Als Pavel Horak traf, bebte die Arena. 10.000 Zuschauer in der Schmeling-Halle brüllten ihre Freude und ihre Erleichterung heraus. Zwar waren noch 45 Sekunden zu spielen, aber es konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Dass Silvio Heinevetter, der überragende Torhüter der Füchse Berlin, dann noch einen Wurf der Melsunger hielt, versetzte alle vollends in Verzückung.
24:22 (12:10) hieß es am Ende zwischen den Berlinern Handballern und der MT Melsungen. „In den letzten Minuten war es ein Nervenspiel“, meinte Füchse-Spieler Sven-Sören Christophersen.
Füchse haben Probleme im Angriff
Nie konnten sich die Berliner gegen die Hessen entscheidend absetzen. In der Deckung spielten sie zwar stark, „aber im Angriff haben wir Probleme gehabt“, gab Horak zu. „Die Abwehrreihen und die Torhüter haben heute am meisten geglänzt“, resümierte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Sein Kollege Michael Roth begründete den Berliner Sieg so: „In den entscheidenden Phasen konnten die Füchse ihre Erfahrung in die Waagschale werfen.“
Sie sind als Dritter nun „wieder auf einem sehr guten Weg in Richtung Europa“, wie es Geschäftsführer Bob Hanning ausdrückte. Der Abstand zu den sechstplatzierten Melsungern beträgt sieben Punkte. Die ersten fünf Teams der Liga werden Deutschland kommende Saison in europäischen Wettbewerben vertreten.
Bereits vor dem Aufwärmen musste Johannes Sellin jungen Füchse-Fans Autogramme geben. Sechs Jahre lang hatte der 22-Jährige für Berlin gespielt, war hier zum Nationalspieler gereift, aber im Sommer nach Melsungen gewechselt. Bei der Vorstellung wurde er mit viel Beifall bedacht. Dann war es vorbei mit den Freundlichkeiten in einem Spiel, bei dem Kampf vor spielerischer Brillanz ging.
Melsungen geht rustikal zu Werke
Die Melsunger spielten ihre Angriffe lange aus, wollten damit das Tempo aus dem Berliner Spiel nehmen. Was oft gelang. Dass die in der Deckung aufmerksamen Berliner zur Pause nur mit zwei Toren Differenz (12:10) in Führung lagen, hatten sie allerdings auch ihrer Abschlussschwäche zuzuschreiben. Beispielhaft war, dass Bartlomiej Jaszka (wie Horak kam der Pole auf vier Tore) mit der Pausensirene freistehend nur an den Außenpfosten schoss.
Melsungen ging rustikal zu Werke: Die Müller-Zwillinge Michael und Philipp wurden schnell zu Buhmännern der Berliner Fans. Vier Tore (9:5/17. Minute) Unterschied betrug die höchste Füchse-Führung. Ausbauen konnte das Team von Sigurdsson diesen Vorsprung nicht. Kreisläufer Jesper Nielsen und Rückraumschütze Konstantin Igropulo kamen offensiv nicht zur Geltung.
Dem kurzen Hoch (13:10) folgte Ernüchterung. Ballverluste von Jaszka und Horak und ein vergebener Siebenmeter von Fredrik Petersen erleichterten Melsungen die Arbeit. Ruck, zuck stand es 13:13. Die Zuschauer wurden unruhig. Nach 37 Minuten sah Sigurdsson die Zeit gekommen, Iker Romero einzusetzen. Aber das gute MT-Team spielte weiter auf Augenhöhe, ging nach 43 Minuten 16:15 in Führung. Igropulo scheiterte mit einem Siebenmeter, Mattias Zachrisson vergab freistehend. An Gelegenheiten mangelte es den Berlinern nicht.
Sellin gelingt in 60 Minuten kein Tor
Der nach 45 Minuten für Petr Stochl eingewechselte Torwart Silvio Heinevetter führte sich mit spektakulären Paraden sofort sehr gut ein. „Er hat das Signal gegeben“, meinte Hanning. Auch Romero wurde nun mit drei Toren und cleveren Anspielen zu einem ganz wichtigen Faktor. Aber Melsungen ließ sich nicht abschütteln. Bei 21:21 stand es letztmals unentschieden.
Fabian Wiede in Unterzahl zum 23:21 und Horak zum 24:22 besorgten den Rest. „Wir hatten unsere Chance, haben sie aber nicht genutzt“, meinte Sellin traurig. Für den verlorenen Sohn war die Rückkehr nach Berlin – zumindest auf dem Feld – kein freudiges Erlebnis: Dem Linkshänder gelang in 60 Minuten kein Tor.





