Um 21.16 Uhr war der Moment gekommen, den viele Füchse-Fans so sehr gefürchtet hatten. Der angekündigte Abschied von Iker Romero. Publikumsliebling, Kapitän, Torjäger, Gute-Laune-Spanier und Mentor für die jungen Spieler. Im Kabinengang stand schon das Abschiedsgeschenk für den 33-Jährigen, mit eingraviertem Namen. Dann trat Bob Hanning ans Mikrofon der Max-Schmeling-Halle. Der Geschäftsführer erzählte noch einmal die Geschichte, wie er damals den Spanier vom FC Barcelona nach Berlin gelockt hatte. Dann hielten die 7611 Zuschauer den Atem an, denn Hanning sagte den folgenschweren Satz: „Wir haben noch einmal neu nachgedacht: Iker Romero bleibt doch noch ein Jahr bei den Füchsen Berlin.“ Lautstarker Applaus brandete auf und wollte fast nicht enden.
„Die letzten drei Jahre waren die schönsten meiner Karriere“, sagte Romeronach dem 25:26 (12:15) gegen den Bergischen HC im letzten Heimspiel der Bundesliga-Saison. Die Füchse haben den fünften Platz bereits sicher, am Sonnabend treten sie im letzten Spiel bei Rekordmeister THW Kiel an. Romero: „Ich freue mich sehr, noch eine Saison in Berlin zu spielen.“ Der Spanier hatte seinen Porsche schon umgemeldet. „Jetzt ist er wieder in Berlin.“
Kurz zuvor hatte Hanning bekannt gegeben, dass Sven-Sören Christophersen seinen Vertag in Berlin aufgelöst hat und für die kommende Saison zum Liga-Konkurrenten TSV Hannover-Burgdorf wechselt. „Ich freue mich auf die Aufgabe ab Sommer und denke, dass ich Teil eines interessanten Projekts sein werden“, sagte Christophersen und zog Parallelen zu den Füchsen: „Das Projekt in Hannover ist ähnlich reizvoll wie die damalige Aufgabe in Berlin.“ 2010 war „Smöre“ aus Wetzlar nach Berlin gekommen und zu einer der tragenden Säulen des Berliner Aufschwungs geworden. Neben Christophersen verlassen auch der langjährige Rechtsaußen Markus Richwien, Torhüter Maximilian Kroll und Oliver Milde den Verein nach der Saison.
Christophersen bekommt bei den Niedersachsen einen Drei-Jahresvertag. Der Rückraumspieler soll dort durch Spielpraxis Vertrauen in die eigene Stärke zurückerlangen, die ihm durch seine lange Knieverletzung abhanden gekommen war. In Hannover trifft „Smöre“ mit Geschäftsführer Benjamin Chatton auf einen alten Bekannten aus gemeinsamen Tagen beim TVB Lemgo. Und Chatton wird ihm helfen, schnell Fuß zu fassen. Erst Ende April hatte der 29 Jahre alte Christophersen sein Comeback gegeben und zuletzt wieder mehr Spielanteile bekommen. Zudem wird Bundestrainer Martin Heuberger ihn für die WM-Qualifikationsspiele im Juni gegen Polen in den erweiterten Kader berufen.
Mit Iker Romero bleibt den Füchsen mehr als nur der Kapitän und Leistungsträger der vergangenen drei Jahre erhalten. „Er ist für Paul Drux und Fabian Wiede eine Art Papa geworden, er hilft ihnen und leitet sie an“, sagt Hanning. „Und ein Iker Romero hält die Mannschaft zusammen.“ Der Spanier, seit 18 Jahren im internationalen Profi-Handball unterwegs, Weltmeister, Olympia-Dritter, Champions-League-Sieger (mit dem FC Barcelona) und insgesamt 199 Mal für die spanische Nationalmannschaft im Einsatz, glänzt auf dem Feld mit einem hervorragenden Auge für die Situation, seine Anspiele an den Kreis sind legendär, und sein Wurf ist gefürchtet.
Durch die Vertragsverlängerung von Romero verschaffen sich die Füchse nun auch etwas Luft, was die mittelfristig geplante Neuverpflichtung eines halblinken Rückraumstars angeht. Dafür müssen aber zunächst einmal die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden. „Und wir können in der kommenden Saison gucken, ob Paul Drux mehr im halblinken Rückraum oder auf der Mittelposition zu Hause ist“, so Hanning. Im Rückraum ist neben Drux der Tscheche Pavel Horak gesetzt, in der Mitte Spielmacher Bartlomiej Jaszka und eben Romero.
Ursprünglich hatte der stolze Baske Romero seine Karriere nach dem auslaufenden Engagement bei den Füchsen für beendet erklärt. Er wolle jetzt seinem Körper und seinem Kopf ein bisschen Ruhe gönnen und bei seiner Familie in Vitoria im Norden Spaniens das Leben genießen. „Aber ich habe nie gesagt, dass ich meine Karriere zu einhundert Prozent beende, dann wäre ich ja schon tot“, sagt Romero und lacht verschmitzt. Jetzt also folgt die Verlängerung seiner eindrucksvollen Karriere. „Es ist immer gut, wenn man die Ruhe bewahrt und respektvoll miteinander umgeht“, sagte Hanning, der über Romeros Vertrags-Verlängerung glücklich ist. „Mit Iker behalten wir den absoluten Helden bei uns.“





