Das Trikot reichte Noah bis zu den Kniekehlen, doch das hinderte den kleinen Blondschopf nicht daran, wild über das Parkett zu flitzen. Schnell noch ein Küsschen von Papa Mark Bult, dann pfefferte der knapp Vierjährige auch schon wieder den Handball ins Tor. Die Stimmung nach dem letzten Heimspiel der Füchse Berlin in der Handball-Bundesliga gegen den VfL Gummersbach (29:28) am Sonntagabend war ausgelassen und familiär – und dann kam er, der große Moment des Abschieds. Sechs Spieler liefen gestern zum letzten Mal vor heimischer Kulisse im Fuchsbau auf.

Und während nach der Partie auf den zwei großen Leinwänden Spielszenen gezeigt wurden, betraten Johannes Sellin, Evgeni Pevnov, Mark Bult, Börge Lund, Ivan Nincevic und Torsten Laen noch einmal das Parkett der Schmeling-Halle. Die 9000 Zuschauer in der ausverkauften Arena spendeten minutenlang stehend Applaus.

Ein Abend voller Emotionen

„Das war sehr emotional“, sagte Kapitän Laen, der nach vier Jahren die Füchse verlässt, „aber wir haben nächste Woche noch ein wichtiges Spiel, deshalb sind wir jetzt nicht völlig ausgeflippt.“ Am Sonnabend treten die Berliner zum Abschluss in Hannover an. Der Däne Laen, der zurück in seine Heimat geht, hat maßgeblichen Anteil am sportlichen Aufstieg der Füchse. Mit dem kleinen Alfred (3) auf dem Arm verbeugte sich der Kreisläufer vor den Fans. Ebenso wie Ivan Nincevic, leicht gehandicapt mit einer Fleischwunde und Gehirnerschütterung. 492 Tore hat der Kroate in der Bundesliga und Champions League für die Berliner erzielt, ab Sommer geht er für Minsk auf Torejagd, „aber die Zeit in Berlin werde ich nicht vergessen.“

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Marina Igropulo, der Ehefrau von Rückraumstar Konstantin Igropulo. Die langbeinige Sängerin ist in Russland ein Star, gestern Abend heizte sie den Fans erst in der Halle und anschließend beim Fanfest ein. Die Zuschauer waren begeistert von der rockigen Russin, die sogar einen eigenen Füchse-Song geschrieben hat.

Munteres Spiel erfreut die Zuschauer

Und natürlich freuten sich die Füchse auch über den Sieg über den abstiegsbedrohten VfL Gummersbach. Es war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur erneuten Qualifikation für die Champions League. Einen Platz im EHF-Cup haben die Berliner bereits sicher. Vor den Augen von Box-Weltmeister Marco Huck traten die Füchse von Beginn an selbstbewusst auf und setzten sich rasch ab (10:6/22.). Dank einer starken Leistung von Torwart Petr Stochl kamen die Berliner immer wieder zu Tempogegenstößen, die sie mit Toren abschlossen, durch Sellin oder auch Colja Löffler. Doch die Gäste steckten nicht auf. Es entwickelte sich ein munteres Spiel, an dem die Zuschauer ihre Freude hatten, auch weil es sehr fair zuging.

Trainer Dagur Sigurdsson gab bis auf den verletzten Nincevic jedem seiner Akteure die Chance, sich ein letztes Mal vor den eigenen Fans zu präsentieren. Und jeder der fünf Spieler durfte sich denn auch für mindestens ein Tor feiern lassen. Zwar wurde es am Ende noch einmal eng, der Sieg aber geriet nie wirklich in Gefahr. Beste Werfer waren Sven-Sören Christophersen und Konstantin Igropulo (je sechs Tore).