Dass sie so schnell wieder nach Berlin zurückkehren würde, hatte Christine Beier nicht erwartet. Als die Handballerin Ende Mai mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft zum Länderspiel gegen Polen in der Sömmeringhalle gastierte, ging sie noch fest davon aus, auch in der kommenden Spielzeit für den Frankfurter HC aufzulaufen. Den Bundesliga-Siebten plagten zwar schon seit längerem finanzielle Probleme, „aber man hat uns versichert, dass die neue Saison nicht in Gefahr ist“, so Beier. Sie hatte sich längst daran gewöhnt, dass das Geld nicht immer pünktlich kam – solange es überhaupt kam. Doch nur wenige Wochen später meldete der Klub von der Oder Insolvenz an.
Christine Beier war gerade im Urlaub in Kroatien, als sie per E-Mail vom Vorstand über das Aus informiert wurde. Von einem Tag auf den anderen stand die Nationalspielerin plötzlich ohne Verein da.
Gedanken ans Karriereende
Kurzzeitig habe sie in dieser Situation sogar erwogen, ihre sportliche Karriere zu beenden, erzählt die 29-Jährige der Berliner Morgenpost. Diesen Gedanken verwarf sie jedoch. „Für mich stand dann relativ schnell fest, dass es Berlin wird“, sagt sie. „Entweder ohne Handball oder bei den Spreefüxxen.“
Christine Beier fühlt sich einfach wohl in der Stadt, in der sie einst auch schon für den SV BVG 49 spielte, der von 2009 bis 2012 mit den Füchse-Frauen eine Spielgemeinschaft eingegangen war. Auf der Internetseite des Frankfurter HC hatte sie Berlin sogar als Hobby angegeben. Ihr Freund wohnt an der Spree und ab Herbst arbeitet sie selbst bei der Berliner Polizei. Einziges Problem bis dahin: Die Spreefüxxe meldeten sich nicht bei ihr. „Aus reiner Rücksichtnahme“, erklärt Managerin Britta Lorenz. „Ich wusste, dass sie im Urlaub war und wollte sie dort nicht belästigen.“
Job bei der Berliner Polizei
Kurzerhand rief Christine Beier deshalb selbst bei Britta Lorenz an, um ihr von ihren Wechselabsichten zu erzählen. Kurze Zeit später meldete der Verein Vollzug. Und Beier merkte schnell, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte: Bei einer der ersten Trainingseinheiten lief ihr Jörg Paulick über den Weg, der Torwarttrainer der Füchse-Frauen, der einst schon beim SV BVG 49 tätig gewesen war. „Nach vielen Jahren haben wir uns endlich wieder gesehen“, sagt Christine Beier. „Das war wirklich schön.“
Mit dem Wechsel in die zweite Liga hat sich für die Rückraumspielerin einiges verändert. Anstatt wie in Frankfurt/Oder zweimal täglich trainiert sie nun in Berlin nur noch einmal am Tag mit der Mannschaft. Beier schiebt jedoch freiwillig Zusatzschichten. „Ich bin ja nicht zum Abtrainieren hier“, betont sie. Stattdessen will sie sich mit guten Leistungen auch weiterhin für die Nationalmannschaft empfehlen.
Bundestrainer Heine Jensen war zunächst überhaupt nicht begeistert, dass eine seiner Athletinnen künftig zweitklassig spielt, doch nach einem klärenden Telefonat zwischen Beier und ihm haben sich die Wogen inzwischen geglättet. Christine Beier darf sich deshalb Hoffnungen machen, auch bei den Weltmeisterschaften im Dezember in Serbien in der DHB-Auswahl zu stehen. „Solange niemand besser ist als ich“ stünden ihre Chancen auf eine WM-Teilnahme nicht schlecht, glaubt sie.
Pokalkracher gegen Leipzig
Den Spreefüxxen würde sie in dieser Zeit sicher fehlen. Managerin Britta Lorenz weiß ganz genau, was sie an Christine Beier hat: „Sie ist unsere Kapitänin und eine echte Führungsspielerin, bärenstark in der Deckung und mit eisenhartem Wurf“, sagt die Managerin.
Nach der Verpflichtung von Beier und weiteren namhaften Zugängen wie Annika Nega (ebenfalls aus Frankfurt/Oder) zählen die Berlinerinnen nun für viele Beobachter zu den Top-Favoriten. Offiziell lautet das Saisonziel, Platz sieben aus dem Vorjahr zu verbessern. Der Aufstieg sei kein Muss, betont Britta Lorenz. Doch auch Christine Beier macht keinen Hehl daraus, „dass wir den Anspruch haben, oben mitzuspielen.“
Die erste Bewährungsprobe im Ligaalltag wartet am Sonnabend (19.30 Uhr, Sömmeringhalle): Dann empfangen die Füchse-Frauen zum Auftakt den SV Union Halle-Neustadt. Ein Höhepunkt erwartet die Berlinerinnen dann in der zweiten Pokalrunde am 5./6. Oktober, wenn der HC Leipzig nach Berlin kommt.





