Handball

Die Berliner Füchse verlieren gegen Ademar Léon

Nach der 23:34-Niederlage gegen Léon haben die Berliner nur noch eine geringe Chance, in das Final-Four-Turnier einzuziehen.

Foto: DPA

Es gibt manches, was die Füchse Berlin und Reale Ademar Leon gemeinsam haben. Sie sind aktuell jeweils die dritte Handball-Kraft in ihren Ländern, ärgern die Großen gern ein bisschen – hier den THW Kiel und den HSV Hamburg, dort den FC Barcelona und Atletico Madrid – ohne wirklich Titelkandidaten zu sein. Und sie haben in dieser Saison in der Champions League Furore gemacht.

Leon hat zum ersten Mal seit zehn Jahren das Viertelfinale erreicht, der Neuling aus Berlin gleich bei der ersten Teilnahme das gleiche geschafft. So weit gekommen, wollen sie sich nun natürlich auch beide den Traum vom Final Four erfüllen. Doch es kann nur einen geben, und wie soll man den Füchsen dies noch zutrauen nach einer demoralisierenden 23:34 (9:14)-Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel bei den Spaniern?

Von Beginn an wie paralysiert

Am kommenden Sonntag (16 Uhr) kommt es zum zweiten Aufeinandertreffen, in dem die Entscheidung fallen soll, wer zum Turnier der vier besten Vereinsteams Europas am 26. und 27. Mai in Köln fahren darf. Dabei sieht es seit gestern danach aus, als sei diese Entscheidung schon gefallen. „Zu viele Möglichkeiten vergeben, zu wenig Tore erzielt“, kommentierte Geschäftsführer Bob Hanning das enttäuschende Resultat. Die Chancen aufs Weiterkommen beziffert er jetzt nur noch „bei unter zehn Prozent. Da ist die Chance größer, dass Hertha BSC in der Bundesliga bleibt.“

Von Beginn an wirkten die Gäste wie paralysiert. Keine zwei Minuten waren gespielt, da führten die Spanier schon 3:0 – ein Wurf aus dem Rückraum, zwei erfolgreich abgeschlossene Tempogegenstöße. Die Berliner wirkten konfus, unkonzentriert an beiden Enden des Feldes. Gegentreffer kassierten sie zu leicht, im Angriff unterliefen ihnen zu viele technische Fehler, und beste Chancen blieben ungenutzt. Wie der vergebene Siebenmeter in der fünften Minute von Ivan Nincevic, aber auch etliche freie Würfe vom Kreis. Zum Teil lag es am glänzenden spanischen Torhüter Vicente Alamo Yeste, zum Teil aber auch am eigenen Unvermögen. „Cooler spielen“, forderte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson in der ersten Auszeit beim Stand von 5:1.

Vorübergehend schien sich der Bundesligist an die höchst emotionale Atmosphäre im „Palacio de los Departes de Leon“ zu gewöhnen. Zweimal traf Nincevic, einmal Sven-Sören Christophersen, und Leon lag nur noch 8:6 vorn (16. Minute). Es war allerdings schon die einzige wirklich ordentliche Phase von Sigurdssons Mannschaft. Danach war das einzig Positive, dass sie bis zur Halbzeit den Rückstand noch in Grenzen hielt. Aber schon jetzt zeichnete sich ab, warum der „Palast“ der Kastilier in dieser Saison eine nicht einnehmbare Festung ist. Der THW Kiel hat hier als einziges Team in der Gruppenphase einen Punkt entführt. Alle anderen Kontrahenten, darunter immerhin AB Kopenhagen und die französische Topmannschaft Montpellier haben hier verloren.

Allerdings wurde kein Gegner so auseinandergenommen wie die Füchse.

Sie hatten mit allem Probleme, was die Gastgeber in die Waagschale warfen. Mal war es der 128 Kilogramm schwere Kreisläufer Rafael Baena Gonzalez, der schob und drückte und von den Berlinern nicht zu bremsen war. Oder es waren die schnellen Tempogegenstöße des schon 40-jährigen Russen Denis Kriwoschlikow, der schon zwölf Jahre im Verein ist und offenbar seinen dritten Frühling erlebt. Oder der beste Mann des Spiels, der Slowake Martin Stranovsky, der fast fehlerlos von der Siebenmeterlinie oder aus dem Rückraum abschloss.

Wenigstens Romero trifft

So betrug der Berliner Rückstand schon in der 37. Minute beim 10:21 erstmals elf Treffer. In der Abwehr teilweise offen wie ein Scheunentor, im Angriff manchmal zu unentschlossen, dann wieder zu hektisch. Und während Leon perfekt eingestellt zu sein schien auf die Füchse, fehlte dieser Eindruck andersherum fast völlig. Allein Iker Romero, der seine schillernde Karriere einst bei den Kastiliern begann, aber von den Zuschauern wenig freundlich begrüßt worden war, stemmte sich gegen die heftige Niederlage. Der Spanier in Reihen der Füchse war mit acht Treffern Bester seiner Mannschaft.

Sigurdsson verfolgte das Treiben seiner Spieler in den letzten Minuten bewegungslos, ratlos, vielleicht sogar fassungslos. Die Chancen auf das Final Four sind minimal, elf Tore Rückstand im zweiten Aufeinandertreffen ein zu dickes Brett. „Leon war mehr bereit als wir, sie waren überall“, sagte Berlins Kapitän Torsten Laen, „dadurch ist unser Spiel komplett auseinandergebrochen. Wir sind nie in unseren Rhythmus gekommen.“