Handball

Füchse sehen sich auf Augenhöhe mit der Bundesligaspitze

Das Berliner Handballteam kann finanziell mit den Großen nicht mithalten. Dass der Kader daher relativ dünn ist, hat sich bisher noch nicht negativ bemerkbar gemacht. Die Nachwuchsarbeit lohnt sich.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Natürlich war auch Fabian Wiede enttäuscht. „Das war ein verlorener Punkt für uns“, meinte der Linkshänder der Füchse Berlin nach dem 21:21 gegen die Rhein-Neckar Löwen. Aber stolz konnte der 19-Jährige dennoch sein. Denn die Leistung des jungen Mannes zeigte deutlich: Er ist auch auf dem hohem Niveau in der Handball-Bundesliga angekommen. Wiede bestätigte damit, was bereits eine Woche zuvor beim Remis in Flensburg zu beobachten war.

„Mehr als zufrieden“ sei er mit den jungen Spielern, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning mit Blick auf Wiede und Kreisläufer Jonas Thümmler, 20, die er beide in den Jugendmannschaften trainiert hat. Wobei Wiede bereits weiter ist als Thümmler, der bisher in Spielen gegen Topteams kaum eingesetzt wurde. „Aber Jonas wird auch noch kommen“, ist sich Hanning sicher. Kontinuierlich werden Spieler aus Hannings Talentschuppen ins Profiteam eingebaut; als Nächster wird in der kommenden Saison Paul Drux, 18, aufrücken.

Die Füchse setzen stark auf Nachwuchsarbeit

Die finanziellen Mittel der Füchse sind beschränkt, vom Etat her kann man nicht mit Teams wie Kiel, Hamburg, Flensburg und auch den Rhein-Neckar Löwen mithalten. Also muss man sich selbst wettbewerbsfähige Spieler heranziehen. „Das ist unsere einzige Chance, um zu überleben“, sagt Hanning ziemlich martialisch. Den Füchsen bliebe in Sachen Nachwuchsarbeit und Integrieren von jungen Spielern ins Profiteam nur eins übrig: „Da müssen wir besser sein als die anderen.“

Vor allem eine Erkenntnis blieb nach dem Remis gegen die Rhein-Neckar Löwen, über das sich deren Trainer Gudmundur Gudmundsson „sehr, sehr glücklich“ zeigte: Die Berliner können mit Spitzenteams mithalten. Hanning: „Man hat gesehen, was alles möglich ist.“ Jeweils unentschieden gegen Flensburg und die Löwen, in der Champions-League-Qualifikation gegen den HSV Handball einmal remis und einmal mit einem Treffer Differenz verloren: „Auf Augenhöhe“ sei man mit diesen Titelaspiranten, wenn es auf dem Feld um Tore und Punkte gehe, sagt Füchse-Coach Dagur Sigurdsson. Aber auch er fügt gleich an, dass man allerdings finanziell nicht mithalten könne.

Die Leistungsträger müssen lange spielen

Konsequenz aus der unterschiedlichen finanziellen Potenz ist: Im Vergleich zu den Topmannschaften sind die Berliner nicht tief genug besetzt. Die Rhein-Neckar Löwen reisten mit 15 Nationalspielern an. Bei den Füchsen stehen die Leistungsträger sehr lange auf dem Feld. So fehlte beispielsweise Kreisläufer Jesper Nielsen, der auch ein ganz wichtiger Faktor in der Abwehr ist, (noch) Entlastung durch Nachwuchsmann Thümmler.

Als zu dünn sieht Hanning den Kader aber nicht. „Wenn alle gesund sind, ist das kein Problem. Wenn jedoch mal ein Leistungsträger verletzt ausfallen sollte, dann wird es schwierig, das zu kompensieren.“

Es folgen jetzt schwere Auswärtsspiele

Wohin geht der Weg der Füchse 2013/2014? Das Ziel, nach der Saison wieder einen Platz im europäischen Wettbewerb zu schaffen, hält Hanning für absolut realisierbar. Nach den Partien gegen die Liga-Elite sei es jetzt besonders wichtig, dass man auch die schweren Bewährungsproben in Hannover (13.10.) und in Lemgo (20.10.) erfolgreich bestehe. Danach steht das Heimspiel gegen Hamburg (27.10.) an. „Davor“, sagt Hanning, „bin ich bereit zu sagen, wo der Weg hingeht.“