Füchse-Kapitän Torsten Laen

"Zu Hause können wir auch Hamburg schlagen"

Die Berliner Fans fiebern einem großen Handball-Fest entgegen. Am Sonntag (16 Uhr) empfangen die Füchse den deutschen Meister HSV Hamburg zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Ein hoffnungsloses Unterfangen für die Gastgeber? Keineswegs, meint Füchse-Kapitän Torsten Laen im Interviewe mit Morgenpost Online.

Foto: Christian Schroth

Morgenpost Online: Ist das Spiel morgen gegen Hamburg das wichtigste in der Füchse-Historie, Herr Laen?

Torsten Laen: Eines der wichtigsten. Wir haben einige solcher Spiele gehabt – erst vor ein paar Wochen zum Abschluss der Gruppenphase gegen Silkeborg, als es um den Einzug ins Achtelfinale ging. Letzte Saison in Magdeburg, als wir um die direkte Qualifikation für die Champions League kämpften. Jedes Mal ging es für uns eine Stufe höher. Aber es stimmt, auf einem höheren Level sind wir noch nie angetreten. Was man an all diesen Etappen erkennt, ist die Entwicklung, die die Füchse in nur sechs Jahren genommen haben. Es ist unglaublich: von der zweiten Liga ins Achtelfinale der Champions League.

Morgenpost Online: Was kommt als nächstes?

Torsten Laen: Wir müssen diese Momente genießen, aber gleichzeitig im Kopf behalten, worauf es jetzt ankommt, unseren Job machen.

Morgenpost Online: Was spricht dafür, dass Sie weiterkommen?

Torsten Laen: (überlegt lange) Kommt auch noch die Gegenfrage?

Morgenpost Online: Die kommt, aber lassen Sie uns doch mit dem Positiven anfangen…

Torsten Laen: …okay. Wir sind gut drauf. Wir sind Zweiter in der Bundesliga. Wir haben Hamburg zweimal bei uns zu Hause in der Max-Schmeling-Halle geschlagen. Das gibt natürlich Selbstvertrauen. Das müssen wir mitnehmen, dazu taktisch klug agieren. Dann wird man sehen.

Morgenpost Online: Und was spricht dagegen?

Torsten Laen: Wir sind als Vierter unserer Gruppe weitergekommen, Hamburg als Erster. Das sagt viel aus. Aber die größte Herausforderung für uns ist: Erfahrung mit Hin- und Rückspiel. Wir spielen Sonntag eigentlich nur die erste Halbzeit. Das heißt: Wir müssen nicht denken, wir haben jetzt ein großes Finale. Wir müssen nicht denken, wenn wir nicht mindestens unentschieden spielen, ist das eine Katastrophe. Auch eine knappe Niederlage muss noch nicht das Aus bedeuten. Abgerechnet wird erst in einer Woche in Hamburg. Diese Situation ist ganz neu für uns. Hamburg war schon im Final Four, die kennen das. Das ist aus meiner Sicht ihr größter Vorteil.

Morgenpost Online: Ich staune. Sie beklagen nicht das viel größere Budget des Gegners.

Torsten Laen: Ach, wissen Sie: Am Ende stehen auf beiden Seiten 16 Leute. Sieben spielen gegen sieben, alle wollen dieses Spiel gewinnen und dafür das Beste liefern. Da ist egal, wie viel man verdient. Wir haben ja auch schon gezeigt, dass wir Hamburg schlagen können. Fragen Sie mich am Sonntag noch mal, falls wir verloren haben – dann habe ich vielleicht eine gute Entschuldigung.

Morgenpost Online: Mit Ciudad Real haben Sie zweimal den Titel gewonnen. Was fehlt den Füchsen noch, um ein Final Four anzupeilen?

Torsten Laen: Wir wissen ja noch gar nicht, ob wir nicht doch schon dieses Jahr dort hinkommen! Ich finde, wir haben eine super Mannschaft. Keine Stars, sondern eine komplette Mannschaft, wo jeder Tore werfen kann. Aber natürlich merkt man bei uns eher, wenn ein oder zwei Leistungsträger ausfallen, als wenn das zum Beispiel den Hamburgern passiert. Oder Kiel. Uns fehlt vielleicht etwas die Tiefe im Kader.

Morgenpost Online: Wäre es eine gute Idee, für so ein Spiel in die O2 World umzuziehen? Vermutlich hätten Sie da 15.000 Fans dabei.

Torsten Laen: Nein danke! Die Schmeling-Halle ist jetzt unsere Halle. Da haben wir unsere großen Erfolge erlebt, Kiel geschlagen, Hamburg, Moskau, andere große Mannschaften. Wenn man in dieser Atmosphäre einmal Erfolg hatte, dann wird es auch leichter beim nächsten Mal. Wir wissen, es ist verdammt schwierig, uns hier zu schlagen.

Morgenpost Online: Sind Ihre Fans denn besonders? Besonders laut? Besonders fachkundig?

Torsten Laen: Sie haben sich entwickelt, mit der Mannschaft. Anfangs haben wir mal mit 17 Toren Differenz gegen Kiel verloren. Die Zuschauer applaudierten, wenn Christian Zeitz ein schönes Tor geworfen hat. Sie waren nicht unbedingt für die Füchse da, sondern um Handball zu sehen und haben sich mit dem deutschen Nationalspieler gefreut. Das fand ich komisch. Dann haben wir in der Tabelle oben mitgespielt – und es wurde anders. Laut, intensiv. Jetzt im internationalen Wettbewerb hat sich das noch einmal gesteigert. Das imponiert auch den Schiedsrichtern. Da wird auch mal gebuht, wenn der Gegner im Ballbesitz ist. Da wird dann vielleicht mal drei Sekunden früher passives Spiel abgepfiffen. Das hilft unglaublich viel in einem Handballspiel! Ich hoffe, unsere Zuschauer bereiten sich so vor wie wir. Denn wir brauchen sie auch jetzt gegen Hamburg.