Handball

Füchse-Kapitän Iker Romero beendet seine Karriere

Die drei Jahre in Berlin seien die Sahne auf dem Kuchen seiner Karriere gewesen, sagt der 33-Jährige. Ende Mai wird Iker Romero sein letztes Spiel für die Handball-Füchse bestreiten.

Foto: Axel Heimken / dpa

Für eine hauchdünne Scheibe Ibérico-Schinken lässt Iker Romero einiges stehen. Gleiches gilt für Lamm oder Rebhuhn, zubereitet auf baskische Art versteht sich. Dazu ein Glas Rotwein aus dem familieneigenen Weinkeller im Rioja-Gebiet. „Ja, ich bin ein Feinschmecker“, sagt Romero, Handballprofi und Kapitän der Füchse Berlin. Er lacht und reibt sich den Bauch. Und so verwundert es nicht, dass der Spanier jetzt, da er die „schwierigste Entscheidung“ seines Lebens getroffen hat, auch zu einem kulinarischen Bild greift. „Die drei Jahre in Berlin waren die Sahne auf dem Kuchen meiner Karriere“, sagt Romero. Jetzt aber ist Schluss, Iker Romero beendet nach dieser Saison bei den Füchsen seine schillernde Karriere.

18 Jahre Profisport, die für Romero schnell vergingen

„Das ist ein Moment, den kein Spieler aussprechen möchte“, sagt Romero. Die 18 Jahre seiner Karriere seien für ihn wie 18 Monate gewesen. „Ich habe lange überlegt, was ich mache und was das beste für mich, meinen Kopf, mein Herz, meinen Körper und meine Familie ist. Nach vielen Überlegungen habe ich entschieden, dass ich nach dem letzten Spiel am 24. Mai nach Hause zu meiner Familie gehe“, erklärt der Publikumsliebling des Berliner Bundesligaklubs und deutschen Pokalsiegers. Schon vorher hatte festgestanden, dass der Vertrag des 33-jährigen Ex-Weltmeisters und Champions-League-Siegers nicht verlängert wird. Daraufhin hatten dem Rückraumspieler verschiedene Angebote vorgelegen, Romero aber entschied sich nun für das Karriereende. „Man muss wissen, wann der richtige Moment ist. Der perfekte Moment kommt nie, aber ich denke, jetzt ist der passende Zeitpunkt für mein neues Leben“, sagt Romero. Geschäftsführer Bob Hanning, der den Spanier einst vom großen FC Barcelona nach Berlin geholt hatte, zollt dem Rechtshänder Respekt. „Viele Sportler verpassen den richtigen Moment, die Entscheidung von Iker Romero zeigt seine Stärke und Größe. Er tritt auf dem Höhepunkt ab“, so der Manager.

Am 24. Mai bestreitet Romero mit den Füchsen sein letztes Pflichtspiel gegen den THW Kiel. Zuvor aber möchte er mit den Berlinern nach dem Sieg im deutschen Vereinspokal auch noch beim Final Four um den europäischen EHF-Cup am 17./18. Mai in der heimischen Schmeling-Halle triumphieren. „Das wäre dann die Kirsche auf der Sahnetorte“, sagt Romero. Danach kehrt der Kapitän in seine Heimatstadt Vitoria nach Nordspanien zurück. „Ich vermisse meine Familie. Ich war 18 Jahre weit weg von meiner Heimatstadt. Das ist eine lange Zeit, jetzt kommt mein neues Leben“, frohlockt Romero, „ich gehe nach Hause und werde meinem Kopf und meinem Körper ein bisschen Ruhe geben. Was ich danach mache, werde ich in einigen Monaten sehen. Ich sage zu den Füchse-Fans aber nicht ciao, sondern bis bald.“

„Wir verlieren einen großen Sportler“

Der Abschied Romeros sorgt schon jetzt für große Gefühle im Fuchsbau. „Viele Spieler, die wir haben gehen lassen, haben mir weh getan, aber das ist der schwierigste Moment meiner Geschäftsführertätigkeit“, sagt Manager Hanning. „Wir verlieren einen großen Sportler. Iker hat in den drei Jahren den Verein geprägt, die Mentalität des Siegens vermittelt und war Vorbild – nicht nur für die Spieler, sondern in vielen Dingen auch für mich.“ Mit dem Sieg im DHB-Pokal hat Romero auch einen festen Platz in der Geschichte der Füchse eingenommen, denn es war der erste Titel in der 123-jährigen Historie des Vereins.

Als Romero 2011 nach Berlin gekommen war, hatten einige Experten die Nase über die Verpflichtung des Routiniers gerümpft. Weil Romero seine besten Zeiten längst hinter sich habe, hieß es. Ein großer Name, aber verletzungsanfällig, sportlich perspektivlos – und übergewichtig. Einige Fachleute wie Handball-Legende Stefan Kretzschmar bezeichneten ihn gar als „Marketing-Deal“. „Ich habe damals maximales Unverständnis geerntet“, erinnert sich Hanning, „aber zum Glück habe ich richtig entschieden.“ Binnen kürzester Zeit hat sich Romero zum Liebling der Anhänger und zu einer Integrationsfigur im Berliner Handball entwickelt. „Allein seine Präsenz und wie er mit den Mitspielern umgeht und ihnen Mut zuspricht, das ist beeindruckend“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Und Hanning ergänzt: „Iker ist einfach ein guter Typ, den jeder mögen muss.“

Seine Zuversicht, Kraft und gute Laune zieht der 33-Jährige seit jeher aus seinem Glauben an Gott. Jedes Mal vor Betreten des Handballfeldes bekreuzigt sich der Rückraumspieler dreimal, und sein Vertrauen in die eigene Stärke hat etwas Unerschütterliches. Auf der Innenseite seines rechten Arms ist ein blau-schwarzes Kreuz tätowiert. „Dagur und Bob haben vor drei Jahren so etwas wie eine Wette abgeschlossen. Sie wussten nicht, ob es aufgeht oder nicht. Ich denke aber, sie sind zufrieden“, sagt Romero.

Auf Neu-Verpflichtungen muss das Team verzichten

Bei den Füchsen laufen schon jetzt die Planungen für die neue Saison. Der Abschied von Iker Romero ändert daran nichts. Und mit dem Geld, das durch den Abgang des Spaniers übrig bleibt, wird kein neuer Star an die Spree geholt. „Da muss ich leider alle enttäuschen, die darauf gehofft haben. Wir glauben aber, dass wir mit unserem jetzigen Kader gut auf die nächste Spielzeit vorbereitet sind“, sagt Hanning. Der Manager räumt freilich ein, dass man den Markt aufmerksam beobachte: „Wir können im Notfall handeln, allerdings aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten nur im kleinen Stil.“