Handball

Die Füchse können zum Zünglein an der Waage werden

Vor dem Showdown um den Handball-Titel stehen der Berliner Gegner Kiel und die Rhein-Neckar Löwen punktgleich an der Spitze. Jedes Tor kann in der Endabrechnung entscheidend sein.

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Der Fernsehsender Sport1 liebt es martialisch. Unter dem Slogan „Schlacht um die Handball-Krone“ wird am Sonnabend von 16 Uhr an die Entscheidung um die deutsche Handball-Meisterschaft übertragen. Schlacht? Es ist zumindest ein Showdown um den Titel, wie es ihn seit langer Zeit nicht mehr gegeben hat. „Meine Fingernägel werde ich ganz kurz schneiden, damit da nicht mehr viel zum Knabbern bleibt“, sagt Handball-Ikone und Sport1-Experte Stefan Kretzschmar kurz vor der Schnappatmung.

Ein Herzschlagfinale also. Die Rhein-Neckar Löwen und Titelverteidiger THW Kiel haben vorm letzten Spiel beide 57:9 Punkte auf dem Konto. Die Löwen haben aber ein um sieben Treffer besseres Torverhältnis, das im Falle von Punktgleichheit hier noch entscheidend ist. Kiel hat ein Heimspiel gegen den Pokalsieger Füchse Berlin, der Konkurrent spielt zeitgleich beim VfL Gummersbach.

Die Löwen scheinen die besseren Karten zu haben, schließlich muss Kiel mit mehr als sieben Toren Differenz höher gewinnen als das Team aus Mannheim. Das hat man sich auch bei der Handball-Bundesliga (HBL) gedacht, dessen Boss Frank Bohmann mit der Original-Meisterschale nach Gummersbach reist. Holger Kaiser, der Co-Geschäftsführer der Liga, ist in Kiel, im Gepäck ein Duplikat der Trophäe.

Zuletzt waren die Kontrahenten im Torrausch: Erst stellte Kiel mit einem 46:24 beim TBV Lemgo einen Bestwert auf, dann übertrafen die Löwen mit dem 42:19 in Eisenach den Bundesliga-Rekord für ein Auswärtsspiel mit der größten Tordifferenz. Es folgten ein 41:28 der Löwen gegen Melsungen und Kiels 35:21 gegen Lübbecke. „Wir werden uns nicht abschlachten lassen“, sagt Gummersbachs Geschäftsführer Frank Flatten. Zusätzlicher Vorteil für die Rhein-Neckar Löwen: Nationaltorhüter Carsten Lichtlein wird dem VfL wegen Hexenschuss fehlen.

Im Falle eines Falles gibt es sogar Entscheidungsspiele

Flattens Berliner Kollege Bob Hanning verspricht: „Wir werden versuchen, das beste Ergebnis im Sinne der Sportlichkeit zu erzielen.“ Man wolle „sportlich fair sein, egal, wer Meister wird. Schließlich haben wir auch einen Anspruch an uns selbst“. Am Freitag trugen sich die Füchse im Roten Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein, wurden vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit empfangen. Hanning sieht darin auch „eine Verpflichtung“.

Jeder, der spielen könne, werde in Kiel dabei sein. Der Einsatz von Konstantin Igropulo und Bartlomiej Jaszka ist fraglich, die zuletzt pausierenden Denis Spoljaric und Pavel Horak werden wohl spielen. Hanning: „Auf die Füchse wird keiner zeigen, dass wir irgendwas beeinflusst hätten.“

Wenn am Ende doch Löwen und Kieler bei identischer Tordifferenz punktgleich einkommen? Dann wird zwischen 18. und 29. Juni in Hin- und Rückspiel die Entscheidung fallen. Erst dann ist die „Schlacht“ endgültig vorbei.