Auf dem Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB) in Düsseldorf stellt sich am Sonnabend das alte Präsidium mit Ulrich Strombach an der Spitze nicht mehr zur Wahl. Als dessen designierter Nachfolger gilt Bernhard Bauer, zu dessen Team auch Bob Hanning zählt. Der 45-Jährige ist als Vize-Präsident Leistungssport vorgesehen. Morgenpost-Redakteur Sebastian Arlt sprach mit dem Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin.
Berliner Morgenpost: Herr Hanning, Sie bewerben sich für das Amt des Vizepräsidenten. Wie stehen Ihre Chancen?
Bob Hanning: Ich glaube, dass es viel Konsens für den Wunsch nach Veränderung und Neugestaltung gibt. Von daher rechne ich persönlich mit breiter Zustimmung.
Warum sollen die Delegierten Sie wählen?
Ich denke, dass alle, die sich für das neue Präsidium bewerben, sehr authentisch rüberkommen. Und ich stehe für viele Dinge, die wir in Berlin schon erfolgreich auf den Weg gebracht haben. Wir haben hier gezeigt, dass man Tradition und Moderne verbinden kann. Und wir haben bewiesen, dass man mit Gemeinsamkeit viele Dinge bewegen kann. Dies vom Kleinen ins Große zu übertragen, das wird dann auch meine Aufgabe sein.
Sie haben kürzlich gesagt: Ich will dem Handball dienen. Was kann man darunter verstehen?
Das bedeutet, dass ich versuchen möchte – ähnlich wie wir das in Berlin gemeinsam mit Schul- und Leistungssportzentrum, dem Senat, dem Olympiastützpunkt sowie dem Handball-Verband und den Vereinen getan haben –, Gemeinsamkeiten zu finden. Und diese PS müssen war dann auf die Straße bringen.
Das neue Präsidium steht vor einer Herkulesaufgabe. Was hat denn Priorität?
Eines ist klar: Die Nationalmannschaft ist und bleibt das wichtigste Gut, was wir haben. Das habe ich auch als Vorstand der HBL (Anm. d. Red.: Handball-Bundesliga) gesagt, da brauche ich meine Meinung nun nicht ändern, wenn ich DHB-Vize werden sollte. Es geht aber auch um Mitgliedergewinnung, um Leistungssport, ein sich neues Aufstellen, dass es uns gelingt, dass wir uns nicht verwalten, sondern dass wir gestalten. Da denke ich, haben wir viele Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Vermarktung. Wir müssen auch ein gemeinsames Leistungssportkonzept weiterentwickeln. Es gibt zudem den Breitensport, dem Frauenbereich sollten Perspektiven gegeben werden, die notwendig sind, um noch erfolgreicher spielen zu können.
Sie sind als Mann klarer Aussagen bekannt, ist bei einem Verbands-Vize nicht eher Diplomatie gefragt?
Es geht mir immer um die Sache. Ich möchte weg von personenbezogenen hin zu aufgabenbezogenen Entscheidungen. Wer mich wählt, weiß, dass er mich eins zu eins bekommt. Das weiß er vorher. Das heißt natürlich, dass ich auch gestalten will. Ich habe immer gesagt: Ich möchte dieses Amt unbedingt machen, da stehe ich dazu, aber ich brauche das Amt nicht. Für mich gilt nicht das Motto: Wieso in der Sache streiten, wenn es auch persönlich geht. Ich werde mich nur in der Sache streiten. Aber das Schlimmste, was man machen kann, ist trotzdem Konfliktmeidung.
Der Jugend- und Nachwuchsbereich liegt Ihnen besonders am Herzen. Was muss passieren, dass künftig mehr junge deutsche Spieler in den Mannschaften stehen?
Die Liga hat extrem viel gemacht mit ihren Internaten, und dies ohne große Gelder vom Verband, der sich natürlich auch engagiert in der Nachwuchsförderung. Ein Riesenschritt wurde mit der Einführung von Jugendzertifikaten gemacht. Man muss neidlos anerkennen, dass die HBL für den Bereich Nachwuchs jedes Jahr dreieinhalb Millionen Euro ausgibt. Das ist ein Quantensprung gewesen zu dem, was wir vorher hatten. Dennoch werden wir Zielvereinbarungen mit allen Bundesligavereinen machen müssen. Nicht jeder kann immer das Gleiche leisten. Aber jeder kann in seinem Bereich etwas leisten.
Da werden nicht alle begeistert sein.
Es wird ein langer und harter Prozess. Aber wenn alle wirklich wollen, ist das absolut machbar. Wenn ich uns das nicht zutrauen würde, dann würde ich mich nicht zur Wahl stellen. Ich vertraue auf die Kompetenz der HBL und der HBF (Anm. d. Red.: Handball Bundesliga Frauen) und der Landesverbände.
Gehen wir mal davon aus, dass Sie gewählt werden: Ist das für die Füchse dann ein Vorteil oder ein Nachteil?
Ich glaube, es ist für die Füchse ein Vorteil, weil wir den gesamten Sport noch etwas besser in die Richtung lenken können, in die wir hier in Berlin schon gehen. Damit ist es ein Gewinn. Generell gilt: Alles, was der Sportart nützt, nützt auch den Füchsen.
Auf Sie kommt auf alle Fälle viel Arbeit zu...
Ich weiß, dass es für vier oder dann vielleicht sogar acht Jahre Entbehrungen mit sich bringt. Und dass einem ein Stück Verzicht auf persönliche Lebensqualität aberlangt wird. Ich werde allerdings einige Aufgaben abgeben, zum Beispiel das Vize-Präsidentenamt bei der HBL. Ich werde das, was ich bereits reduziert habe, als Co-Kommentator fürs Fernsehen zu arbeiten, ganz aufgeben. Und ich werde eben eine Mannschaft nicht mehr fest trainieren können.
Das dürfte Ihnen wohl am schwersten fallen. Schließlich sind Sie doch mit Leib und Seele und großem Erfolg Jugendtrainer, zur Zeit bei der A-Jugend der Füchse.
Sicher. Aber das heißt nicht, dass ich, wenn ich Zeit habe, nicht morgens um sechs aufstehe und um 7.30 Uhr in einer Sporthalle stehen werde. Dafür macht es mir viel zu viel Spaß. Meine Intention, zu arbeiten, ist nicht, den Profis noch mehr Geld zu geben, sondern etwas für die Gesellschaft und den Nachwuchs zu tun, Werte zu vermitteln. Das, was ich jetzt im Kleinen mache, würde ich als Vize-Präsident beim DHB dann natürlich auch im Großen gern umgesetzt sehen.





