„Ich hatte es befürchtet“, gibt Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin, ehrlich zu. Er wusste, dass das ersatzgeschwächte Berliner Handballteam schon vor dem Bundesliga-Abschluss in Kiel auf dem Zahnfleisch ging. „Wir konnten dem Druck nicht standhalten.“ Die Konsequenz: Die Füchse unterlagen 23:37 beim THW, der sich dadurch die 19. Deutsche Meisterschaft holte. Die um zwei Treffer bessere Tordifferenz entschied gegenüber den Rhein-Neckar Löwen.

Dass Fans des Teams aus Mannheim auf die Füchse sauer sind, war zu erwarten. Von den Löwen selbst waren aber keine Schuldzuweisungen zu hören. Außer einer kleinen Spitze von deren Trainer Gudmundur Gudmundsson, der sich über den Modus beklagte und anfügte: „Man hat in den letzten Wochen gesehen, dass einige Mannschaften alles geben und andere nicht.“ Diesen Schuh müssen sich die Berliner eigentlich nicht anziehen, dennoch erklärt Sportkoordinator Volker Zerbe prophylaktisch: „Sollte es Vorwürfe aus Mannheim geben, sind sie haltlos. Wir haben mit 100 Prozent gekämpft, hatten aber das vierte Spiel in acht Tagen.“

Auch wenn die Berliner die Spielzeit nicht mit einem guten Schluss zieren konnten, fällt die Bilanz sehr positiv aus. Hanning spricht von der „erfolgreichsten Saison des Klubs“. Schließlich wurde mit dem Pokalsieg, errungen gegen die favorisierten Flensburger, der erste Titel in der 123-jährigen Vereinsgeschichte geholt. In der Bundesliga wurde das Saisonziel mit Platz fünf erreicht, der wieder zur Teilnahme am EHF-Pokal berechtigt.

Der EHF-Cup – die Füchse hatten voll auf Europa gesetzt und größte Anstrengungen unternommen, um die Vierer-Endrunde in die Schmeling-Halle zu holen. Dass am Ende dort nur der dritte Platz heraussprang, war dann doch eine Enttäuschung. „Wir müssen uns schon kritisch hinterfragen, warum es nicht geklappt hat“, sagt Hanning. Irgendwie habe die „letzte Bereitschaft gefehlt“. Vielleicht habe man sich nach dem Pokalsieg und den anschließenden Bundesligaerfolgen zu sicher gefühlt.

Personalplanungen für kommende Saison sind abgeschlossen

Ein großes Problem in der Spielzeit 2013/2014 waren andauernde Verletzungssorgen. So musste man fast komplett auf Sven-Sören Christophersen (Knie) verzichten. „Auch Pavel Horak hat die Erwartungen nicht erfüllen können, weil er oft verletzt war“, erklärt Hanning. Jedenfalls hat sich das Risiko, die Mannschaft im vergangenen Sommer ziemlich rundzuerneuern, gelohnt. Schneller als erwartet wuchs die Mannschaft zusammen. Die Nachwuchskräfte Fabian Wiede, Paul Drux (er siegte am Sonntag mit der A-Jugend im Final-Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft beim SC Magdeburg mit 32:30) und Jonas Thümmler nehmen eine gute Entwicklung und werden kontinuierlich ins Team eingebaut. Trainer Dagur Sigurdsson stellt aber richtigerweise fest: „Uns fehlt noch die Breite und die Konstanz über die ganze Saison.“

Die Personalplanungen für die kommende Saison sind abgeschlossen. Die Kombination aus jungen Spielern und Routiniers wie Iker Romero soll es richten. „Ich erwarte, dass sich alle weiter steigern und wir in der Bundesliga auf einem Platz zwischen vier und sechs einkommen“, so Hanning. Das nächste Pflichtspiel steht am 19. August an: Im Supercup treffen die Füchse als Pokalsieger dann ausgerechnet auf Meister THW Kiel.