Die Fachzeitschriften und Online-Portale des deutschen Handballs hatten in den vergangenen Wochen eindeutig ihr Lieblingsmotiv. Hier Iker Romero mit erhobenen Armen und einem Lächeln im Gesicht vor dem Fanblock der Füchse, da Iker Romero mit entschlossenem Blick zum Tor, den rechten Wurfarm nach hinten gespannt. Oder aber auch Iker Romero, der bei der Siegerehrung in Hamburg mit beiden Armen den nationalen Handball-Pokal in die Höhe reckt und seine Freude unter einer Champagner-Dusche herausschreit. „Die letzten Monate haben mir enorm viel Spaß gemacht und ich bin stolz auf das, was ich mit den Füchsen erreicht habe“, sagte der Rückraumstar der Füchse. Als Kapitän hatte er Mitte April die Berliner mit dem Pokalsieg zum ersten Titel in der 123-jährigen Geschichte des Vereins geführt. Im letzten Heimspiel der Bundesliga läuft Romero am Mittwochabend mit den Füchsen in der Max-Schmeling-Halle gegen den Bergischen HC auf (19 Uhr).
Die Anhänger der Berliner werden ihrem Liebling einen rauschenden Empfang bescheren. Ebenso wie Markus Richwien, Oliver Milde und Torwart Maximilian Kroll, die den Hauptstadtklub nach der Saison verlassen. „Wir wollen den scheidenden Spielern ein schönes Abschiedsspiel bieten“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. Für die Berliner hat die Begegnung mit den Westfalen nur noch einen statistischen Wert, sie stehen als Fünfter bereits fest und werden damit auch in der kommenden Saison wieder auf der internationalen Handball-Bühne um Meriten kämpfen. Da aber der BHC noch um den Klassenerhalt kämpft, werden die Berliner noch einmal besten Sport zeigen. „Wir möchten in der Meisterschaft und im Abstiegskampf kein entscheidender Faktor sein“, stellt Hanning fest. Am Sonnabend treten die Füchse im Saison-Finale beim deutschen Rekordmeister THW Kiel an. Der Nordklub liegt mit den Rhein-Neckar Löwen punktgleich (je 59:9 Zähler) an der Spitze, hat aber sieben Tore Rückstand auf die Mannheimer. Die Titel-Entscheidung fällt also erst am letzten Bundesliga-Spieltag.
„Eine sensationelle Saison, auf die wir stolz sein können“
Noch immer wirkt bei den Füchsen die Enttäuschung vom EHF Final Four nach. Am vergangenen Sonnabend hatten sie im Halbfinale gegen den späteren Cup-Gewinner Pick Szeged aus Ungarn verloren und waren dabei völlig unter ihren Möglichkeiten geblieben. „Das tut noch unheimlich weh“, gibt Hanning offen zu, „wir haben es nicht geschafft, unsere absolute Leidenschaft auf die Platte zu bringen. Trotzdem bleibt es für uns eine sensationelle Saison, auf die wir stolz sein können.“ Und Iker Romero? Der soll laut Vereinspräsident Frank Steffel nach dem Scheitern im Semifinale in der Umkleidekabine in Tränen ausgebrochen sein. Immerhin siegten die Füchse im kleinen Finale gegen Constanta/Rumänien, und Romero wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt.
Seit 18 Jahren spielt Romero nun schon Handball auf höchstem Niveau. Oft mit großem Erfolg, doch auch heftige Rückschläge kennt der stolze Baske, der aus Vitoria im Norden Spaniens kommt, nur allzu gut. Als die Tränen nach dem EHF-Cup getrocknet waren und der Blick auf das Erreichte wieder an Klarheit gewann, sagte er: „Das ist kein Weltuntergang. Das ist Sport. Du kannst eben nicht immer gewinnen.“ Und an seine Berliner Anhänger, die er im Laufe seiner drei Jahre mit seinem leidenschaftlichen Einsatz und seiner herzlichen Offenheit für sich gewonnen hat, richtet er die hoffnungsvolle Botschaft: „Ich sage zu den Füchse-Fans nicht Ciao, sondern ich sage bis bald.“ Romero lächelt verschmitzt: „Ich bin immer an und auch über mein Limit gegangen, aber ich sage jetzt nicht, dass ich zu einhundert Prozent aufhöre. Denn wenn ich das so festlegen würde, dann wäre ich schon gestorben.“ Am 15. Juni feiert Romero seinen 34. Geburtstag.
Jetzt könnte noch einmal der große Coup folgen
Ehe Romero sich bei seiner Familie in Vitoria „ein paar Wochen Ruhe für Körper und Geist“ gönnen und am Abend mit seinen Liebsten einen guten Tropfen von seinem eigenen Weingut degustieren wird („der Wein reicht für mich für die nächsten hundert Jahre zum Trinken“), steht für den Rückraumstar noch ein ganz besonderes Highlight an. 199 Mal hat der Rechtshänder, der sich vor jedem Einsatz auf dem Handballfeld dreimal bekreuzigt, bislang für Spanien gespielt. 2005 gewann er mit den Iberern bei der WM in Tunesien Gold, es folgten Silber bei der EM 2006 und die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Der letzte große Erfolg im Nationaltrikot war der dritte Platz bei der WM 2011. Danach wurde Romero nicht mehr im Kader berücksichtigt.
Jetzt aber könnte noch einmal der ganz große Coup folgen. Er habe mit dem Verbandspräsidenten und Nationalcoach Manolo Cadenas gesprochen, erklärt Romero. „Wenn mein Körper durchhält, bekomme ich am 4. Juni im Länderspiel gegen Polen meine Abschiedsvorstellung und würde dann die 200 Spiele voll machen. Das wäre perfekt“, sagt Romero.
Humor ist eine Tugend des Basken. Auch bei den Füchsen ist der 33-Jährige nicht nur der „Mann für die besonderen Momente“ (Hanning), sondern auch der Mann, der stets für gute Laune sorgt. „Ich denke immer positiv“, sagt er und lacht, „wenn ich mir was wünschen könnte, bitteschön: Ich bräuchte ein neues Knie, einen neuen Ellenbogen und eine neue Schulter.“





