Handball

Denis Spoljaric ist der Verteidigungsminister der Füchse

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Sebastian Arlt

Foto: Carsten Rehder / dpa

Der Kroate hat beim Berliner Handballteam die Aufgabe, Tore zu verhindern. Auch in der Champions League gegen Atletico Madrid, wenn die Füchse den Sprung ins Viertelfinale anpeilen.

Zu Hause wird der harte Mann ganz weich. „Ich frage mich manchmal schon, wer hier der Chef ist“, sagt Denis Spoljaric lachend mit Blick auf die viereinhalbjährige Tochter Nya und den zweieinhalbjährigen Sohn Noah. Die Kinder sind oft nicht zu bremsen, auch von ihm nicht. Dabei ist gerade dies sozusagen die Spezialität des Handballprofis.

„Mein Job ist es, Tore des Gegners zu verhindern“, gibt der Kroate in wenigen Worten eine treffende Arbeitsplatzbeschreibung ab. Der 33-Jährige ist der Abwehrchef des Berliner Handballklubs, er macht den Laden hinten dicht. Denis Spoljaric ist sozusagen der Verteidigungsminister der Füchse.

Und in dieser Funktion wird ihm auch am heutigen Sonntag wieder eine ganz wichtige Rolle zufallen, wenn die Füchse in der Champions League im Achtelfinal-Rückspiel in der Max-Schmeling-Halle (18 Uhr, Eurosport) gegen Atletico Madrid anzutreten haben.

Ein 29:29 haben die Berliner vor einer Woche in Spanien erkämpft. Ein Ergebnis, das Spoljaric für „relativ gefährlich“ hält. Weil Atletico eben ein Weltklasseteam sei, „das viel mehr Erfahrung hat als wir“.

Mischung aus Härte, Kraft und Cleverness

Aber Spoljaric weiß auch, dass „mit Einsatz und Kampf“ Unmögliches möglich gemacht werden kann. Die Füchse haben das in der Vergangenheit, gerade in der Champions League, oft genug bewiesen. Und immer war Spoljaric ein entscheidender Faktor.

Auch wenn Torhüter mit spektakulären Paraden oder Feldspieler mit Torgarantie viel mehr im Fokus stehen. Dass daher zumeist andere öffentlich Lob und Anerkennung abbekommen? „Nein, nein, das ärgert mich überhaupt nicht“, sagt er. Seine Philosophie lautet: „Es ist super, wenn man drei Tore schießt, aber es ist auch sehr gut, wenn man drei Schüsse abblockt.“

Härte, Kraft, Cleverness, „eine Mischung aus allem“, sieht er als die wichtigsten Faktoren für den Job des Verhinderers an. Und: „Ohne Herz ist alles nichts, nur mit Herz und ohne Kopf zu spielen, ist aber auch nicht gut“, lautet eine andere Weisheit des 1,95 Meter großen Handballers, der in der dritten Saison in Berlin spielt.

Die Abwehr muss eine Einheit sein

Es geht darum, den Abwehrverbund zu organisieren, zu verschieben, den Gegner zu attackieren – bis an die Grenze des Erlaubten. Auch mal darüber hinaus. „Kommunikation“ sei das Schlüsselwort, entsprechend viele Anweisungen gibt er an die Kollegen. „Nur als Einheit funktioniert das, alle Teile müssen passen.“

Sind die Füchse in Ballbesitz, geht es für ihn ruckzuck zurück auf die Bank und ein Angriffsspezialist nimmt seinen Platz im Team ein. Ist der Gegner im Ballbesitz, heißt es wieder: Herr Spoljaric, übernehmen Sie! Früher, erzählt er, habe er auch in der Offensive gespielt, im Rückraum in der Mitte. „Aber von Jahr zu Jahr ist das weniger geworden“, weil seine Stärke eben doch in der Defensive liegt. Tore sind da eher Mangelware: In insgesamt 37 Pflichtspielen in dieser Saison waren es bisher vier, eines davon fiel in Madrid.

Routine macht sich bezahlt

„Wir wollten ihn unbedingt holen, weil wir genau so einen Spieler brauchten“, erinnert sich Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. In seinen Augen ist Spoljaric ein „elementar wichtiger Spieler“. Hanning verbindet mit ihm drei Eigenschaften: „Ruhe, Routine, Gelassenheit.“ Gerade Routine, sagt Spoljaric, komme ihm sehr zugute: „Ich weiß genau, was ich wo zu tun habe.“ Er hat das ökonomische Prinzip verinnerlicht: Mit dem möglichst geringsten Aufwand den möglichst höchsten Ertrag zu erzielen. Hanning hat sich eine nette Wortschöpfung einfallen lassen: Spoljaric arbeite „sehr bewegungsreduziert“. Er macht keinen Schritt zu viel, aber jeden, der notwendig ist.

Während seiner langen Karriere ist Spoljaric Weltmeister (2003) und Olympiasieger (2004) geworden. Für einen Mann seiner Klasse ist er allerdings recht wenig herumgekommen: eine knappe Saison bei Pfadi Winterthur (Schweiz), ein Jahr bei RK Celje (Slowenien). Bodenständig stand er fast immer bei RK Zagreb unter Vertrag. „Ich komme aus Zagreb mit fast einer Million Einwohnern, da finde ich es in kleineren Städten eher nicht so toll.“ Winterthur hat etwa 100.000 Einwohner, Celje knapp 40.000.

Sein Vertrag läuft bis 2014

Da ist Berlin etwas ganz anderes. Er gerät gleich ins Schwärmen: „Die Stadt ist für meine Familie und mich super.“ Auch weil es hier eine große kroatische Gemeinde gibt. In die entsprechenden Restaurants, die es zuhauf gibt, geht er allerdings eher selten. Er steht nicht so auf Große Potpourri-Platte, Czardas-Teller oder Pola-Pola. „Das ist viel zu fleischlastig, die kroatische Küche bietet viel mehr.“ Was aber in besagten Restaurants zumeist nicht angeboten wird.

Auch in der kommenden Saison wird Spoljaric im Auftrag der Füchse gegnerische Tore verhindern. Sein Vertrag läuft bis 2015. Andere dagegen gehen zum Saisonende, teils freiwillig, teils, weil der Klub sie nicht länger wollte. „Es ist schon ein Problem, dass gleich sechs Spieler gehen“, findet Spoljaric. Mit neuen Leuten „muss alles wieder neu zusammenpassen“. Gerade mit Kapitän Torsten Laen, der aus freien Stücken zurück in seine Heimat Dänemark zurückkehren wird, klappte die Zusammenarbeit in der Deckung in den vergangenen Jahren besonders gut.

Bald ohne Kumpel Nincevic

Doch dass sein kroatischer Kumpel Ivan Nincevic keinen neuen Vertrag bekommen hat, tut ihm am meisten leid. „Aber so ist das eben im Leistungssport.“

Was nach 2015 wird? Vielleicht bleibt er ja weiter in Berlin. „Minimum zwei Jahre“ will er danach noch spielen, „mal sehen, wie die Gesundheit mitspielt“. Später einmal Trainer zu werden, ist momentan eher keine Option. „Dann sitze ich ja wieder ewig im Bus und muss irgendwo in Hotels übernachten.“

Wie schwer ist es denn, sich noch zu motivieren, wenn man doch schon alles gesehen und alles gewonnen hat? „Falsch“, verbessert Denis Spoljaric gleich. „Die Champions League habe ich noch nie gewonnen.“ Ein Sieg an diesem Sonntag gegen Atletico Madrid würde ihn diesem Ziel ein kleines Stück näherbringen.