Handball

Füchse nehmen Abschied mit Tränen und Freibier

Am Sonntag spielen sechs Handballer zum letzten Mal vor heimischer Kulisse bei den Füchsen. Für Kapitän Torsten Laen wird es besonders emotional, der Däne verlässt nach vier Jahren den Bundesligaklub.

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Es wird Tränen geben. Vor Rührung, aber auch weil der Abschied so manchen Fan ins Herz treffen wird. Wenn auf der großen Leinwand der Schmeling-Halle Szenen gezeigt werden, wo Torsten Laen mit erhobenen Armen über das Feld rennt und seine Freude laut ins Publikum hinausschreit, werden die 9000 Zuschauer noch einmal den Atem anhalten und ihrem Kapitän huldigen, ehe dann die ganz große Sause auf dem Vorplatz der Arena bei Freibier und Live-Musik steigt.

Es ist angerichtet für das große Saisonfinale der Füchse. Zum letzten Mal laufen am Sonntag beim Heimspiel der Berliner gegen den VfL Gummersbach (17.30 Uhr, Schmeling-Halle) neben Laen auch Johannes Sellin, Evgeni Pevnov, Mark Bult, Börge Lund und Ivan Nincevic im Füchse-Trikot auf. Wobei sich Nincevic nach dem bösen Kopfstoß des Hamburgers Jansen nur in zivil von seinen Fans wird verabschieden können. „Das wird noch einmal ein ganz besonderes Spiel für mich werden“, sagt denn auch Torsten Laen, dem der Abschied aus der Hauptstadt schwer fällt. „Es war eine tolle Zeit hier bei den Füchsen.“

Von den Fans geliebt

Nach vier Jahren kehrt Laen nun in seine Heimat zurück, der Däne macht keinen Hehl daraus, dass ihn das Leben als Handballprofi auch geschlaucht hat. Physisch und psychisch. Immerhin ist Laen ein Spieler, der immer alles gibt und als Kapitän der Füchse stets auch voranging. Wie kaum ein anderer hat der Vater von zwei Söhnen den Aufstieg der Füchse zu einem internationalen Topteam mitgeprägt. Auch deshalb hätten die Füchse gern mit ihrem „Ministerpräsidenten“, wie er zum Spaß auch genannt wird, verlängert. „Aber wenn ein Spieler gehen möchte, weil er sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen fühlt und müde ist, dann hat man das zu respektieren“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „die Art und Weise seines Weggangs zeugt von absoluter Größe.“

Auch Trainer Dagur Sigurdsson weiß um den großen Verlust. „Mit Torsten geht bei uns eine Ära zu Ende“, sagt der Isländer, „er wird von allen geliebt, hat immer bei den Füchsen ein Riesencharakter gezeigt. Er ist immer da gewesen, auch im Training.“ Sigurdsson hält kurz inne, sagt dann: „Ich verliere mit Torsten einen Kapitän, der über alle guten Qualitäten verfügt, er ist einfach ein Riesentyp.“

Drei Profis bleiben in der Liga

Torsten Laen will in der Heimat noch ein, zwei Jahre Handball spielen. Das werden auch die anderen fünf Abgänge. Gleich drei Profis bleiben in der Bundesliga. So geht Rechtsaußen Sellin künftig für MT Melsungen auf Torejagd, Kreisläufer Pevnov wechselt zu Frisch Auf Göppingen und Mark Bult verstärkt den VfL Gummersbach. Ivan Nincevic zieht es nach Minsk in Weißrussland, Börge Lund heuert bei Bodö HK in Norwegen als Spielertrainer an.

„Dieser Abschied wird sehr emotional“, ahnt Sigurdsson, der im Sommer vor einem Umbruch steht. „Ich habe so lange mit den sechs Spielern zusammengearbeitet, da fällt der Abschied wirklich schwer.“ Hanning gewährt ebenfalls einen Blick in sein Seelenleben. „Auch wenn man im Leben Spieler kommen und gehen sieht, hat man doch mit den meisten eine emotionale Verbindung“, sagt der Manager, „deshalb sind das die Spiele, die mir am wenigsten Spaß machen, weil sie so etwas Endgültiges haben.“

Ein Wiedersehen mit Sellin und Pevnov ist sicher, bei Bult hängt es davon ab, ob Gummersbach es schafft, die Klasse zu halten. Sellin und Pevnov, die jungen Wilden. Der eine auf Außen, der andere am Kreis. Sigurdsson formte beide Jungspunde zu gestandenen Bundesligaspielern mit hochfliegenden Ambitionen. „Sie haben Riesenfortschritte gemacht und eine großartige Zukunft vor sich.“ Beide sind mittlerweile auch Nationalspieler. „Es ist auch kein Geheimnis, dass ich die Beiden gerne behalten hätte, aber Sellin wollte einen anderen Weg gehen. Pevnov haben wir ein Angebot gemacht.“ Das dem Kreisläufer aber offenbar nicht ausgereicht hat.

Norweger Lund ohne Glück

Bei Börge Lund liegen die Karten anders. Der Norweger, der erst im Sommer 2012 nach Berlin gewechselt war, kam nicht so richtig bei den Füchsen in Schwung. Was vor allem auch daran lag, dass ihn immer wieder Krankheiten oder Verletzungen zurückwarfen. „Börge war immer sehr fleißig, aber ihm fehlte ein bisschen das Glück.“ Sigurdsson trifft es am Sonntag gleich doppelt hart, denn mit Alexander Haase verliert der Chefcoach auch seinen Co-Trainer, der zurück an die Sportschule Potsdam geht.

Zum Abschied will sich Torsten Laen noch einmal von seiner besten Seite zeigen. Mit einem Sieg über Gummersbach würden die Füchse auf Champions-League-Kurs bleiben. Laen verspricht: „Wir kämpfen für uns und für Ivan, damit die Füchse auch in der kommenden Saison wieder die Möglichkeit haben, in der Königsklasse zu spielen.“