Es hatte ja irgendwann einmal kommen müssen. So ein richtiges Debakel, bei dem sich die Mannschaft ordentlich blamiert. Lief ja die letzten zwei Jahre immer bestens für die Füchse Berlin. Dass der Handball-Bundesligist binnen einer Woche aber gleich zwei dieser Schreckenserlebnisse erfuhr, war dann dem einen oder anderen doch zu viel. Erst das peinliche Pokal-Aus in Lübbecke (28:32), dann am Sonntag noch die 18:29-Pleite in Flensburg.

„Es kann leider nicht immer nur bergauf gehen“, stellte Nationalspieler Sven-Sören Christophersen ernüchtert fest. Und Bob Hanning sagte nach der deftigen Niederlage in Flensburg, die er sich erst 28 Stunden später auf Video ansah, weil er am Sonntag mit seiner A-Jugend unterwegs gewesen war, dass das Ergebnis „in der Höhe wahrlich erschreckend war und alles andere als schön ist“.

Von einer Krise wollte der Manager aber nichts wissen. „Das ist absoluter Quatsch. Ich sehe keine Krise“, sagte Hanning, räumte jedoch ein, dass diese durchaus mal kommen könne. „Aber nicht jetzt.“ Eine Ansage an die Mannschaft will er nicht machen, er verlangt aber von Team und Trainer, dass sie die Situation gemeinsam meistern. „Und ich habe einhundert Prozent Vertrauen in das Team. Es wird eine interne Lösung geben.“ Außerdem sei die Ausbeute bislang ja alles andere als besorgniserregend. Das 18:29 in Flensburg war die erste Saison-Niederlage in der Bundesliga. „Es ist völlig normal, dass wir auch einmal einen Einbruch erleben.“

Zwei Jahre am Limit gespielt

Fans und Verantwortliche sind in der Tat verwöhnt, denn seit Jahren geht es mit den Füchsen immer nur bergauf. Sie galten als das Überraschungsteam der Liga, schafften mit zwei dritten Plätzen zweimal die direkte Qualifikation für die Champions League.

„Wir haben die letzten zwei Jahre fast immer über unserem Limit gespielt“, sagt Kapitän Torsten Laen und versichert, „dass die Leidenschaft und der Hunger immer noch unvermindert groß sind.“ Aber keiner der Gegner würde die Füchse jetzt noch unterschätzen, „weil wir zu der Bundesliga-Spitze gehören“.

Aber es wird jetzt auch deutlich, dass die Lücke, die Top-Torschütze Alexander Petersson nach seinem Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen hinterlassen hat, nur schwer zu schließen ist. Der als Nachfolger verpflichtete Konstantin Igropulo konnte bislang nur bedingt überzeugen.

Wegen der anstehenden Länderspiele ruht die Liga zwei Wochen. Zeit für die Füchse und Coach Sigurdsson, spielerisch wieder dem guten Ruf gerecht zu werden. Allerdings muss der Coach in dieser Woche auf die Nationalspieler verzichten, gleich vier Berliner stehen im deutschen Aufgebot für die EM-Qualifikationspartien gegen Montenegro (Donnerstag) und in Israel (Sonntag). „Es ist jetzt ganz gut, dass erst einmal eine kurze Pause da ist“, so Christophersen.

Handball-Ikone Stefan Kretzschmar hatte während des Debakels der Füchse in Flensburg gesagt, dass sich in schlechten Zeiten zeigen würde, ob eine Mannschaft intakt sei. Das können die Füchse jetzt beweisen.