Handball

Dagur Sigurdsson ist bereit für die Herkulesaufgabe

Er wird sich gut überlegt haben, was ihm bevorsteht: Der Isländer Dagur Sigurdsson traut sich die schwierige Doppelfunktion als Bundestrainer und als Coach des Bundesligisten Füchse Berlin zu.

Foto: Axel Heimken / dpa/Heimken

Überrascht war niemand, als der neue Bundestrainer auf dem Podium Platz nahm. Der Deutsche Handballbund (DHB) hatte nach Leipzig geladen, um der Öffentlichkeit seine wichtigste Personalentscheidung zu präsentieren. Dass es dabei um Dagur Sigurdsson gehen würde, war längst bekannt, nachdem sein Verein Füchse Berlin den Coach für diese Aufgabe frei gegeben hatte. Langweilig wurde es trotzdem nicht, und das lag vor allem am Isländer. Denn der nahm die Herkulesaufgabe, die ihm bevorsteht, mit Humor.

Sigurdsson wird zunächst für ein Jahr in Personalunion die deutschen Handballer und die Füchse trainieren. Er bekam vom DHB einen Vertrag bis 2017 mit Option auf Verlängerung bis 2020. Dass er einer Doppelbelastung unterliege, beurteilte der 41-Jährige so: „Bundestrainer zu sein, ist schwer. Füchse-Trainer zu sein, ist auch schwer. Ob das nun doppelt so schwer ist, weiß ich nicht.“ Und überhaupt: „Wenn meine Frau nicht jammert, sollte niemand jammern.“

Erwartungen höher als beim Fußball

Er wird sich gut überlegt haben, was ihm bevorsteht. „Ich bin unheimlich stolz. Aber das ist kein Traumjob, es ist eine Riesenherausforderung.“ Die nicht mit einem Millionensalär honoriert wird wie etwa bei seinem Kollegen vom Fußball, Joachim Löw. Dabei sind die Erwartungen eher noch höher. „Olympiagold 2020 ist unsere allgegenwärtige Vision“, sagte etwa DHB-Präsident Bernhard Bauer und: „Wir haben die Möglichkeiten, das Gleiche zu erreichen wie die Fußballer bei der WM.“ Dass man ihm das Erreichen solcher Ziele durchaus zutraut, ist gleichwohl eine Anerkennung von Sigurdssons Arbeit bei den Füchsen.

Die wiederum müssen jetzt schon nach einem Nachfolger suchen, wenn ihr Erfolgscoach nächstes Jahr seinen Job in Berlin aufgibt. Wenn es Gewinner gibt bei dem Deal – der Bundesligist aus der Hauptstadt zählt zunächst nicht dazu. Der Isländer hat es geschafft, trotz eines deutlich geringeren Budgets die Konkurrenz aus Kiel, Hamburg, Flensburg oder Mannheim mehr als einmal zu ärgern. Weil es ihm gelang, neben Routiniers immer wieder eigene Talente ins Team zu integrieren.

An der Grenze zum Wahnsinnigsein

Etwas Ähnliches strebt er nun im DHB-Team an, das sich unter der Leitung von Vorgänger Martin Heuberger nicht für die Olympischen Spiele 2012, die EM 2014 und die WM 2015 qualifiziert hat. Sigurdsson will verstärkt junge Spieler einbauen, wozu sicher auch die Berliner Fabian Wiede und Paul Drux zählen. „Ich brauche aber auch erfahrene Spieler, um die Mannschaft zu führen“, stellte der neue Bundestrainer klar, „das dauert vielleicht ein oder zwei Lehrgänge, bis ich die Charaktere kenne.“ Wer ihn kennt, weiß: Halbe Sachen, selbst 99 Prozent reichen ihm nicht.

„Man muss diesen Kick spüren“, sagte Sigurdsson, „ich stelle mich sofort volle Pulle auf beide Mannschaften ein.“ Man habe als Profi sowieso viel zu viel Handball im Kopf, „du bist an der Grenze zum Wahnsinnigsein“. Er sei aber mehr als bereit, das zu machen, „und meine Familie auch“. Damit ist das Anforderungsprofil für künftige Nationalspieler sehr hoch angesetzt. Doch wer über die vorgegebenen Ziele nicht nur reden, sondern sie auch erreichen will, der ist klug beraten, es genau so zu halten wie der neue Bundestrainer.