Champions League

Warum die Berliner Füchse noch eine Chance haben

Elf Tore Rückstand in der Champions League gegen Ademar Leon sind viel für die Füchse. Aber es gibt Beispiele für gelungene Aufholjagden.

Foto: City-Press

Die Chance ist gering – doch die Füchse wollen sie nutzen. Elf Tore müssen die Berliner Handballer im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals am heutigen Sonntag gegen Ademar Leon (16 Uhr, Schmeling-Halle) aufholen und mit zwölf Treffern Vorsprung gewinnen, um doch noch das Final Four Ende Mai in Köln zu erreichen. Eine Herkules-Aufgabe, aber die Füchse sind bereit für den großen Kampf. „Wir müssen an uns glauben und dürfen nie aufgeben“, fordert Trainer Dagur Sigurdsson. Geschäftsführer Bob Hanning weiß natürlich um die Schwere der Aufgabe. „Wir sind Realisten“, sagt der Manager, „so ein Wunder passiert einmal in zehn Jahren. Wir haben es noch nicht versucht. Also packen wir es an.“ Als Mutmacher für die Füchse zeigt Morgenpost Online Beispiele, wo im Sport hohe Rückstände mit couragierter Leistung noch aufgeholt worden sind.

Nicht einmal eine Woche ist es her, da zeigten die Eisbären, warum sie die Nummer eins im deutschen Eishockey sind. Im vierten Spiel des Play-off-Finals lagen die Berliner bei den Adler Mannheim 14 Minuten vor Spielende 2:5 zurück. Der Titelkampf schien entschieden, die Adler-Fans rüsteten sich schon für die Meisterfeier. Da drehten die Eisbären auf: Mit einer Energieleistung schaffte die Mannschaft von Trainer Don Jackson den Ausgleich und erzwang so die Verlängerung, in der T.J. Mulock mit seinem Treffer im Sudden Death den Sieg sicherte, das entscheidende fünfte Spiel erzwang. Dort machten die Berliner am Dienstagabend den Gewinn der sechsten Meisterschaft seit Einführung der DEL 1994 perfekt. Und wieder standen sie in diesem Spiel mit dem Rücken zur Wand, lagen 0:1 hinten. Doch Tallackson, Olver und Talbot drehten das Spiel und sicherten den Titel. „Das sind die schönsten Erlebnisse“, sagte Eisbären-Legende Sven Felski, der sein 1000. Erstliga-Spiel mit dem Titel krönte.

Im vergangenen Jahr schrieb Basketballstar Dirk Nowitzki Geschichte, als er als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks die Meisterschaft in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewann. Zudem wurde der Würzburger und Nationalspieler mit dem MVP-Award für den wertvollsten Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Möglich wurde dieser Triumph aber erst durch zwei grandiose Aufholjagden. Im vierten Spiel des Play-off-Halbfinals gewannen die Mavs bei den Oklahoma City Thunder mit 112:105 nach Verlängerung. Dabei hatten sie viereinhalb Minuten vor der Schlusssirene noch 15 Punkte hinten gelegen. Dallas aber drehte das schon verloren geglaubte Spiel noch um.

Nowitzki führt Dallas zum Triumph

„Wir haben nie den Glauben an uns verloren“, sagte Nowitzki, der 14 von 15 Freiwürfen verwandelt hatte. In der zweiten Finalpartie gegen Miami Heat lagen die Mavericks sieben Minuten vor Spielende ebenfalls mit 15 Punkten zurück – und drehten das Spiel erneut. Nowitzki, der mit einer kleinen Schiene an seinem verletzten linken Mittelfinger spielte, holte dabei die letzten neun Punkte allein und machte auch 3,6 Sekunden vor Spielende den entscheidenden Korb zum 95:93.

Die Sehnsucht der Deutschen nach einem neuen Star in der Formel 1 nach der glanzvollen Ära von Rekord-Champion Michael Schumacher war groß. Im November 2010 war es so weit, sechs Jahre nach Schumachers letztem WM-Triumph hatte das Land wieder einen Weltmeister. Durch seinen Sieg im letzten Saisonrennen beim Grand Prix in Abu Dhabi wurde Sebastian Vettel zum jüngsten Champion aller Zeiten gekürt – in einem Alter von 23 Jahren und 134 Tagen. Dabei hatte er vor dem Rennen im Wüstenstaat nur auf Rang drei der Fahrerwertung gelegen, ganze 15 Punkte hinter dem führenden Fernando Alonso. Bei einem dritten Platz wäre der WM-Traum geplatzt. Aber Vettel behielt die Nerven. Von der Poleposition startend, entschied der Heppenheimer den Grand Prix für sich und feierte den Weltmeistertitel – mit vier Punkten Vorsprung vor Alonso, der Siebter wurde.

Sie gehört zu einer der spektakulärsten Aufholjagden in der deutschen Fußball-Geschichte: Mit dem Wunder von der Grotenburg (oder auch das Wunder von Uerdingen) wird das 7:3 im Europapokalspiel zwischen Bayer 05 Uerdingen und Dynamo Dresden tituliert. Rückblende: Es ist der 19. März 1986. Nach dem 0:2 im Viertelfinalhinspiel steht Uerdingen unter Druck. Und auch im Rückspiel läuft es im Krefelder Grotenburg-Stadion gar nicht gut, in der Halbzeit liegt Bayer bereits 1:3 hinten. Die Partie scheint gelaufen, das Aus von Uerdingen besiegelt. Dann aber kämpfen sich die Platzherren zurück – und gewinnen die Partie am Ende völlig überraschend noch mit 7:3. Uerdingen bahnte sich so den Weg ins Halbfinale, das Erreichen der Vorschlussrunde gegen Atlético Madrid war der größte Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Auch Werder Bremen steht für Wundersames in Europa. Etwa 1988: Nach einer 0:3-Niederlage beim BFC Dynamo raffte sich das Rehhagel-Team noch zu einem 5:0 im Weserstadion auf und schaffte die nächste Runde im Europapokal der Landesmeister.

Zuguterletzt dürften sich die Füchse auch aus einem Europapokalspiel im Handball Mut holen, und diese Geschichte hat sogar direkt mit Ademar Leon zu tun. In der Spielzeit 2003/04 gewannen die Spanier einst das Hinspiel in der Champions League zu Hause gegen Celje Pivovarna Lasko aus Slowenien mit 38:25. Im Rückspiel aber unterlagen sie dann mit 21:34 – Leon war somit ausgeschieden.

So ein Spielverlauf wäre auch am heutigen Sonntag so ganz nach dem Geschmack der Füchse Berlin und ihrer Fans.

Verfolgen Sie das Spiel im Live-Ticker von Morgenpost Online.