Das Urteil von Pavel Horak fiel zweigeteilt aus. „Es ist gut, dass wir zwei Punkte geholt haben, aber mit dem Spiel bin ich nicht zufrieden“, sagte der Rückraumspieler der Füchse Berlin nach dem 32:25 (15:12) gegen GWD Minden. Es war der fünfte Sieg der Berliner in der Handball-Bundesliga hintereinander; man nennt so eine Vorstellung wohl einen Arbeitssieg. Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse, fällte ein klares Urteil: „Das war zu wenig.“ Gegen Minden allerdings reichte es allemal.
Dabei waren die Rollen natürlich klar verteilt: Die Füchse waren Favorit gegen Minden, das mit 2:8 Zählern in die Saison gestartet war. Hanning hatte die Partie allerdings auch als eine Art Test angesehen. „Unsere Mannschaft kann nun zeigen, dass sie auch charakterlich und im Kopf schon so weit ist, gegen vermeintlich einfachere Gegner die Konzentration hoch zu halten.“ Anschließend sagte er: „Wir haben es nicht geschafft, eine konzentrierte Leistung auf die Platte zu bringen.“
Stichwort Test: Trainer Dagur Sigurdsson („Die erste Halbzeit war ziemlich frustrierend“) nutzte das Spiel auch dazu, um das eine oder andere zu probieren. So begann er gleich mit Linkshänder Markus Richwien und dem nach langer Verletzungspause dringend Spielpraxis benötigenden Sven-Sören Christophersen. Sie standen sehr lange auf dem Parkett, Richwien sogar über die kompletten 60 Minuten. Nachwuchsspieler wie Jonas Thümmler und Fabian Wiede konnten sich ebenfalls sehr lange zeigen. Iker Romero hingegen kam fast gar nicht zum Einsatz, Mattias Zachrisson durfte sogar nur zuschauen. „Ich wollte frische Leute bringen“, erklärte Sigurdsson. Einigen steckte das emotionale Spiel vom vergangenen Sonntag in Magdeburg noch in den Knochen.
Richwien glänzt mit sechs Toren
Zur Pause war Richwien mit vier Treffern bester Berliner Werfer, am Ende kam er wie Konstantin Igropulo auf sechs Tore. „Ich habe gezeigt, dass man sich auf mich verlassen kann“, sagte Richwien, der zuletzt nur sehr sporadisch eingesetzt worden war.
Zwar waren die Berliner klar überlegen, aber einige Abstimmungsprobleme und Konzentrationsmängel, vor allem in der Abwehr, sorgten dafür, dass nach 30 Minuten die Differenz nur drei Tore (15:12) betrug. Mehr als auf vier Treffer Unterschied (10:6/20. Minute) hatten sich die Füchse nie absetzen können.
Sigurdsson dürfte in der Kabine mehr Konzentration angemahnt haben. Es wurde zumindest etwas besser nach dem Wechsel. Aber das Spiel plätscherte vor 5835 Zuschauern in der Schmeling-Halle irgendwie so vor sich hin, auch wenn die Berliner Überlegenheit gegen die müde werdenden Gäste immer größer wurde. Erstmals fünf Treffer Differenz waren es beim 23:18, sieben beim 26:19, jeweils durch Richwien.
Bis auf neun Tore zogen die Berliner weg (31:22), um dann am Ende doch noch einmal etwas zu schludern. Sigurdsson wertete es wie Horak: „Es zählen nur die Punkte, die helfen uns.“




