Handball

Drei Tore schalten den Schmerz von Markus Richwien ab

Nach 95 Tagen Verletzungspause feiert der Rechtsaußen der Füchse in der Champions League gegen Schaffhausen sein Comeback.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

In den wenigen Worten stecken Freude und vor allem Erleichterung. „COMEBACK!!! Es war wirklich ein gutes Gefühl, wieder auf der Platte zu stehen!“ Über Facebook ließ Markus Richwien schon kurz nach dem freudigen Ereignis Freunde und Fans an seinem Glück teilhaben. Endlich hatte das Warten ein Ende, endlich hatte der Handballprofi von den Füchsen wieder das machen dürfen, was er am liebsten tut: Tore werfen.

Drei an der Zahl waren es am Donnerstagabend in Schaffhausen. Dort gewannen die Berliner in der Champions League gegen die Schweizer 40:35 (21:16) und festigten den zweiten Rang in ihrer Gruppe. „Ein wichtiger Schritt“ sei es für ihn gewesen“, erzählt der 27-Jährige: „Ich habe ja verdammt lange drauf warten müssen.“

Am 11. November 2012 verletzt

Exakt 95 Tage hat es gedauert, bis Richwien nach seiner Verletzung wieder auf dem Feld stehen konnte. Rückblick: Zehn Minuten waren am 11. November 2012 in der Schmeling-Halle gegen Lemgo gespielt, als Richwien nach einem Sprungwurf auf dem Fuß eines gegnerischen Spielers landete – und umknickte. Die Diagnose lautete damals: Kapselriss im linken Sprunggelenk, zwei Außenbänder waren gerissen, hinzu kam ein Muskelriss der äußeren Wadenmuskulatur. Etwa sechs Wochen Pause wurden ihm avisiert.

„Auch ich bin von einer viel kürzeren Pause ausgegangen“, sagt Richwien. Zu Jahresbeginn wollte er wieder angreifen, doch dies blieb ein frommer Wunsch. „Die Bänderverletzung war nicht das Problem“, erklärt er. Ein hartnäckiger Bluterguss im Fuß verlängerte die Leidenszeit. Auch heute treten noch Beschwerden auf. „Aber es geht.“ Immerhin hat er gegen Schaffhausen schon mehr als eine halbe Stunde lang gespielt. Kondition und Fitness „sind überhaupt kein Problem“. Schließlich hat er mit Athletik-Coach Erik Helm während der Zwangspause intensiv gearbeitet. Wahrscheinlich kennt der Linkshänder inzwischen jedes Detail im Kraftraum.

Seit 2006 bei den Füchsen im Team

Jetzt hofft Richwien, dass die Heilung weiter fortschreitet, und dass die Beschwerden endlich verschwinden. Gegen die Schmerzen helfe „schon mal eine Tablette“, aber die Regel könne das ja nicht sein.

Mit Freude hat er natürlich den Weg seiner Mannschaft verfolgt, die in der Bundesliga auf Rang vier liegt und in der Champions League bereits das Achtelfinale erreicht hat. Beim Coup gegen Barcelona in der O2 World am vergangenen Sonntag hatte er noch zuschauen müssen. Es war eine ganz große Stunde für den Klub, dessen spektakulären Weg Richwien seit 2006 begleitet. Nachdem er vom SC Magdeburg nach Berlin gewechselt war, war er schon dabei, als noch in der zweiten Liga vor einer überschaubaren Zuschauerkulisse gespielt wurde.

„Das ist das Schöne“, sagt Richwien und strahlt, „du denkst, dass du schon so vieles erlebt hast – aber dann kommen doch immer noch neue Highlights.“ Gerade der Sieg gegen Barcelona habe doch gezeigt: „Es ist immer noch mehr möglich.“

Er will wieder altes Niveau erreichen

Sein nächstes Ziel: „Ich will mein altes Niveau wieder erreichen.“ Eine feste Größe im Füchse-Team war er bis zu seiner Verletzung. Seine nächste Bewährungsprobe steht nun am Sonntag gegen Essen (17.30 Uhr, Schmeling-Halle) an. In der Nationalmannschaft hatte er seinen Platz auch sicher. „Ich wäre wohl bei der WM in Spanien dabei gewesen“, sagt er. Doch die Verletzung ließ einen Einsatz vor ein paar Wochen noch nicht zu. „Schade, aber nachzuheulen bringt ja nichts.“

Wenn es im Verein wieder gut läuft, dürfte auch die Nationalmannschaft erneut ein Thema werden. Bisher stehen 17 Länderspiele in Richwiens Statistik. In Schaffhausen saß Bundestrainer Martin Heuberger als Beobachter auf der Tribüne. „Ach“, ist Richwien erstaunt, „das habe ich gar nicht mitbekommen.“ Heuberger wird auf alle Fälle registriert haben: Rechtsaußen Markus Richwien hat sich zurückgemeldet.

Vertrag geht noch bis Sommer 2012

Mit großer Freude sieht Richwien, „dass alle hundert Prozent geben und professionelle Arbeit abliefern“. Denn er weiß natürlich, dass die Situation für einige im Team nicht einfach ist. Richwien selbst hat noch einen Vertrag bis zum Sommer 2014. Andere hingegen werden die Füchse nach der Saison verlassen, einige davon nicht freiwillig. Der Klub will neue Reize setzen. „Aber keiner lässt sich hängen“, hat Richwien beobachtet.

Auch ihn selbst beschleicht ab und an ein etwas komisches Gefühl, wenn er daran denkt, dass sich zur kommenden Saison vieles im personellen Bereich verändern wird. „Es ist eine ungewohnte Situation“, sagt er, um sich gleich selbst zu verbessern: „Ach nein, eigentlich habe ich in den ganzen Jahren, in denen ich hier bin, ja schon viele Wechsel erlebt.“ Jetzt möchte er „die Zeit genießen, in der unsere Mannschaft noch so zusammen ist“.

Verwalter der Mannschaftskasse

Immer ist es weitergegangen, nur in eine Richtung – nach oben. „Jetzt werden im Sommer neue Typen kommen, und wir werden auch dann wieder offen und ehrlich miteinander umgehen“, ist er sich sicher. Sportlich werde man „wieder eine schlagkräftige Truppe“ zusammen haben bei den Hauptstädtern.

Und Markus Richwien, der ewige Fuchs, wird auch künftig die Mannschaftskasse verwalten. „Ich ziehe die Jungs ab“, sagt er und lacht. Da hat der richtige Mann bei den Füchsen den richtigen Posten: Markus Richwien ist gelernter Bankkaufmann.