Champions League

Füchse Berlin treten zum Spiel des Jahres an

Füchse-Manager Bob Hanning schwärmt vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Hamburg von der "Sahne auf der Sachertorte". Es ist angerichtet für das heutige große Spektakel in der Berliner Schmeling-Halle.

Foto: picture alliance / Eibner-Presse

Die süße Sünde ist im Alltag nur selten erlaubt. Als bildlicher Vergleich birgt sie freilich keinerlei Gefahren, was Kalorien angeht. Und so spricht Bob Hanning gern von einer Sachertorte, wenn er von dem Erfolg der Füchse Berlin in der Champions League spricht. Nach dem Erreichen des Achtelfinales empfangen die Berliner am heutigen Sonntag in der Runde der besten 16 Mannschaften den Deutschen Meister HSV Hamburg zum Hinspiel (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle, Eurosport), Restkarten gibt es an der Abendkasse. „Das Achtelfinale ist die Sahne auf dem köstlichen Schokoladenkuchen“, frohlockt Hanning, „das schmeckt noch besser und wir sind stolz, dass wir dort spielen dürfen.“

Es ist angerichtet für das große Spektakel in der Schmeling-Halle, das gern auch als Spiel des Jahres tituliert wird. Dass die Füchse bei ihrer Premiere in der Champions League gleich die K.o.-Runde erreicht haben, nötigt dem Gegner Respekt ab. Längst haben sie sich in der Bundesliga als feste Größe etabliert, sie rangieren derzeit hinter dem designierten Meister THW Kiel auf Rang zwei, Titelverteidiger HSV muss als Vierter jetzt sogar um die direkte Qualifikation für die Champions League bangen. Der Titeltraum ist längst geplatzt. „Aber genau das macht sie gefährlich, weil sie jetzt ihren Focus voll auf die Königsklasse richten“, ahnt Hanning.

Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson gibt sich gewohnt cool und gelassen, der Isländer lässt sich vor dem Anwurf nicht von irgendeiner Rollenverteilung beeinflussen, bereitet seine Mannschaft akribisch auf den Gegner vor. „Wir brauchen nicht über Favorit oder Underdog zu reden. Beide Mannschaften sind auf Augenhöhe – wir haben Respekt verdient“, sagt Sigurdsson, der mit seinem Team zuletzt immer gut gegen die Hamburger aussah. Zu Hause gewannen die Berliner in der Liga mit 26:25, auswärts unterlagen sie denkbar knapp mit 23:24. „Das waren enge Spiele, die werden es wohl wieder werden“, sagt Berlins Rechtsaußen Johannes Sellin, der am Mittwoch mit drei Toren im Länderspiel gegen Island einen glänzenden Einstand in der A-Nationalmannschaft erlebt hatte. „Es wird die Tagesform entscheiden und möglicherweise auch das Quäntchen Glück eine Rolle spielen.“ Dass der Ausgang der Partie gemeinhin als offen dargestellt wird, liegt auch daran, dass Sven-Sören Christophersen mit dabei ist, nachdem die Europäische Handballföderation (EHF) am Freitag die Sperre gegen den Rückraumakteur aufgehoben hatte.

Im September war der HSV mit dem festen Willen einer Titelverteidigung in die Saison gestartet. Rasch musste das ehrgeizige Vorhaben als gescheitert betrachtet werden, seitdem herrscht Unruhe im Verein. Jetzt kehrt in Martin Schwalb sogar der Meistercoach der vergangenen Spielzeit auf die Bank zurück. „Jeder beim HSV ist gefordert, mit anzupacken.“ Der 48-Jährige war nach dem Titelgewinn zum Klub-Präsidenten aufgestiegen. „Dann ist es im Spiel zumindest hinter der Bank ruhiger“, sagt Hanning und schmunzelt, „wir haben bei den Füchsen in sechs Jahren nicht so viele Trainer gebraucht wie der HSV in einer Saison.“ Schwalb aber hat die Hamburger immerhin 2011 zur Meisterschaft geführt. „Und die Mannschaft lebt immer noch von Schwalbs Handschrift, auch wenn zwischendurch ein anderer Trainer da war“, sagt Dagur Sigurdsson, der natürlich weiß, dass der Nordklub nicht so konstant ist wie letzte Saison. „Aber“, warnt der Coach, „in zwei Spielen können sie Weltklasse sein.“

Der Kader jedenfalls lässt jeden Kenner mit der Zunge schnalzen, das Team ist gespickt mit Weltstars. Oder wie Hanning sagt: „Die Ersatzbank des HSV ist teurer als unsere erste Sieben.“ In der Tat verfügen die Hamburg mit rund zehn Millionen Euro über einen mehr als doppelt so hohen Etat wie die Berliner. „Und wenn der HSV Bestleistung zeigt, dann haben wir auch keine Chance“, sagt der Füchse-Manager. Deshalb bestimme der Gegner das Resultat, „und nicht wir.“ Doch die Berliner beweisen seit Monaten immer wieder, dass mit vollem Einsatz und cleverer Taktik viel möglich ist. Hanning: „Wer in der besten Handball-Liga Zweiter ist, der hat die Qualität für ein Achtelfinale in der Champions League. Von daher können wir mit breiter Brust in das Duell mit dem HSV gehen. Und mit einer schlauen Taktik können wir vielleicht sogar die Überraschung schaffen. Dafür brauchen wie das Publikum. Wer eine Eintrittskarte kauft, der muss auch mitbrüllen.“ Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar ist von den Füchsen beeindruckt. „Die Füchse holen immer das Optimum aus sich heraus“, lobt der Berliner, „es ist stark, mit welchen Mitteln sie die Liga rocken. Sie haben ihre Team-Chemie gefunden, spielen im Stile einer Spitzenmannschaft.