Es war Dagur Sigurdsson, dem Trainer der Handball-Füchse, anzumerken, dass er nicht so richtig wusste, was er von dem großen Umbruch in seiner Mannschaft halten sollte. Vor drei Monaten, zu Beginn der Saisonvorbereitung, sprach der Isländer davon, wie „gespannt“ er sei. Schließlich hatten sechs Etablierte – teils freiwillig, teils unfreiwillig – das Berliner Team verlassen. Vier ausländische Profis und dazu zwei Nachwuchstalente aus der A-Jugend sollten die Lücken füllen.
Inzwischen sagt Sigurdsson über den neu zusammengestellten Kader: „Die Mischung ist gut gelungen.“ Und Geschäftsführer Bob Hanning stellt beim Blick auf das Team nicht ohne Stolz fest: „Wir haben alles richtig gemacht.“
Topspiel gegen die RN Löwen
Und weil das so ist, können die Verantwortlichen beim Bundesligisten nach sieben Spieltagen ein positives Zwischenfazit ziehen. In der Champions-League-Qualifikation zwar unglücklich am HSV Handball gescheitert und mit einer Niederlage in Melsungen in die Liga gestartet, stehen die Füchse jetzt als Tabellendritter (11:3 Punkte) sehr gut da.
Mit einem Sieg am Sonntag (15 Uhr, Schmeling-Halle, Sport1) im Spitzenspiel gegen die zweitplatzierten Rhein-Neckar Löwen (12:2) könnten sich die Füchse sogar zum Verfolger Nummer eins von Meister Kiel aufschwingen.
Unter den Zugängen sind auch zwei Talente
„Wenn unser Mittelblock gemeinsam mit den Torhütern wieder funktioniert, haben wir gute Chancen“, sagt Rückraumspieler Pavel Horak. Eine sichere Abwehr als Schlüssel zum Erfolg, darauf konnten sich die Berliner wie die Löwen bisher verlassen. Mit 167 (Löwen) und 170 (Füchse) Gegentreffern haben beide Teams bislang die wenigsten Tore in der Liga kassiert.
Der Tscheche Horak ist einer aus dem neuen Sextett, zu dem die Schweden Jesper Nielsen, Mattias Zachrisson und Fredrik Petersen sowie die Nachwuchsspieler Fabian Wiede, 19, und Jonas Thümmler, 20, gehören. Ein solcher Umbruch, wie ihn die Füchse vollzogen haben, birgt natürlich auch Risiko. Hanning spricht lieber von der sich daraus ergebenden Chance und von einem „begrenzten Risiko“. Wiede und Thümmler habe er „schließlich fünf Jahre lang ausgebildet. Ich weiß, was sie können“, sagt der Geschäftsführer.
Nicht nur spielerische Fähigkeiten sind gefragt
Was von ihnen zu erwarten sein würde, wusste man auch von Horak, der aus Göppingen kam, und von Petersen, der in der Vorsaison in Hamburg spielte. Nielsen (von IK Sävehof) und Zachrisson (Eskilstuna Guif) waren zwar Größen in der schwedischen Liga – aber wie würden sie sich in der besten Liga der Welt anstellen? Wie würden sich die Neuen überhaupt ins ihnen unbekannte Umfeld integrieren? Sigurdsson gibt zufrieden Auskunft: „Die Integrationsphase ist beendet. Man merkt nicht mehr, wer neu ist und wer nicht.“
Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor und Garant dafür, dass die Füchse auch in dieser Saison ihr Ziel, sich am Ende wieder für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, erreichen können. „Was man von der Mannschaft auf dem Feld sieht, so tickt sie auch“, sagt Sigurdsson. „Sie ist sehr harmonisch und hungrig.“
Die Verantwortlichen hatten das richtige Gefühl
Wobei die Füchse bei ihren Neuen nicht nur Wert auf die handballerischen Fähigkeiten gelegt haben. Lange Gespräche wurden mit den potenziellen Zugängen geführt, um zu sehen, ob der Profi auch charakterlich zu den Füchsen passt. „Man entwickelt da ein Gefühl dafür“, sagt Hanning über die Personal-Akquise. Ihr Gefühl scheint Hanning und Sigurdsson nicht getrogen zu haben.





