Handball

Bilanz stimmt - Füchse erringen Platz drei bei Final Four

Am Tag nach dem Halbfinal-Aus gegen Szeged besiegten die Berliner Handballer zu Hause Constanta aus Rumänien.Damit feierten die Füchse ein versöhnliches Ende und sind stolz auf die Saison.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Den Spielern, Verantwortlichen und Fans der Füchse Berlin dürfte der Song nicht so richtig Freude bereitet haben. Vor dem Finale um den EHF-Cup sangen die „American Authors“ ihren Hit „Best day of my life“. Ein Titel voller Glück und Euphorie.

Gefühle, die bei den Berlinern wohl niemand so richtig empfinden konnte. Sie hatten in der Max-Schmeling-Halle am Sonntag, mittags um 13 Uhr, das Vorprogramm bestreiten müssen. Im von niemandem geliebten Spiel um den dritten Platz hatten die Berliner Handballer zwar Constanta (Rumänien) mit 29:28 (13:14) besiegt, aber nach dem niederschmetternden 22:24 gegen Szeged (Ungarn) im Halbfinale tags zuvor war dies jedoch nur ein schwacher Trost. Lediglich Zuschauer war das Team von Trainer Dagur Sigurdsson, als die Ungarn sich den Titel durch ein 29:28 (16:14) gegen Montpellier holten.

Es war sicherlich nicht leicht für die Füchse, sich noch einigermaßen zu motivieren für das „kleine Finale“. Am Ende feierten sie aber doch mit den Zuschauern, denn mit unbändigem Kampfgeist hatten sie die Partie gegen die Rumänen noch gedreht.

25.000 Euro Prämie als Trost

„Das Spiel war eigentlich weg“, gab Geschäftsführer Bob Hanning zu. Doch dann hielt der für den schwachen Silvio Heinevetter ins Tor gegangene Petr Stochl hervorragend, und Iker Romero (mit acht Toren bester Werfer und zum besten Spieler der Endrunde gewählt) ließ die Zuschauer über seine fünf Treffer in der Schlussphase jubeln. Aus einem 17:21-Rückstand (43. Minute) wurde doch noch ein Sieg. „So ist das im Leben“, sagte der Spanier, „du musst immer kämpfen bis zum Schluss.“ Hanning sprach von einem „Sieg der Moral, wir haben uns nicht verprügeln lassen“. Dabei hatte das Füchse-Team auf die angeschlagenen Denis Spoljaric, Paul Drux, Konstantin Igropulo und Pavel Horak verzichten müssen.

Sigurdsson war hin- und hergerissen. „Sehr, sehr glücklich“ sei er über den Sieg seiner Mannschaft, „sehr enttäuscht“ darüber, dass von den Rumänen Handball „wie vor 20 Jahren“ gespielt wurde. Sehr hart gingen die Gäste zur Sache, selbst sanken sie bei jedem Foul gegen sich theatralisch zu Boden. Sigurdsson sprach von „Zirkus“. Das Schiedsrichtergespann aus Israel ließ Constantas Spielweise viel zu oft völlig unverständlicherweise durchgehen.

Zumindest kassierten die Berliner für Rang drei noch 25.000 Euro von insgesamt 185.000 Euro Preisgeld. Allein 100.000 Euro bekamen die Ungarn für ihren Sieg. Eine Summe, die, ganz abgesehen vom Sportlichen, auch den Füchsen gut getan hätte. Er hoffe auf eine „schwarze Null“, hatte Hanning vorher erklärt. Auf etwa 400.000 Euro hatte er den Etat der Vierer-Endrunde beziffert. Einmalig schien die Chance, vor eigenem Publikum den ersten internationalen Titel in der Klub-Geschichte zu gewinnen. Doch der Traum war schon am Sonnabend geplatzt.

Die Füchse sind auch für den nächsten EHF-Pokal qualifiziert

Plus minus null nach der Veranstaltung zu bilanzieren, soll aber dennoch gelingen. „Knapp“, so Hanning. Auch wenn der Anteil des Preisgeldes in überschaubaren Grenzen blieb; die Hoffnung, zweimal einen ausverkauften „Fuchsbau“ (Kapazität 8500 Plätze) zu haben, erfüllte sich mit 7918 am Sonnabend nicht, am Sonntag war die Arena fast komplett gefüllt. Da die Füchse das Endspiel verpassten, wurde die nur bei einer Berliner Finalteilnahme geplante Liveübertragung beim RBB abgesagt.

Natürlich tut es den Füchsen weh, es nicht geschafft zu haben. Doch das Wochenende sollte trotz aller Enttäuschung nicht den Blick darauf verstellen, dass sie eine starke Saison gespielt haben. Gekrönt vom ersten nationalen Titel, dem Pokalsieg vor fünf Wochen gegen den Favoriten SG Flensburg-Handewitt. Das neu zusammengestellte Team wird die Saison als Fünfter der Bundesliga abschließen, ist damit auch in der kommenden Spielzeit für den EHF-Pokal qualifiziert. Pokalsieg, Erreichen der Vierer-Endrunde im EHF-Cup, Platz fünf in der Bundesliga, in der der Zuschauerschnitt um fast 500 Fans gesteigert wurde – das alles steht auf der Habenseite.

Nur noch zwei Liga-Spiele

Dies wurde erreicht, obwohl das Team immer wieder mit Verletzungsproblemen kämpfen musste, sich aber ein ums andere Mal mit viel Leidenschaft durchbiss. Es ist bittere Ironie, dass ausgerechnet gegen Szeged zum ersten Mal seit langer, langer Zeit der komplette Kader zur Verfügung stand.

Zwei Bundesligaspiele stehen für die Berliner jetzt noch auf dem Programm. Erst einmal am kommenden Mittwoch in der Schmeling-Halle (19 Uhr) gegen den Bergischen HC. Es wird der letzte Heimauftritt des unverwüstlichen Iker Romero sein, der nach der Saison seine Karriere beendet. Den Schlusspunkt bildet dann am Sonnabend das Spiel beim THW Kiel.

Doch erst einmal werden die Füchse am Montag im Rathaus von Reinickendorf vom Bezirksbürgermeister geehrt, danach findet vor dem Rathaus ab 18 Uhr ein Fanfest mit der Mannschaft statt. Dann wird gefeiert, auch wenn aus dem ersehnten Gewinn des EHF-Pokals nichts geworden ist.