Handball

Füchse wollen ihre einmalige Chance im EHF-Cup nutzen

Nach dem Sieg im nationalen Pokal peilt das Berliner Handballteam am Wochenende in eigener Halle seinen ersten internationalen Titel an. Letzter großer Auftritt von Kapitän Iker Romero.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Iker Romero setzt einen entschlossenen Blick auf: „Natürlich werde ich spielen. Schmerzen? Egal.“ Der Kapitän der Füchse Berlin will erst gar keine Ungewissheit aufkommen lassen. „Hey, das ist das wichtigste Spiel dieser Saison.“ Der Spanier will selbstverständlich dabei sein, wenn am Sonnabend (14.30 Uhr, live beim RBB) der Berliner Handballklub in der Schmeling-Halle im Halbfinale um den EHF-Pokal gegen den ungarischen Spitzenklub Pick Szeged antritt. Kurz zuvor hat sein Trainer Dagur Sigurdsson hinter den Einsatz Romeros und von Bartlomiej Jaszka noch ein Fragezeichen gesetzt. Beide haben Schulterprobleme und wurden zuletzt geschont.

Doch das Rückraumduo wird spielen. Schließlich ist das Final Four des EHF-Cups die wohl einmalige Chance für die Füchse, einen europäischen Pokal zu gewinnen. „Ich bin schon sehr, sehr aufgeregt“, sagt Romero. Ihn kann nichts mehr erschüttern, schließlich wurde er mit dem spanischen Nationalteam Weltmeister (2005), holte olympisches Bronze (2008) und gewann mit dem FC Barcelona zweimal (2005/2011) die Champions League. Dennoch ist für den Routinier mit seinen 199 Länderspielen die Endrunde etwas ganz Besonderes. Es ist der letzte große Auftritt des Spaniers, der in einem Monat 34 Jahre alt wird. Vier Spiele noch im Füchse-Trikot, danach beendet er seine große Karriere: Erst das Spiel am Sonnabend, dann am Sonntag das Finale (15.35 Uhr), so hoffen die Füchse, und nicht die Partie um Platz drei (13 Uhr). In der Bundesliga folgt am kommenden Mittwoch das Heimspiel gegen den Bergischen HC, Schlusspunkt ist am Sonntag beim Titelverteidiger THW Kiel.

Kapitän Romero spielt gegen seinen Entdecker

„Mein Finale ist gegen Szeged“, erklärt Romero und spricht den Satz aus, der von allen Berlinern zu hören ist. Weiter will niemand denken, an andere Teams sowieso nicht. Ob nun am Sonntag der Gegner Montpellier AHB oder das rumänische Team von HCM Constanta heißen könnte, die sich im zweiten Halbfinale (17.15 Uhr) gegenüberstehen, ist kein Thema.

Erst einmal Szeged. Sigurdsson warnt: „Das ist eine ganz starke Mannschaft.“ Der Klub liegt an der Spitze der ungarischen Liga, punktgleich mit Veszprem, das immerhin Teilnehmer am Final Four der Champions League ist. „Wir haben Respekt – aber wir selbst sind ja auch nicht schlecht...“ Pick spiele „spanischen Stil, sehr kompakt“, analysiert Sigurdsson. Kein Wunder, schließlich wird Szeged vom Spanier Juan Carlos Pastor trainiert.

Da kommt gleich wieder Romero ins Spiel, dessen Augen leuchten, wenn er den Namen Pastor nur hört. Dieser entdeckte ihn als 16-Jährigen in einer Schule im baskischen Vitoria. In Valladolid unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag – Trainer war dort Pastor. „Er war nicht nur mein Entdecker, er ist ein enger Freund“, erzählt Romero. „Ich bin unter ihm 2005 auch Weltmeister geworden.“ Immer standen die beiden in regem telefonischen Kontakt, der aber im gegenseitigen Einvernehmen erst einmal abgebrochen wurde, nachdem die Auslosung die Partie Romero gegen Pastor ergeben hatte. „Das wäre ja sonst nur Theater gewesen.“

Die Erwartungen ans Berliner Team sind hoch

Der Druck vor dem „Finale daheim“ ist für die Berliner groß. Auch wenn Torhüter Silvio Heinevetter bremst: „Müssen tun wir gar nichts, aber wir wollen.“ Romero zieht jedoch den Vergleich zum Final Four um den deutschen Pokal vor fünf Wochen in Hamburg, als die Füchse sich gegen Flensburg den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte holten: „Da waren die Erwartungen an uns nicht so hoch.“

Seit dem Pokal-Coup strotzen die Berliner allerdings vor Selbstvertrauen. Und sie haben sich im Freudentaumel nicht hängen lassen, was Sigurdsson am meisten freut: „Alle vier Ligaspiele haben wir danach gewonnen, das zeigt, welche super Charaktere wir in unserer Mannschaft haben. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Hanning ist sich sicher: „Wenn alles passt, können wir jeden Tag an jedem Ort der Welt jeden schlagen.“

Entwicklung geht seit 2005 stetig aufwärts

Der erste internationale Titel in der Geschichte der Füchse wäre der Höhepunkt einer Entwicklung, die seit 2005, seit Geschäftsführer Bob Hanning beim damaligen Zweitligisten eingestiegen ist, kontinuierlich nach oben ging. Nur so viel Geld ausgeben, wie man hat, lautet Hannings Maxime. Mit ihm ist „Gier frisst Verstand“, wie er es gern nennt, nicht zu machen.

Auch für den isländischen Trainer wäre es ein neuer Höhepunkt seiner Karriere. Was würde ihm das persönlich bedeuten? „Sicher ist ein Titel für jeden wertvoll. Aber ich bin nicht so besessen, dass ich meine Karriere von Titeln abhängig mache.“ Sonst „würde ich nicht auf junge Spieler setzen und wäre nicht hier bei diesem Klub.“

Die letzte Vorbereitung in der Kabine wird wie immer sein. Für die Untermalung ist Romero zuständig. „Er ist unser Musikwart“, erzählt Mitspieler Paul Drux. Einen Mix aus spanischer, deutscher und englischer Musik hat Romero jedesmal vorbereitet. Anfangs hatte er nur spanische Klänge dabei. „Aber das fanden die anderen nicht so toll“, gibt Romero lachend zu. Jetzt ist für jeden Geschmack etwas dabei.