Wegen Doppelfunktion

Liga läuft Sturm gegen Füchse-Macher Hanning

Nach dem Pokalsieg träumt Berlins Handballteam vom ersten europäischen Titel. Doch sein Manager Bob Hanning soll nach Kritik der Konkurrenz den Vorsitz der Schiedsrichter-Kommission abgeben.

Foto: Axel Heimken / dpa

Fünf Wochen vor den richtungweisenden WM-Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft gegen Polen gärt es mal wieder im deutschen Handball. Ausgerechnet Bob Hanning, der als neuer starker Mann und Hansdampf in allen Gassen den Aufbruch in eine bessere Zukunft koordinieren soll, bekommt heftigen Gegenwind aus der Bundesliga. Grund ist die Doppelfunktion des Verbands-Vizepräsidenten und Managers von Pokalsieger Füchse Berlin, die, so die Quintessenz der Vorwürfe, derart prägnant ist, dass sie womöglich die Schiedsrichter beeinflusst.

Die Attacken kommen von durchaus einflussreicher Stelle. Die beiden Bundesliga-Manager Dierk Schmäschke (SG Flensburg-Handewitt) und Axel Geerken (MT Melsungen) fordern Hanning auf, den Vorsitz der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Handballbundes (DHB) mit sofortiger Wirkung niederzulegen oder seinen Betreuerplatz auf der Füchse-Bank zu räumen. Nur durch die physische und psychische Distanz zu den Schiedsrichtern sei die Neutralität des Amtes eines DHB-Vize, das er seit September 2013 bekleidet, gewährleistet und jedem Verdacht der Einflussnahme vorgebeugt.

„Was bisher hinter vorgehaltener Hand leisetretend diskutiert wurde, muss einmal offen auf den Tisch. Dazu gibt es ja auch den Ehrenkodex des DHB“, sagte Flensburgs Geschäftsführer Schmäschke dem Sportinformationsdienst: „Auch Bob Hanning, der zweifelsohne sehr engagiert, aber auch sehr polarisierend ist, muss sich selbst kritischen Anmerkungen stellen – das verlangt er ja auch von anderen.“

Pokalfinalist Flensburg verweist auf Ehrenkodex

Flensburg hatte das Finale des DHB-Pokals gegen die Füchse Mitte April mit 21:22 verloren. Nach dem Spiel hatte Schmäschke öffentlich erklärt, er fühle sich verpfiffen. Der letzte Spielzug der Berliner im Finale dauerte weit über eine Minute, ohne dass die Schiedsrichter einschritten. Als sie schließlich Zeitspiel pfiffen, stand nur noch eine Sekunde auf der Uhr.

Auch Melsungens Manager Geerken kritisierte die Doppelfunktion Hannings scharf. „Ich erwarte, dass ein Verbandsfunktionär, der anderen ethische Werte vorhält, diese selbst als erster vorlebt und Neutralität für jedermann sichtbar bekundet“, sagt Geerken: „Bob Hanning ist doch nicht gezwungen, sich als Offizieller auf die Bank der Berliner Füchse zu setzen und dadurch eine ohnehin problematische Doppelfunktion auch noch ständig offenkundig zu machen.“ Melsungen war im Pokal-Halbfinale an den Füchsen (28:30) gescheitert.

Dass in Ex-Nationalspieler Volker Zerbe, dem Co-Trainer der Füchse, ein weiterer Berliner der Schiedsrichterkommission angehört, macht die Sache für die Kritiker nicht besser. Ebenso die Tatsache, dass ausgerechnet beim Final Four in Hamburg das beste deutsche Schiedsrichterpaar Lars Geipel/Sebastian Helbig (Leipzig) eine Pause erhielt.

Verbandschef hält zu Hanning

DHB-Präsident Bernhard Bauer, der genau wie Hanning, Liga-Präsident Reiner Witte sowie die HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und Holger Kaiser in der Causa ein Protestschreiben aus Melsungen erhielt, sieht keine Veranlassung, seinem Vizepräsidenten Leistungssport in die Parade zu fahren. „Ich habe nicht vor, Hanning in dieser Sache eine Anweisung zu erteilen. Das ist Sache der Liga. Die Liga wusste vor der Wahl Hannings um diese Doppelfunktion“, sagte Bauer dem Weser Kurier.

Hanning, der von den Bundesliga-Vertretern einstimmig in die Kommission gewählt worden war, wollte sich auf SID-Anfrage nicht zur Kritik seiner Kollegen äußern. Dass sich der Vollblut-Handballer von der Füchse-Bank vertreiben lässt, ist schwer vorstellbar. Sein Vorgänger Horst Bredemeier hatte in seiner Zeit als DHB-Vize einem Interessenkonflikt vorgebeugt, indem er in seiner Funktion als Manager des Bundesligisten GWD Minden die Betreuerbank am Spielfeldrand mied.