Der Flensburger Anders Eggert ist ein Siebenmeter-Spezialist. In der vergangenen Spielzeit war der dänische Handballprofi in Diensten der SG Flensburg-Handewitt nicht nur Zweiter der Torschützenliste, niemand in der Bundesliga verwandelte mehr Strafwürfe als er, nämlich 103.

Aber gegen Petr Stochl klappte es einmal nicht. Der Torhüter der Füchse hielt am Sonntag nicht nur spektakulär, auch den Nachwurf des völlig frei stehenden Eggert meisterte er. Der Tscheche im Berliner Tor zeigte wieder einmal seine Klasse. Und er hatte seinen Anteil daran, dass sich die Füchse in Flensburg, bei einem der Titelfavoriten, ein 26:26 erkämpften.

Petr Stochl ist da, wenn er gebraucht wird. Er ist einer, den es nicht in den Vordergrund drängt. Auch deshalb funktioniert das Berliner Torhüter-Duo mit dem – zumindest auf dem Parkett – eher extrovertierten Silvio Heinevetter und ihm so perfekt.

Sie puschen und unterstützen sich gegenseitig. Immer wieder gibt es nach gelungenen Paraden Blickkontakt und Zeichen zwischen dem, der gerade im Tor steht, und dem, der in diesem Moment auf der Bank sitzt. Es gibt keinen Neid, auch wenn jeder ehrgeizig ist und natürlich möglichst lange auf dem Feld stehen will.

Füchse haben bestes Torwart-Duo der Bundesliga

Insgesamt kommt Heinevetter, Torwart der deutschen Nationalmannschaft, sicherlich auf mehr Spielzeit, deshalb rumzuzicken, ist allerdings nun wirklich nicht die Art des 37 Jahre alten tschechischen Nationaltorhüters. Viele Experten sind sich einig: Berlin hat das beste Toreverhinderer-Gespann der Liga.

Und die beiden bleiben auch über diese Saison hinaus zusammen. Vor einigen Wochen hatte ja Heinevetter seinen Vertrag bis 2018 verlängert, seit gestern ist nun offiziell klar, dass auch Stochl bis 2016 das Trikot der Füchse tragen wird. Als Spieler wohlgemerkt. Stochl hatte vor vier Jahren einen Sechsjahres-Vertrag unterzeichnet, in den eine Option eingebaut war, dass er ab Sommer 2014 im Klub als Torwarttrainer arbeiten kann. „Wir sind uns aber alle einig, dass wir Petr weiter als Torwart statt als Coach haben möchten“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. „Das war das kürzeste Personalgespräch, das ich je hatte.“ Hanning ist sich sicher: „Er wird auch noch mit 40 eine gute Figur im Tor machen.“

Seit 2006 nur ein Pflichtspiel versäumt

Petr Stochl ist ein Urgestein der Füchse, gemeinsam mit Rechtsaußen Markus Richwien. Beide kamen 2006 zum Klub und halfen noch in der zweiten Liga mit, in die Bundesliga aufzusteigen. In den ganzen Jahren hat Stochl erst ein Pflichtspiel versäumt. „Ich habe hier in der zweiten Liga angefangen“, erzählt der Tscheche, „und ich bin mir sicher, dass der Verein noch eine große Zukunft vor sich hat. Ich möchte weiter an den Erfolgen mitarbeiten.“

Einen Wunsch hat er noch für die nächsten Jahre als Spieler: „Was mir noch fehlt, ist, einen Titel mit den Füchsen zu gewinnen. Ich denke, wir haben gute Chancen, vielleicht klappt es in dieser Saison ja mit dem Europapokal.“ Die Füchse steigen Ende November in den EHF-Cup ein.

Dass die Berliner Handballer auch in der Bundesliga in dieser Spielzeit ein Spitzenteam sind, zeigte sich spätestens beim Remis in Flensburg, wo die SG seit 30 Ligapartien ungeschlagen ist. Der nächste ganz schwere Brocken wartet nun schon: Am kommenden Sonntag (15 Uhr, Schmeling-Halle) treffen die drittplatzierten Füchse auf den Zweiten Rhein-Neckar Löwen.