Handball

Der Erfolg der Füchse setzt sich aus vielen Teilchen zusammen

Die Berliner Füchse gehen auf große Reise und müssen in der 3. Runde des EHF-Cups beim weißrussischen Team aus Brest antreten. Am Mittwoch steht erst einmal das Pokalspiel bei der TSG Friesenheim an.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Es sind 683 Kilometer Luftlinie, auf dem Landweg beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Brest sogar 783 Kilometer. Wobei es sich nicht um die Stadt in der Bretagne handelt, sondern um Brest in Weißrussland. Dort ist der Handballklub HC Meshkov beheimatet – und auf dieses Team treffen die Füchse Berlin in der dritten Runde des EHF-Cups. Geschäftsführer Bob Hanning musste nach der Auslosung, die in Wien stattfand, erst einmal tief durchatmen: „Unser Losglück ist uns treu geblieben“, meinte er voller Ironie. „Brest ist eine der schwierigsten Mannschaften und ist mit einer der schwierigsten Anreisen in dieser Runde verbunden.“

Sportlich ernst zu nehmen ist der Gegner allemal. Aber die Füchse haben hohe Ziele: Sie möchten das Final Four dieses Wettbewerbs (17./18. Mai 2014) nach Berlin holen und dort nach dem Pokal greifen, da darf Brest nur Durchgangsstation sein. Gegen die Weißrussen wird zuerst in Berlin gespielt, der Termin soll zwischen dem 20. und 24. November liegen, das Rückspiel findet eine Woche später in Brest statt. Noch müssen sich die Klubs einigen. Der Sieger hat die Gruppenphase erreicht, die allerdings erst Anfang Februar 2014 beginnt.

Ohne Champions League mehr Zeit zum Trainieren

Doch das liegt alles in der Zukunft. Aktuell sind die Berliner erst einmal am Mittwochabend im deutschen Pokal aktiv, beim Zweitligisten TSG Ludwigshafen-Friesenheim ist ein Sieg Pflicht. Ein Spiel unter der Woche hatte für die Füchse in dieser Saison bisher Seltenheitswert. Während sich Kiel, Flensburg, Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen schon seit einiger Zeit mit der Doppelbelastung Bundesliga und Champions League herumschlagen müssen, konnten sich die Berliner in aller Ruhe und gezielt auf ihre Ligaspiele vorbereiten.

„Natürlich hätte ich lieber Champions League gespielt“, sagt Trainer Dagur Sigurdsson. „Aber es tut uns sehr gut, dass wir soviel Zeit fürs Training haben.“ So hat etwas Schlechtes, nämlich das unglückliche Verpassen der Königsklasse gegen den HSV, doch sein Gutes. „Für das Zusammenwachsen der neuen Mannschaft und für die Weiterentwicklung gerade der jungen Spieler ist es ein riesiger Vorteil, die vielen Trainingseinheiten zu haben.“

Am Sonntag Spitzenspiel gegen den HSV Handball

Dieser Freiraum, den die anderen von Spiel zu Spiel hetzenden Topteams nicht haben, ist einer der Hauptgründe dafür, dass es bei den Berlinern bisher in der Bundesliga so gut läuft. Hanning scheint es selbst kaum glauben zu können: „Unglaublich, wir sind Zweiter!“ Die Verantwortlichen im Klub waren sich nicht wirklich sicher, dass der große Umbruch im Sommer so problemlos geschafft würde. „Es ist einfach großartig, was das Team geschafft hat“, zieht Hanning ein Zwischenfazit. Am Sonntag (17.15 Uhr) kommt der HSV in die Max-Schmeling-Halle, mit einem Sieg könnten die Berliner ihre Position weiter festigen.

Linkshänder Konstantin Igropulo ist sich sicher: „Wir sind noch stärker als im letzten Jahr.“ Die vergangene Saison schlossen die Füchse als Vierter ab.

„Es sind viele Kleinigkeiten, die mir gut gefallen“, sagt Sigurdsson auf das Erfolgsgeheimnis der Füchse 2013/2014 angesprochen. Die neuen Spieler passten gut ins Team, die Jungen seien auf einem guten Weg. Hanning sieht weitere Faktoren für den hervorragenden Saisonverlauf. Das Duo Sigurdsson und Volker Zerbe, der neue Sportkoordinator, sei „ein absoluter Volltreffer“. Ebenso wie Teambetreuer Thomas Otto, mit dem sich „das Wohlfühlklima potenziert hat“.

„Füchse Town“ ist zu einem ganz wichtigen Ort geworden

Wichtig ist auch das neue Heim des Teams – „Füchse Town“ auf dem Areal des Sportforums in Hohenschönhausen. Trainingshalle, Kraftraum, Physiotherapie, alles ist vorhanden. Die Nachwuchsspieler gehen dort wie die Profis ein und aus. „Dieser Ort spielt jetzt eine veritable Rolle für uns“, so Hanning. Dies alles sind Puzzlesteine, die zusammen ein großes Ganzes ergeben haben.

Aber letztlich wird fast alles an den Ergebnissen der Bundesliga-Mannschaft gemessen. Sigurdsson wird auch weiterhin die vielen Trainingseinheiten nutzen. Und wenn es neben der Liga im EHF-Cup in die stressige Gruppenphase gehen wird, ist er sich sicher: „Dann werden wir so fit sein, dass uns diese Belastung nichts mehr ausmacht.“