Handball

Füchse Berlin nur Statisten bei Kieler Meisterfeier

Zum 19. Mal ist Rekordmeister Kiel deutscher Meister. Der Klub siegte am Sonnabend gegen die Füchse Berlin mit 37:23. Noch nie gab es in der Handball-Bundesliga eine so knappe Entscheidung.

Foto: Oliver Hardt / Bongarts/Getty Images

Um 17.37 Uhr war das schier Unglaubliche Wirklichkeit. In der Kieler Arena brachen alle Dämme. Die Spieler des THW Kiel umarmten sich, tanzten, kugelten auf dem Parkett herum, die gut 10.000 Fans konnten ihr Glück ebenfalls nicht fassen.

Welch eine Dramatik: In einem Herzschlagfinale hatte sich der Titelverteidiger von der Ostsee doch noch den Meistertitel geholt. Mit einem 37:23 (17:8) gegen die Füchse Berlin zog der THW am letzten Spieltag an den Rhein-Neckar Löwen vorbei, die in Gummersbach nur zu einem 40:35 (21:19)-Erfolg kamen. Damit hatten die Kieler am Ende ein um zwei Tore besseres Torverhältnis. Noch nie gab es in der Handball-Bundesliga (HBL) eine so knappe Entscheidung.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, meinte THW-Trainer Alfred Gislason völlig aufgelöst. „Dabei dachte ich schon, das Ding ist weg.“ Aber seine Mannschaft habe immer an sich geglaubt, habe die Hoffnung nie verloren. „Ich bin so stolz auf jeden einzelnen.“

THW Kiel erhält Duplikat der Schale

Ganz anders war die Stimmung natürlich in Gummersbach, wo die Rhein-Neckar Löwen fassungslos in die Kabine gingen. „Ich fühle mich total leer“, meinte Kapitän Uwe Gensheimer, „am Boden zerstört.“ Eigentlich hatte doch sehr viel für sein Team gesprochen, das mit einem um sieben Treffern besseren Torverhältnis ins ultimative Spiel gegangen war. Doch Gensheimer gab ehrlich zu: „Vielleicht haben es die Kieler verdient. Wir haben jedenfalls nicht unser bestes Spiel gemacht.“

In Gummersbach konnte HBL-Boss Frank Bohmann die Meisterschale wieder einpacken. Auch bei der Ligaführung hatte man eher mit einem Löwen-Erfolg gerechnet, daher war das Original der Schale nach Gummersbach gebracht worden. Doch die Trophäe wurde dann doch in Kiel in die Höhe gereckt. Allerdings nur ein Duplikat, überreicht vom Co-Geschäftsführer der Liga, Holger Kaiser. Das Original wird nachgeliefert, den Kielern wird das egal sein.

Der Ausgang des Meisterschaftsfinales brachte für die Füchse am Ende eine herbe Packung. Und vor allem aus Sicht der Löwen wird das Ganze einen faden Beigeschmack haben. Eigentlich hatten die Berliner ja hoch und heilig versprochen, in Kiel alles zu geben. Man wollte sich nicht nachsagen lassen, den Meisterschaftskampf zu beeinflussen, indem man sich von den Kielern abschießen lässt.

Anfangs sah es noch gut für die Füchse aus

Doch schon die Ausgangsvoraussetzungen waren nicht gut. Die Berliner mussten auf Bartlomiej Jaszka (Schulter) und Konstantin Igropulo (Hand) verzichten, die wegen Verletzungen passen mussten. Zudem fehlte Paul Drux, der für das erste Finalspiel um die A-Jugendmeisterschaft am Sonntag in Magdeburg geschont wurde. Anfangs sah es auch recht gut aus für die Füchse. Während Kiel nervös wirkte, spielten die Berliner erst einmal ruhig. Sie hatten in Silvio Heinevetter einen sicheren Rückhalt.

Bis zum 7:9 hielt die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson mit, doch dann brach es über die Füchse herein. Die Kieler kamen ins Laufen, erzielten Tor um Tor. Auf einmal stand es aus Füchse-Sicht 7:16. Zwölf Minuten lang gelang ihnen kein Treffer. Vor allem in der Offensive schienen die Füchse von allen guten Geistern verlassen. Immer wieder leistete man sich Ballverluste, die Kiel zu erfolgreichen Schnellangriffen nutzte.

Nach 30 Minuten hieß es 17:8 für die Kieler – und da gleichzeitig die Rhein-Neckar Löwen lediglich mit 21:19 in Gummersbach führten, waren zur Halbzeit Löwen und Kieler punktgleich und hatten dasselbe Torverhältnis von +231. Danach spielte Kiel wie im Rausch, die Füchse ließen sich teilweise vorführen und wurden total überrollt. Zeitgleich bekamen die Löwen ihre Nerven nicht in den Griff. Sechs Minuten vor Schluss waren die Kieler im Direktvergleich wieder Meister. Das ließen sie sich nicht mehr nehmen.