Handball

Füchse haben neun Endspiele auf dem Weg nach Europa

Nach ihrem Ausscheiden in der Champions League richtet sich die Konzentration der Berliner jetzt voll und ganz auf die Bundesliga. „Alles eine Frage der inneren Motivation zum Thema Leistungssport“.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Ein Blick in die fröhlichen Kinderaugen von Söhnchen Alfred spendete den nötigen Trost und entschädigte wenigstens etwas für die verpasste Chance. Aber Torsten Laen hatte auch am Tag nach dem Champions-League-Aus noch eine gehörige Ladung Wehmut in seiner Stimme. „Es tut dieses Mal schon ein bisschen mehr weh, weil wir einfach so nah dran waren und es am Ende nur Kleinigkeiten waren“, sagte der Handballprofi der Füchse Berlin. Wie gern hätte der Kreisläufer heute mit seinen Mannschaftskollegen die Auslosung des Viertelfinals in Wien via Internet verfolgt, doch mit der 26:27-Niederlage im Rückspiel gegen Atletico Madrid (Hinspiel 29:29) war für den Hauptstadtklub in der Runde der besten 16 europäischen Klubmannschaften Endstation in der Königsklasse.

Laen ist der Kapitän der Füchse und als solcher auch in der Pflicht, gerade in schlechten Zeiten mutig voranzugehen und seine Kameraden aus dem Frust heraus neu zu motivieren. Und das tat der Däne dann auch. Statt der Kür auf internationalem Parkett steht für die Füchse jetzt die Pflicht in der Bundesliga an. „Wir müssen mindestens unseren vierten Platz verteidigen“, sagte Laen, aber er will in Wahrheit noch ein bisschen mehr: „Es ist unser Ziel, dass wir uns im dritten Jahr in Folge für die Champions League qualifizieren.“

Mittwoch in Melsungen

Nur die ersten drei Mannschaften sind in der kommenden Spielzeit sicher in der Königsklasse mit dabei. Je nach Ausgang des Endrundenturniers um den deutschen Handball-Pokal könnte in diesem Jahr sogar Rang fünf für die Füchse nicht ausreichen, um auch nächste Saison wieder im Europapokal zu spielen. Von daher kommt den beiden Partien in dieser Woche, am Mittwoch bei MT Melsungen und am Sonntag zu Hause gegen die SG Flensburg-Handewitt (15.45 Uhr, Schmeling-Halle), bereits eine vorentscheidende Bedeutung zu. „Wir sind jetzt in einer gefährlichen Phase“, sagte denn auch Geschäftsführer Bob Hanning und nimmt die Spieler in die Pflicht: „Das ist alles eine Frage der inneren Motivation zum Thema Leistungssport. Nur darum geht es jetzt.“

Der Manager wollte seiner Mannschaft nach der Niederlage gegen Madrid aber keine Vorwürfe machen. Sie habe gekämpft und gerackert. „Das war allerbeste Werbung für den Handballsport.“ Auch wenn die Füchse dieses Jahr nicht das Final Four erreichen, so hat Hanning dennoch einen Qualitätsschritt ausmachen können. „Wir waren dieses Jahr in der Königsklasse trotzdem stärker. Wir haben souverän die Gruppenphase gemeistert und einen Schritt nach vorn gemacht. Uns fehlte nur ein bisschen Glück. In Europa sind wir eine feste Größe geworden.“ Jetzt gelte es, den Fokus auf die Bundesliga zu richten.

Reaktion der Mannschaft gefordert

Bis zu der Partie in Melsungen müssen die Spieler nun das Scheitern in der Champions League aus den Köpfen bekommen. Zwar liegen die Nordhessen nur auf Rang elf, sollten für die Füchse also leichte Beute sein, doch schon einmal haben die Berliner zuletzt in der Fremde bei einem vermeintlichen Underdog gepatzt. So kamen sie am 13. März in Balingen nicht über ein Unentschieden (29:29) hinaus. „Wir müssen uns jetzt einmal Schütteln und die Champions League abhaken“, sagte Hanning und ist gespannt auf die Reaktion der Mannschaft. „Ob sie zu den Topteams gehören, das können sie jetzt in den nächsten Spielen gegen Melsungen und Flensburg beweisen.“ Eins steht für Hanning fest: „Wir wollen auf jeden Fall alles geben, um auch nächstes Jahr wieder international dabei zu sein.“

Das sehen die Spieler genauso. Bartlomiej Jaszka ist sich der Herausforderung bewusst. „Natürlich wäre es super, nächste Saison wieder Champions League zu spielen, aber das wird eine schwierige Aufgabe“, sagte der Spielmacher der Füchse, der am Sonntag nur neun Tage nach einer Blinddarm-Operation ein Blitz-Comeback gefeiert hatte und dabei zum tragischen Helden avancierte. Zunächst initiierte der Pole die Aufholjagd gegen Atletico Madrid, dann vergab er wenige Sekunden vor Schluss mit einem Pfostenwurf die letzte Chance auf den Ausgleich, der das Weiterkommen gesichert hätte.

Neun Spiele haben die Füchse in der Bundesliga noch vor sich. Torsten Laen gibt den Takt vor: „Das sind für uns jetzt alles Endspiele um Europa.“