Rache? Revanche? Offene Rechnung? „Nein, nein“, sagt Dagur Sigurdsson, der Trainer der Füchse Berlin. Nur keine großen Emotionen zeigen. „Ich sehe das ganz neutral, es ist einfach nur ein Spiel.“ Aber was für eins: Berlin, der Tabellenzweite (16:4 Punkte) der Handball-Bundesliga, trifft am Sonntag (17.15 Uhr, Schmeling-Halle, Sport1) auf den fünftplatzierten HSV Handball (14:4). Die Begegnung ist fast ausverkauft.
Füchse gegen HSV – da war doch was. Im August, noch vor Liga-Beginn, standen sich die beiden in zwei Qualifikationsspielen für die Champions League gegenüber. In der Schmeling-Halle hieß es 30:30, in Hamburg verloren die Füchse unglücklich 26:27. Die Hamburger spielen daher in der Champions League, den Füchsen blieb die Teilnahme am EHF-Cup, der Ende November startet. Dann müssen sich die Berliner mit dem weißrussischen Klub aus Brest auseinandersetzen.
Fuchs Petersen spielt gegen seinen ehemaligen Klub
Selbst Linksaußen Fredrik Petersen will nichts davon wissen, dass das Spiel gegen den HSV für ihn etwas Besonderes sei, obwohl er in der vergangenen Saison noch das Hamburger Trikot trug: „Ich bin seit vier Monaten in Berlin und das ist jetzt meine Heimat“, sagt der schwedische Nationalspieler. Für Füchse-Rückraumspieler Konstantin Igropulo steht allerdings fest: „Für den HSV ist das Spiel nach dem Ausscheiden im Pokal sicher noch wichtiger als für uns.“ Am vergangenen Mittwoch schieden die Hamburger durch ein 31:33 nach Verlängerung überraschend in der zweiten Pokalrunde in eigener Halle gegen Frisch Auf Göppingen aus. Doch Igropulo sagt in Hinblick auf den Sonntag auch: „Wir haben auf dieses Spiel gewartet.“
Also doch Revanchegelüste? „Das ist längst vergessen“, meint Berlins Rückraumschütze Pavel Horak. Auch Geschäftsführer Bob Hanning verneint. „Das mit den beiden Qualifikationsspielen war damals ein fairer Deal.“ Der nur einen Makel hatte: „Er ist zu unseren Lasten gegangen.“ Kein Blick zurück im Zorn, sondern mit Freude nach vorn. „Bundesliga ist sowieso ein vollkommen anderes Thema.“
Die Berliner sind seit neun Spielen ungeschlagen
Der Berliner gehen selbstbewusst ins Spitzenspiel. „Wenn wir es schaffen, auf unserem Top-Niveau zu spielen, werden wir das Spiel auch gewinnen“, sagt Petersen. „So wie sich das Team präsentiert hat, sind wir nicht chancenlos“, meint Hanning mit Blick auf zuletzt neun Ligapartien der Berliner ohne Niederlage. Er sei „selbst überrascht“, wie erfolgreich die neu formierte Mannschaft bisher gespielt hat.
Mit nur zwei Punkten Abstand hinter Tabellenführer und Titelverteidiger THW Kiel liegen die Berliner in Lauerstellung. „Ein Sieg über die Hamburger wäre ein Meilenstein für einen europäischen Startplatz in der kommenden Saison“, sagt Hanning. Wieder in Europa dabei zu sein, das haben sich die Berliner als Saisonziel gesetzt.
Füchse haben wieder einen Platz in Europa im Visier
Dass die Füchse 2013/2014 als starke Einheit auftreten, sieht Hanning als besonderen Vorteil. „Aber man darf nicht vergessen, dass die Hamburger 16 Schwergewichte im Kader haben.“ Da kann es schon mal einem Topspieler wie Blazenko Lackovic – zum Beispiel gegen Göppingen – passieren, dass er sich gar nicht umzuziehen braucht, weil er nicht zu den 14 gehört, die auf dem Spielberichtsbogen stehen. Solche „Probleme“ haben die Füchse nicht.
Genutzt hat dem HSV die Doppel-, teils Dreifachbesetzung auf manchen Positionen allerdings gegen die Göppinger nichts. Es ist ein herber Rückschlag für den Champions-League-Sieger, der mit einem Etat von etwa neun Millionen Euro (Füchse gut fünf Millionen) am Start ist. Zum dritten Mal in den vergangenen zehn Jahren, seit das Final Four in Hamburg ausgetragen wird, ist das Heimteam in der O2 World (13./14. April 2014) nicht dabei. „Das tut schon weh“, erklärte Geschäftsführer Christoph Wendt.
Hamburger Mannschaft steht unter Druck
Dabei hatten die Hamburger gerade – zumindest sportlich – eine sehr gute Phase erwischt, vor dem Pokalaus hatten sie elf Siege hintereinander gefeiert. Abseits des Feldes dürfte das Scheitern eher für weitere Unruhe sorgen: Die Zuschauerzahlen gehen zurück – das jüngst aufgetauchte sechsstellige Defizit im Saisonetat wurde von Mehrheitseigner Andreas Rudolph erst gerade ausgeglichen. Eine Niederlage in Berlin würde die Stimmung auch nicht gerade heben. Dem Hamburger Torsten Jansen ist bewusst: „Wir müssen jetzt gewinnen.“





