So sehen Verlierer aus. Mit hängenden Schultern und enttäuschten Blicken schlichen die Handballprofis der Füchse Berlin am Sonntag vom Feld. Rückraumspieler Pavel Horak sprach aus, was wohl alle dachten: „Das ist eine gefühlte Niederlage.“ Gefühlt vielleicht, aber nicht real. Denn die Füchse hatten sich 21:21 (13:10) von den Rhein-Neckar Löwen getrennt. Damit bleibt die Reihenfolge hinter Meister Kiel (16:0 Punkte) bestehen: Die Löwen sind Zweiter (13:3) vor den Füchsen (12:4).

Während die Gäste auf dem Parkett Ringelreihen tanzten, versuchten die Berliner, Erklärungen zu finden, wie es dazu hatte kommen können. Denn der Ausgleich durch Patrick Groetzki fiel in der letzten Sekunde. Stand der Schütze dabei schon im Wurfkreis? Ja, er stand. Aber dies änderte nichts am Ergebnis. „Wir haben mit eigenen Fehlern den Löwen geholfen“, stellte Horak zu Recht fest.

Überragende erste Halbzeit

So blieb das Gefühl, „sehr, sehr enttäuscht“ zu sein, wie es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson ausdrückte. „Wir hätten den Vorsprung halten müssen“, meinte Sven-Sören Christophersen. Denn mit bis zu fünf Toren Differenz lagen die Berliner in Front. In einer sehr starken ersten Halbzeit stand es 9:4, später 12:7 und 13:8. Aber schon in dieser Phase gingen die Berliner schlampig mit guten Chancen um.

Dass die Rhein-Neckar Löwen ein absolutes Spitzenteam sind, zeigten sie nach dem Wechsel, als sie es den Berlinern mit ihrer sehr offensiven Abwehrarbeit schwer machten. Lediglich acht Treffer gelangen den Füchsen in den zweiten 30 Minuten. Aber das Team von Sigurdsson blieb auf Augenhöhe. Vor allem auf die Abwehr mit dem starken Silvio Heinevetter im Tor war Verlass.

Insgesamt nur 42 Tore zeigen deutlich, dass sich in der ausverkauften Schmeling-Halle vor 9000 Zuschauern die beiden Teams der Bundesliga gegenüberstanden, die bisher am wenigsten Gegentreffer kassiert haben. In der Offensive war es vor allem Bartlomiej Jaszka (mit sieben Toren Berlins bester Werfer), der die Lücken fand. „In der ersten Halbzeit haben wir ihn überhaupt nicht in den Griff bekommen“, erklärte Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen, der mit sechs Toren in seinem Team der Erfolgreichste war.

Nach dem Wechsel schmolz der Vorsprung langsam dahin. Die Berliner trafen schlechte Wurfentscheidungen. Es war auch nicht hilfreich, dass Konstantin Igropulo einen schlechten Tag erwischt hatte, in der Offensive so gut wie kein Faktor war und keinen Treffer erzielte. Da machte der 19-jährige Nachwuchsmann Fabian Wiede seine Sache schon viel besser. „Schade, dass wir in der zweiten Hälfte nachgelassen haben“, meinte Wiede, der ein Tor erzielte.

Aber in Person von Wiede zeigte sich auch ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Teams. Während die Gäste aus einem Reservoir von gestandenen Nationalspielern unaufhörlich schöpfen konnten, kam bei Berlin ein junger Mann zum Einsatz, der in der vergangenen Saison noch in der A-Jugend aktiv war.

Die Partie war voller Hektik. „Keiner hatte das Spiel im Griff, wir nicht, die Füchse nicht – und die Schiedsrichter auch nicht“, sagte Löwen-Manager Thorsten Storm. Wobei sich die Berliner mehr aus dem Konzept bringen ließen als die Löwen, der Dritte der Vorsaison und Champions-League-Teilnehmer. Nach 40 Minuten kassierte Sigurdsson wegen Meckerns eine zweiminütige Zeitstrafe. Die Füchse mussten mit einem Mann weniger auskommen. In dieser Zeit wurde aus dem 16:14 ein 16:16. Zum ersten Mal nach dem 1:1 hatten die Löwen ausgleichen können. „Die zwei Minuten haben dem Team geschadet“, gab der Coach ehrlich zu.

Aber die Füchse steckten auch diesen Rückstand weg. Petr Stochl hatte in der 44. Minute seinen großen Auftritt. Er löste kurz Heinevetter im Tor ab – und hielt den Siebenmeter-Heber von Uwe Gensheimer. Das schien den Berlinern erneut einen Schub zu geben. Noch einmal setzten sie sich – natürlich durch Jaszka – mit zwei Toren Differenz ab (18:16). Aber wieder glichen die Löwen aus. 36 Sekunden vor Ende gelang Horak das 21:20. Die Sekunden verrannen, der Sieg war ganz nah. Doch in Unterzahl (Horak hatte noch eine Zeitstrafe kassiert) schlug es dann eben doch noch einmal im Kasten von Heinevetter ein, der sich über die Fehlentscheidung bei diesem Wurf ärgerte: „Schwachsinn.“

Nur Hanning ist zufrieden

Für die Berliner war es ein Déjà-vu-Erlebnis. Sigurdsson bezeichnete es als „ähnliches Gefühl wie vor einer Woche“. Da hatten die Füchse beim 26:26 beim Titelkandidaten SG Flensburg-Handewitt den Sieg auch schon vor Augen, kassierten den Ausgleich und trafen selbst in der Schlusssekunde durch Horak nur den Pfosten. Wobei der Aktion eine klare Flensburger Abwehraktion durch den Kreis vorausgegangen war, was eigentlich zu einem Siebenmeter hätte führen müssen. „50 Prozent unserer Minuspunkte haben wir durch zwei Entscheidungen in der Schlusssekunde bekommen“, ärgerte sich Sigurdsson. „Damit können wir nicht zufrieden sein.“

Als Einziger auf Berliner Seite vertrat Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning eine andere Meinung. Er sah nicht den Augenblick, sondern das große Ganze: „Bei mir überwiegt die Zufriedenheit.“ Jeweils ein Punkt gegen die Spitzenteams Flensburg und Rhein-Neckar Löwen: „Es war nicht zu erwarten, dass sich unsere Mannschaft so schnell in diese gute Richtung entwickelt.“