser Gefahr bewusst – und schieben den Gedanken erst einmal beiseite. „Wir kriegen das hin“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „das haben Dagur und ich uns versprochen. Und damit ist es kein Thema mehr.“ Die Ziele haben sich kaum verändert. „Wir wollen uns wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren“, sagt Sigurdsson. Hanning geht noch etwas weiter: „Wir müssen nach oben angreifen und nach unten verteidigen.“ Das bedeutet, Platz fünf wie in der Vorsaison ist Pflicht. Es darf aber auch etwas mehr sein.

Hannings Aussage weist zugleich darauf hin, dass die Liga in Bewegung geraten ist. Klubs wie der SC Magdeburg und MT Melsungen haben ihre Mannschaften personell verstärkt und streben ebenfalls in die europäischen Wettbewerbe. Dies sind zuvorderst die Konkurrenten, die von unten kommen. An der Spitze spricht beim Blick auf die Etats zwar alles wieder für einen Dreikampf zwischen Meister Kiel, den Rhein-Neckar Löwen und Champions-League-Gewinner Flensburg. Aber der HSV Handball, Tabellenvierter der letzten Saison, musste abspecken. Deshalb geht für die Berliner vielleicht nach oben etwas mehr.

Die Testturniere verliefen vielversprechend

Die Hanseaten hatten zunächst keine Lizenz bekommen, da sie nach dem Rückzug ihres Mäzens Andreas Rudolph quasi pleite waren. Weil sie sich dann aber vor dem Schiedsgericht ihre Bundesliga-Teilnahme erstritten und sich außerdem der sportlich abgestiegene HBW Balingen per einstweiliger Verfügung sein Startrecht sicherte, beginnt die Saison nun mit 19 Klubs. Das bedeutet für alle zwei Spiele mehr im ohnehin prallen Terminkalender. Den Zorn zogen sich damit nicht die Balinger zu, sondern die Hamburger. So schimpft Mindens Trainer Goran Perkovac: „Der HSV Handball hat es nicht verdient, in der Liga zu bleiben, weil man so nicht wirtschaften kann.“

Wirtschaftliche Probleme haben die Füchse nicht. Auch sportlich lässt Sigurdsson die Verletzungen seiner zwei Routiniers nicht als Entschuldigung gelten. „Wir sollen nicht jammern“, sagt der 41-Jährige, „wir sollen spielen.“ Bei den Vorbereitungsturnieren „lief es Stück für Stück besser. Wir sind auf einem guten Weg“. Wie Siege unter anderem gegen Dänemarks Champion KIF Kolding-Kopenhagen und Polens Meister Kielce zeigten. Beim 18:24 im Supercup gegen den THW Kiel am Dienstag war ebenfalls eine steigende Tendenz sichtbar.

Drux und Wiede sind zentrale Personen für die Zukunft

Besonders bestätigt hat sich Hanning gefühlt, als er nach dieser Partie von Alfred Gislason hörte: „Sei froh, dass du dem Paul Drux einen Fünfjahresvertrag gegeben hast.“ Welches Talent der 19-Jährige ist, muss also auch Kiels Meistertrainer aufgefallen sein. Gleiches gilt für den nur ein Jahr älteren Fabian Wiede. Beide sind zentrale Personen für die Zukunft der Füchse. „Diese Mannschaft soll ja nicht schon in dieser Saison ihren Höhepunkt erreichen“, erklärt der Geschäftsführer. Hanning plant gern weit voraus, deshalb verpflichtete er auch schon im Juli den kroatischen Olympiasieger Drago Vukovic – von 2015 bis 2018. „Ich sehe die Perspektive“, sagt er, „deshalb habe ich so ein gutes Gefühl.“

Die Vorfreude bezieht sich aber ebenso auf die nun beginnende Spielzeit. Wären Jaszka und Spoljaric zu Saisonbeginn nicht verletzt, „hätten wir sogar oben attackieren können. So wird es schwieriger. Aber den HSV wollen wir schon angreifen“. Auch in der Berliner Mannschaft ist die Grundstimmung sehr positiv. „In Göppingen zu gewinnen, ist unser Anspruch. Auch wenn sie stärker sind als im Vorjahr“, stellt Rückraumspieler Pavel Horak klar, der selbst sechs Jahre lang das Trikot Frischaufs trug.

Horak bedauert den Wechsel Sigurdssons zum DHB

Der 31-Jährige sieht genügend Potenzial in seiner Mannschaft, das Vorjahresergebnis noch zu steigern. Nicht zuletzt wegen der Jungen im Team: „Bei Fabi und Paul mache ich mir keine Sorgen. Die werden sich durchsetzen.“ Und der bevorstehende Verlust Sigurdssons? „Es ist schade, dass Dagur Berlin verlässt“, meint der Tscheche, „aber dem DHB kann man gratulieren: Der hat einen Glücksgriff gemacht.“