Am Ende blieben nur Wut und Enttäuschung. Die Berliner Fans in der Max-Schmeling-Halle pfiffen die Spieler des HSV Handball am Sonntag gnadenlos aus, die auf dem Parkett Freudentänze vollführten.
Das eigene Team musste erst einmal auf den verdienten Applaus warten nach dem 32:33 (19:16) gegen die Hamburger. Auf dem Weg in die Kabine machte der Berliner Nationalspieler Sven-Sören Christophersen seinem Ärger Luft: „Es ist sehr ärgerlich, dass wieder eine fragwürdige Entscheidung das Spiel zu unseren Ungunsten entschieden hat.“
Bereits bei den Unentschieden in Flensburg und gegen die Rhein-Neckar Löwen fühlten sich die Berliner von umstrittenen Schiedsrichter-Pfiffen in den letzten Sekunden jeweils um einen möglichen Sieg gebracht.
Niederlage sechs Sekunden vor Schluss besiegelt
Beim letzten Angriff von Champions-League-Sieger Hamburg wollte Christophersen ein „klares Stürmerfoul“ gesehen haben, bevor der Pass den Hamburger Kreisläufer Andreas Nilsson erreichte, der gefoult wurde, was korrekterweise Siebenmeter gab.
Mit seinem insgesamt zwölften Tor besiegelte Hans Lindberg sechs Sekunden vor der Schlusssirene die Berliner Niederlage. Wieder Hamburg. Bereits im vergangenen August waren die Füchse am HSV Handball in der Qualifikation zur Champions League knapp (30:30, 26:27) gescheitert.
„Wir sind sehr enttäuscht, aber die Jungs haben alles gegeben“, meinte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson äußerlich sehr gefasst. Doch wer den Isländer kennt, der von sich sagt, sehr schlecht verlieren zu können, kann sich in etwa vorstellen, wie es in ihm aussah nach der zweiten Saisonniederlage.
Wie ein Derwisch war er teilweise an der Seitenlinie unterwegs, immer wieder echauffierte er sich über Entscheidungen der Unparteiischen, die überzogen gegen die Berliner sieben und gegen Hamburg sechs Zeitstrafen verhängten.
Petersen erzielt acht Tore für Berlin
„Ich sage nicht, dass die Schiedsrichter schlecht waren“, meinte Fredrik Petersen, mit acht Toren bester Werfer bei den Füchsen. Der Schwede, in der vergangenen Saison noch in Hamburg unter Vertrag, meinte nur: „Bei fast allen 50:50-Entscheidungen war der HSV im Vorteil.“
Doch richtigerweise stellte er fest: „Wir müssen uns auch über unsere Fehler ärgern.“ Da stimmte auch Christophersen zu: „Wir haben uns zu schnell die drei Tore Vorsprung nach der Halbzeit wegnehmen lassen.“
Mit einem 19:16 waren die Berliner in die Kabine gegangen. Dabei gelang es den Füchsen sogar, eine doppelte Unterzahl einigermaßen heil, mit nur einem Tor Rückstand, zu überstehen. Immer wieder fanden sie in der Offensive durch Konstantin Igropulo (6) und Pavel Horak (5) die richtigen Lösungen.
In der Abwehr ließen sie den Hamburgern wenig Raum. „Wir haben in der ersten Hälfte zu vorsichtig agiert“, kritisierte HSV-Trainer Martin Schwalb. Doch diese Zurückhaltung legten die Gäste nach dem Wechsel ab. Nach knapp sechs Minuten war aus dem 19:16 der Füchse ein 20:21 geworden.
Fast im Minutentakt wechselte die Führung
Das Spiel wurde immer härter, fast im Minutentakt wechselte fortan die Führung. In der 52. Minute führten die Berliner 29:27, drei Minuten vor Schluss lag Berlin mit 30:32 zurück. Dazwischen war auch noch Petersen mit einem Siebenmeter am Hamburger Torwart Johannes Bitter gescheitert.
Mit jeweils einem siebten Feldspieler anstelle des Torhüters schafften die Füchse unter dem Jubel der Berliner Fans in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Arena, zwei Angriffe erfolgreich abzuschließen – 32:32. Doch dann kam der Showdown mit dem traurigen Ende für die Füchse.
Losglück im deutschen Pokal
Vor dem Anwurf hatte es eine freudige Überraschung für die Füchse gegeben. Mit dem Berliner Diskus-Olympiasieger Robert Harting als Glücksfee wurde das Achtelfinale um den deutschen Pokal ausgelost.
In den vergangenen Jahren hatten die Berliner stets schwere Gegner erwischt und waren in dem Wettbewerb – zumeist auswärts – früh gescheitert. Jetzt stehen die Chancen für das Erreichen des Viertelfinales gut, denn Harting loste den Füchsen Eintracht Hildesheim zu, eine lösbare Aufgabe.
Die Partie beim Zweitligisten findet voraussichtlich am 11. Dezember statt. Ein weiterer Trost: Da die Hamburger in der zweiten Runde in eigener Halle nach Verlängerung gegen Frisch Auf Göppingen ausgeschieden sind, kann es in dieser Saison zumindest im Pokal zu keinem Aufeinandertreffen mit dem HSV mehr kommen.
„Der Harting bekommt bei mir jetzt einen Dauerauftrag als Glücksfee“, freute sich Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning über das Los. Der Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes machte sich sofort nach Spielende in Richtung Doha auf, wo am Montag über die WM-Vergabe für 2019 entschieden wird.
Im Pokal gegen Hildesheim
Das Pokallos war zumindest ein erfreulicher Aspekt an diesem Sonntag, der die Füchse in der Tabelle von Rang zwei auf Platz fünf abrutschen ließ. Doch die Abstände der hinter den auf Tabellenführer und Titelverteidiger Kiel (20:2 Punkte) folgenden Klubs Rhein-Neckar Löwen, Flensburg (beide 17:5) und HSV (16:4) zu den Berlinern (16:6) sind noch gering. „Über den Saisonverlauf sagt dieses Ergebnis noch überhaupt nichts aus“, meinte Schwalb. Und Christophersen versprach, man werde sich durch diesen Rückschlag nicht beirren lassen: „Wir werden weiter Gas geben.“





