Am Ende war wieder alles gut: Die Zuschauer in der Schmeling-Halle klatschten begeistert, die Handballer der Füchse Berlin verließen mit einem Lächeln das Parkett. Nach 42 Minuten hatte es noch anders ausgesehen. Erste Pfiffe aus dem Publikum waren zu hören, es stand gegen den Tabellenletzten TuSEM Essen 21:21. Doch nach langer Anlaufzeit fanden die Berliner dann doch noch auf den rechten Weg zurück und gewannen sicher mit 32:25 (18:16).
Dennoch war Trainer Dagur Sigurdsson versöhnlich: „Ich muss das Team loben. Nicht, weil wir supertoll gespielt haben.“ Aber vier Spiele in zwölf Tagen hätten eben viel Kraft gekostet. Alle vier Partien in Bundesliga und Champions League wurden gewonnen. „Das muss man erst einmal hinkriegen.“
40 Minuten lang zu fahrig und unkonzentriert
Die schönste Aktion in der ersten Hälfte gab es wenige Sekunden vor Schluss der 30 Minuten zu sehen. Wie Iker Romero beim 18:16 dem Ball bei seinem Wurf von außen einen solchen Dreh gab, dass er doch noch ins Tor rollte, war schier unglaublich. Geschäftsführer Bob Hanning schüttelte nur lachend den Kopf.
Zuvor hatte er oftmals dieselbe Bewegung gemacht – allerdings aus Verärgerung. Denn nach den beiden Siegen in der Champions League gegen Barcelona und in Schaffhausen zuletzt fehlte dem Team in der Bundesliga vor 7435 Zuschauern die letzte Konzentration. „Aber das sind eben die Spiele, die man gewinnen muss“, so Hanning. Egal wie. „Sicherlich hätte ich mir in der Abwehr mehr Aggressivität gewünscht.“
Nur Igropulo ragt mit seinen elf Treffern heraus
Im Angriff zu fahrig, in der Defensive nicht konsequent genug präsentierten sich die Füchse gut 40 Minuten lang. Die engagierten Essener, die in 20 Spielen bisher gerade einmal zwei Remis geschafft hatten, nutzten das locker aus. Eine Auszeit, genommen von Sigurdsson beim Stand von 5:8 (10. Minute), brachte auch nur phasenweise Besserung. Lediglich Konstantin Igropulo, der in Hälfte eins schon sieben seiner insgesamt elf Tore erzielte, hob sich ab. Erst nach 26 Minuten schaffte Colja Löffler erstmals eine Berliner Führung (15:14).
Auch das 19:16 kurz nach dem Wechsel gab keine Sicherheit. Bei 20:20 (39.) kam wieder Petr Stochl zurück ins Tor, der begonnen hatte, dann aber durch Silvio Heinevetter abgelöst worden war. Beide hatten bis dahin auch nicht überzeugt. Doch jetzt reagierten die Füchse: Stochl hielt einige Würfe hintereinander, vorn wurden endlich die Chancen verwertet. 24:21 (46.) – natürlich durch Igropulo. Damit war das Spiel entschieden.
„Wir haben uns ziemlich schwergetan“, gab Markus Richwien ehrlich zu. „Der letzte Schritt hat gefehlt.“ Jetzt sei man froh, „dass wir ein bisschen durchatmen können“.
Freude über den zweiten Platz in der Champions League
Eine Woche haben die Berliner nun Pause, ehe sie am kommenden Sonntag (19 Uhr, Schmeling-Halle) in der Champions League auf Pick Szeged aus Ungarn treffen. Eigentlich war diese Partie dazu gedacht, mit einem Sieg den zweiten Platz in der Gruppe D hinter Barcelona sicher zu stellen. Doch seit Sonnabend hat sich eine neue, eine für die Mannschaft von Dagur Sigurdsson erfreuliche Situation ergeben. Da Dinamo Minsk gegen die Ungarn überraschend mit 21:26 unterlag, können die Berliner von Dinamo nicht mehr von Rang zwei verdrängt werden. „Zweiter, das ist eine echte Sensation“, freute sich Hanning. Nun haben die Füchse am Sonntag also eine gute Gelegenheit, um locker aufzuspielen. Aber wenn möglich nicht so wie lange Zeit gegen Essen.





