Handball

Füchse Berlin werden für ihre Haltung nach dem Feiern belohnt

Das Berliner Handballteam hat beim Sieg über den VfL Gummersbach sehr schnell wieder in die Spur zurückgefunden. Jetzt peilen sie das zweite große Ziel an - den Gewinn des EHF-Pokals.

Foto: Axel Heimken / dpa

Viel wurde im Vorfeld darüber philosophiert, ob die Spieler der Füchse Berlin nach dem Pokaltriumph eine Woche zuvor wieder zurück in die Spur finden würden. Das im Sport gern benutzte Wort vom „Charaktertest“ wurde immer wieder bemüht. Wie würde sich das Berliner Handballteam am Ostersonntag im Bundesligaspiel gegen den VfL Gummersbach präsentieren? Die Frage lässt sich nach dem 27:22 (16:11) gegen den Altmeister ohne Wenn und Aber beantworten: Alle waren wieder hoch motiviert, es gab keine Spätfolgen des Feier-Marathons, der sich fast über die gesamte Woche hingezogen hatte.

Wie bekommt man den Fokus nach den ganzen Glücksgefühlen, den Erfrischungsgetränken und dem Spannungsabfall wieder zurück auf den Sport? „Für mich war es gar nicht schwer“, meinte Paul Drux mit einem Grinsen im Gesicht. „Schließlich habe ich seit Montag wieder trainiert.“ Drux ist mit 19 Jahren der Jüngste im Team, er kann sogar noch A-Jugend spielen und war am Osterwochenende so ganz nebenbei auch beim Rookie-Cup (den die Füchse gewannen) im Einsatz. „Da ich momentan ja mein Abitur mache, hat sich das mit dem Feiern sowieso in Grenzen gehalten.“ Wie Drux stecken auch seine Mitspieler Fabian Wiede, 20, und Jonas Thümmler, 20, mittendrin im Abi-Stress.

Doch nicht nur das junge Trio war voll da, alle hatten die Ernsthaftigkeit wiedergefunden. „Das sieht so leicht aus“, meinte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, „aber es ist für jeden Spieler sehr schwer.“ Jeder musste „mit sich selbst im Kopf kämpfen“. Entsprechend starteten die Berliner nicht besonders gut gegen die Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel. „Das war irgendwie schon klar“, meinte Geschäftsführer Bob Hanning. „Die Fehlerzahl war zu hoch“, stellte Sportkoordinator Volker Zerbe fest.

Anfangs tun sich die Füchse etwas schwer

Erst nach 14 Minuten gelang den Berlinern vor 8314 Fans in der Schmeling-Halle durch Mattias Zachrisson die erste Führung (8:7). Zu diesem Zeitpunkt war zumindest der überragende Torhüter Silvio Heinevetter bereits richtig auf Betriebstemperatur, der kurz danach seinen zweiten Siebenmeter hielt.

Als „Knackpunkt“ bezeichnete Sigurdsson die Phase kurz vor der Pause, als es den Berlinern in Unterzahl gelang, drei Treffer zu erzielen, während die Gäste an der guten Abwehr und „Hexer“ Heinevetter scheiterten. Der Fünf-Tore-Abstand zur Halbzeit (16:11) gab den Füchsen, die in Konstantin Igropulo und Jesper Nielsen (beide 5) ihre besten Werfer hatten, die nötige Sicherheit. „Es war für uns als Mannschaft eine Einstellungsfrage“, meinte Drux. „Aber wir wollten unbedingt zeigen, dass wir verdient Pokalsieger geworden sind.“

Jetzt muss die Spannung hochgehalten werden

In den verbleibenden Bundesligapartien soll die Spannung nun weiter hochgehalten werden. „Wir müssen weiterkämpfen und im Rhythmus bleiben. Das ist wichtig für den Kopf“, sagte Kapitän Iker Romero. „Der absolute Höhepunkt kommt ja noch“, meinte Hanning mit Blick auf das Final Four im EHF-Pokal, das am 17./18. Mai in der Schmeling-Halle stattfinden wird. Dort könnte dem ersten nationalen gleich der erste internationale Titel hinzugefügt werden.

Dann wird die Mannschaft auch wieder ein anderes Gesicht haben als gegen den VfL Gummersbach. Da fehlten nämlich sowohl Torwart Petr Stochl als auch Linksaußen Fredrik Petersen. Der Tscheche musste wegen Krankheit passen, der Schwede fällt etwa zwei Wochen wegen einer Verletzung am rechten Daumen aus, die er im Pokalfinale gegen Flensburg erlitten hat.

Überraschend stand Sven-Sören Christophersen wieder im Kader, der Rückraumspieler kam allerdings gegen den VfL noch nicht zum Einsatz. Nach monatelanger Zwangspause (Knie) scheint die Rückkehr des Nationalspielers absehbar zu sein.