Handball

Berliner Füchse scheitern gegen Meister THW Kiel

Die Füchse Berlin haben das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga gegen Kiel verloren. Das war keine Überraschung. Viel bemerkenswerter war jedoch, wie die Kieler die Partie dominierten.

Die hellbraunen Haare waren noch ein bisschen feucht, der dunkle Anzug saß dafür perfekt. Selten war der Trainer der Füchse Berlin so rasch nach dem Schlusspfiff einer Bundesligapartie geduscht und in feinen Zwirn gehüllt, um dann sogleich in die Analyse einer aufregenden Handball-Partie zu gehen. „Wir hatten in Kiel einen Gegner, der besser ist als wir und gegen uns auch noch überragend gespielt hat, das war aller Ehren wert“, sagte Dagur Sigurdsson. Gäste-Coach Alfred Gislason nahm das Lob für die Darbietung seines Teams mit Freude entgegen und zeigte sich selbst sehr angetan. „Die erste Halbzeit war das Beste, was wir diese Saison gespielt haben“, erklärte der Isländer.

Jaszka und Igropulo wurfstark

Mit der Bewertung der beiden Trainer war die Partie nahezu perfekt umrissen. Kiel agierte im Stile eines Meisters mit erneuten Titelambitionen, die Füchse spielten gut mit, waren aber gegen das souveräne Star-Ensemble am Ende chancenlos. „Dabei haben gar nicht unseren schlechtesten Tag erwischt, aber Kiel war heute einfach zu gut“, räumte Sigurdsson nach der 29:33 (12:18)-Niederlage der Füchse gegen den THW ein. Als beste Werfer bei den Berlinern zeichneten sich Bartlomiej Jaszka und Konstantin Igropulo (je sechs Tore) aus, beim Nordklub stach Marko Vujin (elf Tore, davon zwei Siebenmeter) heraus.

Der Rahmen war dem Topspiel angemessen. Dank einer Zusatztribüne für 17.000 Euro hatten erstmals 10.000 Zuschauer in der Schmeling-Halle Einlass erhalten. Und zu dem Rekordspiel versammelte sich viel Prominenz in der Arena in Prenzlauer Berg. So verfolgte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit das erste Mal ein Spiel der Handball-Füchse live in der Halle. Neben ihm auf der Ehrentribüne nahmen Klaus Böger, der Präsident des Landessportbundes Berlin, sowie der Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Manfred von Richthofen, Platz. Ebenso wie der Bundestrainer der Männer, Martin Heuberger.

Sie sahen, wie der 18-malige Deutsche Meister gleich die Regie übernahm. Angeführt vom Tschechen Filip Jicha kam die Tormaschine des THW ins Rollen, so dass die Füchse von Beginn an einem Rückstand (3:5/6. Minute, 4:7/9. Minute) hinterherlaufen mussten. Im Tor der Füchse hatte Silvio Heinevetter zu Beginn wenig Glück beim Abwehren der Würfe, da hatte es Kiels Schlussmann Johan Sjöstrand ein bisschen leichter. Der Schwede ist eh der größte Glückspilz der Handball-Bundesliga. Vor drei Wochen hatte er 420.000 Euro bei einer Pferdewette gewonnen, dann noch einmal 240.000 Euro. Gegen die Füchse räumte er ebenfalls gut ab. Nach 22 Minuten führten die Kieler bereits mit 13:7, eine Vorentscheidung.

In der Halbzeitpause durfte sich Füchse-Nachwuchsspieler Paul Drux über die Ehrung zum „Talent des Jahres“ freuen. Der Erhard-Wunderlich-Gedächtnispreis wurde dem 18-Jährigen von der Witwe des verstorbenen Jahrhunderthandballers Pia Wunderlich überreicht. „Das ist eine Riesenehre für mich und zeigt mir, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe“, sagte Drux, der 2011 vom VfL Gummersbach nach Berlin gewechselt war. Ab der kommenden Saison spielt Drux dann bei den Profis mit.

Taktische Reizpunkte gesetzt

Nach dem Seitenwechsel griff Dagur Sigurdsson in die Trickkiste. Der Isländer experimentierte mit verschiedenen Abwehrformationen. Mal ließ er seine Mannen eine 6:0-Abwehr spielen, dann wenig später wieder eine offensive Manndeckung. Und zwischendurch nahm er immer wieder mal den Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers heraus. Oder schickte im Angriff zwei Kreisläufer auf das Parkett. „Ich habe taktisch ein bisschen Risiko gespielt“, erklärte Sigurdsson. Aber gegen die glänzend aufgelegten Kieler war an diesem Sonntag nichts zu holen.

Immerhin, die Füchse steckten niemals auf, kamen zum Ende der Partie wieder etwas heran. Auch weil die jungen Deutschen wie Colja Löffler und Fabian Wiede sich einfach mal ein Herz nahmen und mit Verve aufs Tor warfen. Die Wende brachte das freilich nicht mehr. „Wir haben versucht, immer wieder taktische Reizpunkte zu setzen, aber uns hat heute auch das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning, der vor dem Anpfiff seinen Vertrag bei den Füchsen bis 2018 verlängert hatte (siehe Text unten). „Natürlich haben wir von der Sensation geträumt, aber die gibt es nicht jede Woche.“

Um den THW Kiel zu schlagen, braucht es eine besondere Leistung. Zu dieser waren die Füchse am Sonntag vor der Rekordkulisse nicht in der Lage. Manager Hanning war dennoch zufrieden mit seiner Mannschaft. „Das war eine tolle Woche für uns“, sagte der 45-Jährige. „Wir haben uns für die Gruppenphase im EHF-Cup qualifiziert und den Zuschlag für die Ausrichtung des Final Four erhalten. Darauf können wir stolz sein.“