Seit acht Jahren ist Frank Steffel (47) ehrenamtlicher Präsident der Füchse und verpasst kein Heimspiel der Bundesligamannschaft. Im April wurde der Diplom-Kaufmann für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. Vor dem Liga-Start sprach Morgenpost-Redakteurin Alexandra Gross mit dem zweifachen Familienvater.

Berliner Morgenpost: Herr Steffel, inwieweit haben die Erfolge der Bundesligamannschaft zur Popularität von Handball im Jugendbereich beigetragen?

Frank Steffel: Handball wird durch die Füchse in Berlin ganz anders wahrgenommen, gerade auch durch Vorbilder wie Silvio Heinevetter. Berlin hat sich zu einer Handball-Hochburg in Deutschland entwickelt, und insofern ist auch das Interesse von Kindern und Jugendlichen, Handball zu spielen, deutlich gestiegen. Wir freuen uns darüber, dass alle Handballvereine in Berlin mehr Zulauf haben. Denn es geht uns nicht darum, zehn Füchse-Teams in einer Altersklasse zu haben, sondern Kinder und Jugendliche für den Vereinssport zu begeistern. Natürlich sehen wir uns als qualitative Spitze und wollen die leistungsfähigsten Spieler aus Berlin und Brandenburg für unser Profiteam entwickeln. Auch als Verein haben wir steigende Mitgliederzahlen und bauen gerade in Reinickendorf-Ost unser neues Vereinsheim für eineinhalb Millionen Euro. Mir haben alle Profis versprochen, dass sie dort einmal im Monat vorbeikommen, Autogramme geben und mit den Kindern reden. Das ist für unsere Jugendarbeit wichtig, ganz egal ob sie Handball, Hockey, Fußball oder Beachvolleyball spielen. Wir haben insgesamt 25 Sportarten und für alle diese Jugendlichen ist die Handballmannschaft das Aushängeschild und ein Stück Identifikation, gerade weil sie jetzt wieder in grün-weiß spielt und wir endlich ein gemeinsames Logo haben.

Worin sehen Sie die Aufgabe des organisierten Sports?

Der Vereinssport ist durch gar nichts zu ersetzen. Gerade Mannschaftssport ist im Leben eines jungen Menschen ein sehr großer Wert und eine Ausbildung für das Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Hier müssen wir aufpassen, dass die Schulen den nötigen Freiraum lassen. Bis 17 Uhr in die Schule gehen und danach noch zwei Stunden Hausaufgaben sind der Tod für den Vereinssport. Wir müssen gucken, dass wir junge Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen am Vereinssport teilhaben lassen. Unsere Vereine leisten die beste Sozialpolitik, gerade in einer Großstadt wie Berlin und können durch kein Smartphone, Facebook oder Twitter, aber auch durch kein Fitnessstudio ersetzt werden. Von Teamgeist bis Disziplin, von gemeinsamen Niederlagen bis zur Bescheidenheit im Sieg lernen Kinder Werte, die für das ganze Leben prägen.

Aber halten Sie es heute, wo sich die mediale Welt immer schneller entwickelt, für zeitgemäß, Sport im Verein zu betreiben?

Absolut, die Vereine haben in einer Zeit, in der Menschen viel zu viel über Computer und Handy miteinander kommunizieren und viel zu wenig von Angesicht zu Ansicht, eine verbindende gesellschaftliche Funktion. Sie sind der Kit, gerade in einer Großstadt. Wo treffen sich denn Menschen mit unterschiedlicher Sozialisation und Herkunft noch? Im Verein sind alle gleich! Wenn alle das gleiche grün-weiße Trikot tragen, entsteht nicht die Frage, ob man das Kind eines Arztes oder Hartz-4-Beziehers ist. Der Vereinssport ist durch nichts zu ersetzen.

In Füchsetown im Sportforum trainieren Nachwuchs und Profis jetzt unter einem Dach, sind aber damit dem Stammverein nicht gerade näher gekommen.

Wir müssen für unsere Spitzensportler die optimalen Bedingungen schaffen und die haben wir dort. Wir wissen doch alle, dass Kinder, die mit 17 Jahren falsch trainiert werden, kaum eine Chance haben mit 25 Jahren in der Nationalmannschaft spielen. Von daher bin ich dankbar, dass das Land Berlin und das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin optimale Voraussetzungen für die Verbindung von leistungsbezogenen Jugendsport und europäischem Spitzenhandball bieten. Für unsere Jugendlichen ist es eine riesengroße Motivation, gemeinsam mit den Stars zu trainieren. Und obwohl unsere Heimat Reinickendorf ist, empfinden wir uns natürlich als ein Berlin-Brandenburger Verein.

Wie lautet Ihr Saisonziel für die Füchse?

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn wir unseren tollen Fans in den nächsten zwei Jahren einen Pokal präsentieren könnten. Das hätten wir uns dann nach zehn Jahren wirklich solide erarbeitet. Und ich hoffe natürlich, dass wir in dieser Saison in allen drei Wettbewerben erfolgreich spielen. Die Mannschaft hat das Potenzial dazu, das haben schon die beiden Spiele in der Champions-League-Qualifikation gegen den HSV gezeigt. Dort waren wir in beiden Spielen die bessere Mannschaft und haben nur äußerst unglücklich nicht gewonnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in dieser Saison in der Spitzengruppe der Bundesliga mithalten können. Ich bin von der Leistungsfähigkeit gerade auch unserer jungen Berliner Spieler absolut überzeugt. Ich glaube an unsere junge Mannschaft.