Handball

Füchse vor Hamburg-Spiel entspannt

Die Füchse wollen ihre Erfolgsserie ausbauen, der HSV redet vom Absturz in die Mittelmäßigkeit - und sieht Berlin in der Favoritenrolle.

Foto: Christian Schroth

Ob die Gratulation von Herzen kam, bleibt Martin Schwalbs Geheimnis. Aber es gehört nun einmal zum guten Ton, den gegnerischen Trainer nach Spielschluss für dessen Erfolg zu beglückwünschen, und so presste auch der Coach des HSV Hamburg nach dem Hinspiel im Achtelfinale der Handball-Champions-League ein paar konziliante Worte der Anerkennung heraus, um dann aber auch gleich einzuschränken, dass ja erst Halbzeit in der Spielrunde sei.

Mit 32:30 hatten die Füchse Berlin das Spiel gegen den Deutschen Meister gewonnen und dem Nordklub damit die erst Saisonniederlage in der Königsklasse beigebracht. Im Rückspiel entscheidet sich nun heute in Hamburg (17.15 Uhr, O* World, live bei Eurosport), welche dieser beiden deutschen Mannschaften neben dem bereits qualifizierten THW Kiel im Kampf um die Vereinskrone Europas im Rennen bleibt.

HSV und Füchse haben dasselbe Ziel, die Vorzeichen und Auswirkungen dieser entscheidenden Partie könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Während die Berliner mit dem Weiterkommen ihrer eh schon eindrucksvollen Erfolgsgeschichte ein neues Kapitel hinzufügen würden, ist in Hamburg vom Absturz in die Mittelmäßigkeit die Rede.

„Mit dem Erreichen des Viertelfinals können wir signalisieren: Wir gehören noch dort oben hin – und die Saison wäre nicht ganz im Eimer“, sagt HSV-Torhüter Johannes Bitter. Das Selbstvertrauen ist arg lädiert, in der Bundesliga musste der Meister längst seine Titelträume begraben. Derzeit liegt der HSV auf Rang vier und muss um die erneute Qualifikation für die Champions League bangen.

Um in der laufenden Spielzeit noch die Kurve zu bekommen, kehrte vor einer Woche Meistertrainer Schwalb zurück auf die Bank. Der 48-Jährige war nach dem Titelgewinn im Sommer 2011 zum Klubpräsidenten aufgestiegen und soll jetzt die Mannschaft vor dem Absturz retten.

„Wir werden in Hamburg nicht unseren Präsidenten oder Hauptsponsor auf die Trainerbank setzen“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning vor dem K.o.-Spiel in Hamburg. Amüsiert nimmt er zur Kenntnis, dass die Hamburger die Füchse jetzt sogar zum Favoriten erklärt haben. „Und dass, obwohl wir nur über 40 Prozent ihres Etats verfügen“, erklärt Hanning. Die Füchse jedenfalls sind entspannt. Mannschaftskapitän Torsten Laen sieht keinen Grund zur Sorge. „Erst einmal müssen die Hamburger das Spiel gegen uns gewinnen, damit wir über die Tordifferenz reden“, sagt Laen, der bereits zweimal die Champions League gewonnen hat.

Auch Sven-Sören Christophersen, der seit Wochen überragend aufspielt und meist bester Werfer der Berliner ist, fühlt sich gerüstet: „Der Druck ist nach wie vor beim HSV, das wollen wir für uns nutzen“, sagt der Nationalspieler, „wir brauchen zwar keinen Rückstand aufzuholen. Dennoch müssen wir auf Sieg spielen. So, als ob es 0:0 stehen würde. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

Das müssen die Füchse freilich schon lange nicht mehr. Längst hat sich der Hauptstadtklub als Spitzenkraft in der Handball-Bundesliga etabliert und hält seit Monaten souverän Platz zwei in der besten Liga der Welt. Der deutsche Rekordmeister THW Kiel marschiert unbeeindruckt und uneinholbar vorneweg, aber die Füchse leben erfolgreich vor, wie man mit vergleichsweise geringem Budget maximalen Erfolg hat. Die Team-Chemie stimmt, Einsatz und Leidenschaft sowieso. Und dazu besticht Trainer Dagur Sigurdsson immer wieder als brillanter Taktiker, der Isländer hat das Gespür für die richtige Entscheidung.

Trotz der Lockerheit und eines gesundes Selbstbewusstseins sieht Füchse-Manager Hanning im Gegensatz zu Martin Schwalb die Hamburger in der Rolle des Favoriten. „Das Ergebnis wird vom HSV bestimmt. Wir sind nicht so illusorisch oder blöd, etwas anderes zu denken“, sagt Hanning. Er lächelt: „Aber wir sind bereit für den Moment, wenn der HSV Schwäche zeigt. Ich würde mich freuen, wenn wir das Wunder von Berlin weiterleben lassen können.“