Handball

Glückliche Füchse tanzen weiter auf drei Hochzeiten

Das Berliner Handballteam ist noch im nationalen Pokal, im europäischen EHF-Cup und in der Bundesliga aussichtsreich vertreten. Jetzt hofft der Klub auf etwas Losglück.

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments

Silvio Heinevetter kam mit großer Verspätung in die Kabine zurück. Die Fans der Füchse Berlin wollten den Torhüter gar nicht loslassen. Hier noch ein Autogramm, dort noch ein Foto – Heinevetter konnte sich gar nicht retten. So ist das eben, wenn man mit überragenden Paraden zum Matchwinner wird.

16 Minuten vor Ende war Heinevetter im Spiel gegen die MT Melsungen für Petr Stochl eingewechselt worden, und der Nationaltorwart hatte dann entscheidenden Anteil daran, dass die Berliner am Ende doch noch zu einem 24:22 gegen die starken Hessen kamen.

Melsungens Rechtsaußen, der ehemalige Füchse-Spieler Johannes Sellin, meinte frustriert: „Heinevetter hat uns mit seinen Paraden das Genick gebrochen.“ Heinevetter selbst brachte es in vier Worten auf den Punkt: „Wir sind verdammt glücklich.“

Ein Gefühlszustand, der sich auf den Erfolg am Sonntagnachmittag bezog, der aber auch für das große Ganze gilt. Die Füchse stehen Mitte Dezember hervorragend da: In der Liga liegen sie auf dem dritten Platz, im deutschen Pokal haben sie das Viertelfinale erreicht, zudem ist der Klub noch im EHF-Cup dabei. Das Endturnier dieses europäischen Wettbewerbs (17./18. Mai 2014) haben die Berliner in die Schmeling-Halle geholt.

Hohe Erwartungshaltung

Kein Wunder, dass auch Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning nach dem Sieg gegen Melsungen ein Dauergrinsen aufsetzte. Unterbrochen nur kurz durch die Frage eines Fernseh-Reporters, ob man sich jetzt für die Niederlage eine Woche zuvor gegen Meister THW Kiel (29:33) rehabilitiert habe. Da verlor Hanning dann doch fast die Contenance, verärgert über die hohe Erwartungshaltung, die seiner erfolgreichen Mannschaft entgegenschlägt.

Nein, mit Kiel sieht man sich wirklich nicht auf Augenhöhe. Aber die Berliner sind dennoch mittendrin unter den Top fünf der Liga. Flensburg und Kiel stehen in der Tabelle momentan vor dem Team von Trainer Dagur Sigurdsson, der HSV Handball und die Rhein-Neckar Löwen rangieren hinter Berlin.

Verbandspräsident Bauer lost am Dienstag das Viertelfinale aus

„Aber ein bisschen träumen können wir schon“, sagte Hanning. Wenn eines der anderen vier Teams schwächeln sollte, „sind wir da“, meinte er mit Blick auf eine mögliche Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison. Nach dem Sieg gegen Melsungen ist man jedenfalls nun schon sieben Punkte von Platz sechs entfernt, die erneute Teilnahme zumindest am EHF-Cup in der kommenden Spielzeit scheint schon so gut wie sicher zu sein. Wieder in Europa zu spielen, ist Füchse-Pflicht.

„Mein Gefühl sagt mir, dass wir in dieser Saison noch einmal gegen Melsungen spielen werden“, sagte Sigurdsson. Im Pokal ist das möglich. Am Dienstagabend, in der Halbzeitpause der Partie zwischen Göppingen und Flensburg, wird Verbandspräsident Bernhard Bauer die Lose für das Viertelfinale (Termin ist der 26. Februar 2014) ziehen. Noch ein Sieg – und die Füchse stünden zum ersten Mal im Final Four. Mögliche Gegner neben Melsungen sind die Erstligisten Flensburg, die Rhein-Neckar Löwen, Lemgo, Wetzlar, Göppingen sowie Zweitligaklub Bad Schwartau.